Montag, 20. Februar 2017

Aktueller Schreibanlass

Es ist schön in den Ferien...
(auch wenn ich an einem anderen
gefrorenen See weile)
Ferien sind für mich immer ein aktueller Schreibanlass. Selbst noch ein Schulkind, ging ich zur Materialverwalterin zur Schule. So bekamen wir für jede Ansichtskarte, die wir ihr schrieben einen Farbstift, oft auch seltene Farben, die nicht mehr produziert wurden (Restbestände) oder Muster, die sie von Vertretern hatte.

Später habe ich das selber praktiziert - jedoch etwas weniger materialistisch: Wer mir eine Postkarte schreibt, der bekommt auch eine. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, jedoch, dass dies je länger desto sorgfältiger eingeführt werden muss, da manche Kinder gar nicht mehr wissen, was eine Postkarte ist und was man das so schreiben kann. Haben sie es einmal begriffen, freuen sie sich dann umso mehr auf die unerwartete (weil seltene) Post im Briefkasten.

Montag, 13. Februar 2017

Weshalb die Kinder mit drei verschiedenen Browsern ins Internet müssen

In einer Kolumne in der Neuen Zürcher Zeitung (Digitale Drogen) äusserte sich Prof. Konrad Paul Liessmann von der Universität Wien sehr kritisch zum Einsatz digitaler Werkzeuge im Schulunterricht. Die Fragen, die er aufwirft, respektive seine Beobachtungen sind durchaus berechtigt. Hingegen liesse sich auch eine andere Konsequenz daraus ziehen. Während Liessmann die digitalen Medien lieber heute als morgen aus den Schulzimmern verbannen möchte, könnte man sich auch die Frage stellen, was das Wesentliche sei. Und ob dies in der Schule erreicht werden kann.

Sollen die Kinder mit Microsoft Windows umgehen können? Ich meine nein, denn es gibt ja auch noch MacOS, iOS, Android, Linux und anderes. Das Betriebssystem ist irrelevant. Wenn ich Auto fahren will, muss ich auch nicht wissen, wie BMW oder VW ihre Motoren bauen.

Sollen die Kinder in Word einen Text tippen können? Mit Powerpoint ein paar Folien zusammenstellen? Eine Exceltabelle ausfüllen? Oder sollten sie nicht eher eine Ahnung haben von Textverarbeitung, Präsentationen, Tabellenkalkulation? Das alles ist möglich auf Papier oder digital und digital unabhängig von einem bestimmten Anbieter.

Sollten die Kinder nicht auch eine Ahnung haben über die Geschäftsmodelle der Anbieter, deren Vor- und Nachteile? Wikipedia oder Mozilla leben von Spenden; Google, Facebook, zum Teil auch Amazon und Microsoft von Werbung. Also müssen sie uns ausspionieren, um uns besser zu kennen, um passende Werbung aufzuschalten.

Beim Einsatz von quelloffenen Programmen (Ubuntu, LibreOffice, Firefox, u.a.m.) ist man da bereits einmal auf der sicheren Seite. Weitere Vorteile sind: Fehlende Lizenzkosten für den Schulträger und die Kinder dürfen legal die gleiche aktuelle Version wie in der Schule auch zu Hause herunterladen und installieren.

Für den Zugang zum Internet empfiehlt es sich mehrere Browser zu nutzen: mal den, mal jenen: Firefox, Chromium, Vivaldi (nicht Chrome von Google, nicht Explorer oder Edge von Microsoft, nicht Safari von Apple). Dabei sollte voreingestellt sein, dass die Chronik und die Cookies gelöscht werden, sobald der Browser geschlossen wird.

Wenn dies in der Schule umgesetzt wird und die Kinder auch wissen, weshalb, dann ist meines Erachtens schon viel erreicht. (Wenn in einer Schule das Betriebssystem Windows oder MacOS vorgegeben sind: Das lässt sich alles umsetzten. Achtung: Windows 10 stellt automatisch nach jedem Update den Spionage-Browser Edge als Standard ein – das ist echt mühsam!)

Montag, 6. Februar 2017

Von der Abschaffung von Religion und Kultur

Werden wir die Geister, die wir riefen, nicht mehr los?
Die Advents- und Weihnachtszeit ist vorbei, Fasnacht, Fastenzeit und Ostern stehen vor der Tür. Auch wenn viele unserer Schulkinder nicht (mehr) praktizierende Christen sind, prägen solche Zeiten den Alltag, sei es in Form von Strassenbeleuchtung, Omnipräsenz saisonaler Produkte in den Läden oder auch in Form von Geschenken.

Weshalb läuten um 7, um 11 und nachmittags täglich die Kirchenglocken? Weshalb gibt es Fasnacht? drei Tage frei an Ostern? Geschenke an Weihnachten? Wie kommt es, dass der Nikolaus den Kindern Gritibänzen bringt? Das alles erlebt das Kind mehr oder weniger intensiv. Bisher war das auch in der Schule ein Thema - je nach Kanton als Glaubensvermittlung oder eher sachlich (etwa Religion und Kultur im Kanton Zürich). Aber überall gab es ein Primat des Christentums als traditionelle oder ursprüngliche Leitreligion in unseren Breitengraden, als diejenige Religion, welche Kultur und Gesellschaft geprägt haben und immer noch prägen wie keine andere. Mit dem neuen Lehrplan 21 ändert sich dies nun aber massiv.

Daniel Kummer hat den künftigen Lehrplan analytisch durchforstet und erschreckendes festgestellt. Die meines Erachtens wesentlichsten Stellen habe ich farblich markiert:

1. Welche Begriffe kommen vor?
Das Wort ´christlich´ kommt genau zweimal vor. Das erste Mal mit Bezug auf die Bundesverfassung und die kantonalen Volksschulgesetze. Die Schule soll sich an folgenden Werten orientieren: „Sie geht von christlichen, humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen aus. Sie ist politisch und konfessionell neutral.“ (Einleitung Bildungsziele) Das zweite Mal wird im Fach NMG gefordert, dass Schüler befähigt werden, „Gemeinsamkeiten und Bezüge zwischen Judentum, Christentum und Islam an Beispielen zu erläutern.“ (NMG. 12.5.g) Ansonsten gibt es keinen weiteren Bezug zu den unter Bildungszielen erwähnten Werten. Wie soll das gehen, wenn die Schule von christlichen Werten ausgehen soll?

Personen der Bibel, die in vielen Lehrplänen bisher vorkamen, ‚Mose‘, ‚Abraham‘, ‚David‘, sowie der Begriff ´Schöpfung´ kommen im gesamten Lehrplan nirgends vor. ´Jesus´ wird im Fachbereich NMG nur insofern erwähnt, dass die Schüler zum Leben bedeutender Gestalten aus verschiedenen Religionen (insbesondere Jesus, Mohammed, Buddha) Geschichten erzählen können. (NMG.12.2.b) Auf der Oberstufe sollen die Schüler die Bedeutung zentraler Gestalten aus den Religionen kennen, insbesondere „Jesus, Mohammed und Buddha anhand von Überlieferung, Darstellung und Verehrung< erläutern sowie aus weiteren Perspektiven betrachten (historisch, ästhetisch, kulturell).“ (ERG 5.1) Das sind die beiden einzigen Bezüge zu Personen unserer jüdisch-christlichen Vergangenheit.

Die ´Bibel´ kommt ein einziges Mal vor: „Die Sch. können (auf der Oberstufe) erläutern, wie heilige Schriften (insbesondere Tora, Bibel, Koran) überliefert wurden (z.B. mündliche, schriftliche Überlieferung, Handschriften, Buchdruck, Übersetzung) und wie sie verwendet werden (Rezitation, Meditation, Lesung, Auslegung).“ ERG. 5.1.b ‚Kirche‘ kommt nur in Zusammenhang mit Musikerleben und Kunstbetrachtung (je 2x), sowie bei den didaktischen Bemerkungen vor.

Die für unsere Kultur prägenden Feste des Kirchenjahres kommen wie folgt vor: ‚Palmsonntag‘, ‚Karfreitag‘, ‚Ostern‘, ‚Auffahrt‘, ‚Pfingsten‘, ‚1. August‘, ‚Bettag‘, ‚Weihnachten‘ werden im gesamten Lehrplan nicht erwähnt. 

Nun könnte man vermuten, dass die Kompetenzen ja inhaltsunabhängig formuliert werden und es lediglich Verweise auf ‚Feste‘ gibt. Je nach Einschätzung der Lehrperson können dann passende Feste ausgewählt werden: „können kulturelle Unterschiede (Herkunftsländer der Mitschülerinnen und Mitschüler) und Ähnlichkeiten beobachten und beschreiben (z.B. Alltagsrituale, Feste, Traditionen).“ FS1F.6.C.1.a Ist damit ausreichend auf unsere Kultur verwiesen? „können von Festanlässen in der Familie oder in der Umgebung erzählen und Anteil daran nehmen, wie andere Feste feiern.“ NMG.12.4.a Damit wird die Auswahl der Feste der schulischen Zufälligkeit Preis gegeben. Ein Lehrplan sollte mehr bieten! Wenn wir unsere Kinder so bilden wollen, dass sie unsere Kultur verstehen, braucht es den Bezug zur jüdisch-christlichen Überlieferung. Ein Kernpunkt jeder Bildung ist, dass man das, was uns geprägt hat, kennt?

2. Fehlen zentrale Inhalte im religiösen Bereich, weil der LP21 kompetenzorientiert ist?
Ein Blick auf andere Fächer zeigt ganz deutlich, dass an vielen Orten einerseits konkrete Inhalte aufgeführt werden und auch eine klare Ausrichtung auf verbindliche Werte eingefordert wird. Hierzu vier Beispiele:
„können darlegen, wieso die erste Hälfte des 20. Jahrhundert als Zeitalter der Katastrophen bezeichnet wird (insbesondere Erster und Zweiter Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Holocaust unter Berücksichtigung von Diskriminierungen und Rassismus sowie des Phänomens Gewalt).“ (RZG.6.3.b)
„können die Geschichte von ausgewählten Institutionen und Menschen erzählen, die sich im 20. Jahrhundert für Freiheit, Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit oder nachhaltige Entwicklung einsetzten (z.B. UNO, Rotes Kreuz, Bertha von Suttner, Martin Luther King, Mutter Theresa, Nelson Mandela, Mahathma Ghandi).“ (RZG.6.3.c)
„kennen ausgewählte Schutz- und Verhaltensregeln zu Pflanzen und Tieren (z.B. Tierschutz, geschützte Pflanzen, Naturschutz) können daraus das Verhalten in ausgewählten Lebensräumen in der Wohnregion ableiten.“ (NMG.2.6.g)
kennen ihre Rechte im Umgang mit Sexualität (insbesondere Schutzalter, sexuelle Orientierung, Schutz vor Abhängigkeit und Übergriffen) und können ihre Verantwortung im Umgang mit Sexualität einschätzen.“ (ERG.1.3.b)

So sieht Bildung normalerweise aus. An vielen Orten wollen die Lehrplanverfasser Einstellung und Verhalten  der Schüler prägen. Werte werden nicht zur Disposition gestellt, sondern es wird eine klare Richtung der Bildung festgelegt. Diese Klarheit fehlt dort, wo an unsere jüdisch-christliche Kultur angeknüpft werden soll! Weshalb?

3. Ist der LP21 doch auch ein Stoffplan?
Das Wort ‚insbesondere‘ bei verschiedenen Kompetenzbeschreibungen weist gemäss dem Kapitel ‚Überblick und Anleitung‘ S. 7f darauf hin, dass die nachfolgenden Inhalte verpflichtend sind. Man hat also ein Instrument eingeführt, mit dem man auch Inhalte verpflichtend machen kann. Ist es nicht erstaunlich, dass man einerseits einen kompetenzorientierten Lehrplan verfasst, aber dann doch eine Fülle an verbindlichen Inhalten einfügt und sich so wieder einem Stoffplan annähert? Vermutlich können gewisse Kompetenzen nur an gewissen Inhalten gelehrt und gelernt werden. Paradox wirkt es, wenn in der Einführung steht:
„Beschrieben Lehrpläne bis anhin, welche Inhalte Lehrpersonen unterrichten sollen, beschreibt der Lehrplan 21, was Schülerinnen und Schüler am Ende von Unterrichtszyklen können sollen. An die Stelle von Lernzielen und stoffinhaltlichen Vorgaben treten fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schülern in den Fachbereichen erwerben.“ (Einleitung S. 7)

Wie kommt es dann, dass rund 650 konkrete Inhalte1 (plus verschiedene Inhalte in Klammern) im Lehrplan als verbindlich festgelegt werden? Insofern macht es nicht Sinn, dass im religiösen Bereich zentrale Themen unserer Kultur nicht einmal als Beispiele aufgeführt werden und so die inhaltliche Auswahl ganz der Beliebigkeit anheim gestellt wird.


4. Wie viel Distanz braucht es zur Religion?
Schule will ja bilden, das bedeutet, dass sie in der Innenwelt der Kinder etwas bewirken will. Diese Absicht drückt sich im Lehrplan unterschiedlich intensiv in den Kompetenzen aus. Aber im Religionsbereich wird bereits auf der Unterstufe eine distanzierte und von zentralen Elementen des christlichen Glaubens gelöste Perspektive sichtbar. Nicht mehr der christliche Glaube steht im Fokus als primäre Religion, sondern die Religionen. Überall im Lehrplan wird nicht von Religion sondern von Religionen gesprochen: „können an Beispielen beschreiben, wie Religionen menschliche Grunderfahrungen rituell gestalten.“ (NMG.11 2c)

Im ganzen Lehrplan fällt der Primat des Christentums von Anfang an weg! Dies war bisher in keinem Kanton der Fall, falls Religion irgendwie thematisiert wurde. Auch im Kanton Zürich, der das Fach ‚Religion und Kultur‘ eingeführt hat, wird der christlichen Religion eindeutige Priorität eingeräumt. In dem Sinn vollzieht der LP21 eine klar Abkehr von bisherigen Konzepten! Wollen wir das?

Als zweites Merkmal fällt der distanziert-beschreibende Zugang zum Phänomen ‚Religion‘ auf. Dies mag  auf der Oberstufe angemessen sein, aber in der Primarstufe ist das sowohl entwicklungspsychologisch als auch lernpsychologisch unpassend. Die Perspektive des sich entwickelnden und durchaus auch glaubenden Kindes ist nirgends im Blick.


Es bleibt zu fragen, ob wir in der Schweiz einen solchen Umgang mit unserer christlich geprägten
Kultur wollen, oder ob das nicht an der kindlichen und gesellschaftlichen Realität vorbei geht und in dem Sinne nicht konsensfähig sein wird. Wir brauchen doch eine Schule, die auf eine Gesellschaft vorbereitet, in der Kinder auch religiöse Phänomene wertschätzen, verstehen und damit umgehen lernen!

Montag, 30. Januar 2017

Mit Bruchteilen spielen

(Wikimedia)
Anfangs Schuljahr habe ich mit meinen Fünftklässler eine erste Einführung ins Bruchrechnen gemacht. Es ging (nach Mathematik 5 von Prof. Hohl, Lehrmittelverlag Zürich), vorerst nur um Stammbrüche erkennen. Nach Zahlenraumerweiterung und Wiederholungsaufgaben haben wir nun in den letzten Tagen des ersten Semesters angefangen mit Stammbrüchen zu rechnen, vor allem mit Grössen.

Dieser von Hohl propagierte Weg ist sicher ein sehr vorsichtiger Zugang zum Bruchrechnen. Ein Tempo, das meinen Förderschülern entgegenkommt. Ich habe nun noch nach Material gesucht, das die Kinder mehr handeln lässt. Fündig wurde ich hier:
Diejenigen mit Stammbrüchen habe ich bereits gebastelt, die anderen warten auf eine freie Minute in den kommenden Tagen.

Montag, 23. Januar 2017

Zuviel schlechter Frontalunterricht

Der emeritierter Erziehungswissenschaftler Dr. Hilbert Meyer aus Oldenburg kommentiert in diesem Kurzbeitrag präzise und prägnant einige der aktuellsten Stichworte aus der Schule. Leider ist seine Beobachtung betreffend dem 'Frontalunterricht' wahr, wobei er nicht in die Falle fällt und den Frontalunterricht verteufelt, sondern sehr richtig einen vernünftigen Anteil und entsprechende Qualität fordert. Weitere Stichworte sind 'Lehrerbildung und Schulentwicklung', 'Veränderungsresistenz', 'Unterrichtsqualität und Bildungspolitk' und 'Vergleichsstudien'.

Montag, 16. Januar 2017

Weshalb Kinder nicht mehr gehorchen - und was man dagegen tun kann

Zweimal in letzter Zeit hörte ich das aus verlässlicher Quelle: Heutige Kinder gehorchen nicht mehr. Also ist meine Wahrnehmung nicht so ganz falsch. In diesem kurzen Filmbeitrag erklärt Fabian Grolimund, weshalb das so ist. Gleichzeitig zeigt er mit seinen beiden Mitarbeiterinnen auch auf, wie es mit Kooperation einen Weg aus diesem Dilemma des fehlenden Gehorsams gibt.



Natürlich ist nicht alles neu, was hier empfohlen wird, mir gefällt jedoch die kompakte Zusammenfassung und der kleine Hase, auch wenn er in der Zwischenzeit nur noch die zweite Geige spielt.

Montag, 9. Januar 2017

Schule der Zukunft

Schöne neue Welt? Antwort an die NZZ.
Diesen Post habe ich im letzten Juni in einem informationswissenschaftlichen Blog unter dem Titel "Disruption in der Schule" veröffentlicht. Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird. Wenn man heute von Disruption spricht, dann meistens dann, wenn durch die Digitalisierung bisherige Geschäftsmodelle wegfallen. Beispiel: Wegen Uber verdienen Taxifahrer nicht mehr genug zum Leben. Bisher dachten wir, das Lehrersein und die gute alte Schule sei davon nicht betroffen. Dachten wir.

Die deutsche Bertelsmann-Stiftung ist überzeugt, dass Lehrer, die wie weiland Aristoteles mit seinen Schülern im Kreise zusammensitzen und philosophieren, passé seien. Solche Schule, apostrophiert mit Negativbegriffen wie «Frontalunterricht», gilt als antiquiert, unfair, ineffizient, teuer und langweilig. Vor allem aber kann diese Art von Schule die Bildung der Massen nicht meistern. Wie die schöne neue Schule aussehen könnte, zeigt ein lesenswerter Kommentar von Claudia Wirz in der Serie «Chancen der Digitalisierung» der Neuen Zürcher Zeitung.

Dabei werden wichtige und richtige Fragen aufgeworfen wie: Reicht für die Bildung von morgen die Beziehung zu einem Computer? Und wird die Schule dadurch sogar besser? Wirz hält korrekterweise fest, dass Schule von alters her Beziehungsarbeit sei, die je nach Konstellation mal mehr, mal weniger gelänge - auch wenn man diesen Aspekt im ausführlichen Artikel durchaus noch etwas vertiefen hätte können. Ebenso wie Hinweise auf die Auswirkung digitalen Lernens auf unser Hirn, wie sie etwas Manfred Spitzer und andere sehr wohl geben. Richtig eingesetzt sind die digitalen Medien sicher ein Segen. Das humanistische Ideal einer guten Bildung für alle wird damit käumlich Realität.

Oft bleibt gerade beim digitalen Lernen bleiben das Frontale und das Autoritäre erhalten - Frontalunterricht in einer «coolen» Form quasi. Gerade der funktionale Ansatz, der mit dem neuen Lehrplan 21, der dem kompetenzorientierten Unterricht verschrieben ist, auf die Schule zukommt, besteht die Gefahr, dass die Bildung der Zweckmäßigkeit unterordnet wird. Das ist das Gegenteil humanistischer Bildung, die ein harmonisches Ganzes anstrebt, das das Emotionale einbezieht, mit dem Ziel, dem Menschen die Ermächtigung zum Selberdenken zu geben. Nur das mache den Wissensträger mündig und unabhängig, schreibt Wirz, für die Erziehung zur Selbständigkeit brauche es immer noch den analogen sozialen Verbund.


Mehr zur Wechselwirkung Digitales Leben - menschliches Hirn