Montag, 25. September 2017

Waldschule statt Eröffnungsfeier

Der Bericht über eine Eröffnungsfeier verleitet mich noch über ein anderes Ritual zu berichten. In dieser Schule beginnen alle Klassen für sich alleine. An einem Tag in der dritten Woche gehen alle ins Tobel. Die ganz kleinen fahren mit dem Bus bis an den Ortsrand und marschieren dann noch etwa eine Viertelstunde in den Wald hinein. Andere Klassen starten beim Schulhaus und sind vielleicht anderthalb Stunden unterwegs, wenn sie den Ort umgehen. Die Sekundarklassen machen Umwege oder fahren mit dem Bus etwas weiter und kommen dann über die Hügel von der anderen Seite her...

Im Tobel selbst hat es einen Bach, wunderbar zum Stauen, Kanäle bauen, waten, ..., eine Steile Böscung zum Klettern, abseilen, dreckig werden. Manchmal geht eine Gruppe noch ein paar Schritte weiter bis zum Wasserfall. Für uns Lehrer ist das eine wunderbare Gelegenheit, unterwegs mit vielen Kindern ins Gespräch zu kommen und im Wald viel, viel beobachten zu können. Nach dem gemeinsamen Mittagessen beim Rastplatz geht es dann wieder heimwärts, sei es mit dem Bus, sei es auf direktem Wege zu Fuss.

Montag, 4. September 2017

Eröffnungsfeier

Wir hatten am Mittwoch die Eröffnungsfeier. Die hiess Kinderkonferenz und alle sassen im Singsäli klassenweise am Boden (d.h. wegen akutem Platzmangel die Sechstklässler auf der Seite auf den Stufen und die Erst- und Einführungsklässler* auf der Bühne. Zuerst sangen wir das Schulhauslied. Darauf standen jeweils von jeder Klasse in absteigender Reihenfolge zwei Kinder auf und stellten sich vor im Stil von "Ich heisse ... und gehe in die x. Klasse. Ich gehe gerne in der xyz zur Schule, weil ...". Der dazugehörige Klassenlehrer ergänzte jeweils einen oder höchstens zwei Sätzen zu seiner Klasse. Darauf wurden die Erst- und Einführungsklässler alle vorgestellt, die Fachlehrerinnen. Und weil es ja die Vollversammlung der Schule (Kinderkonferenz) war, bat ein Mädchen der 5. Klasse noch, im Gang nicht nach den aufgehängten selbstgebastelten Planeten zu haschen....

Fast alle haben einen leichten (bis starken) Einschlag in ihrem Deutsch, aber es sind sehr robuste Kinder, aufgestellte und freundliche. In meiner ganzen Karriere ist es mir bis jetzt noch in keinem Schulhaus passiert, dass sich klassenfremde Kinder bei mir erkundigt haben, ob ich nun der neue Lehrer sei (für die 4. Klasse, als Ersatz für Herrn B... etc.).+

* Kleinklasse A oder Einführungsklasse: Stoff der 1. Klasse in zwei Jahren.
+ Spionen sei gesagt, dass dieser Bericht nicht aus diesem Schuljahr stammt, sondern von einem Schulhaus, in dem ich nicht mehr unterrichte.

Montag, 28. August 2017

Klassenregeln oder Lehrerregeln?

Bald beginnt wieder ein neues Schuljahr (- oder es hat schon begonnen). Da lohnt es sich vielleicht im Vorfeld, diesen kleinen Film aus der Waldschule anzuschauen. Spannend ist: Da werden zuerst nicht Kinderregeln eingeführt, sondern Lehrerregeln!



Und dann werden gar nicht alle Regeln eingeführt, sondern eine gemeinsam getroffene Auswahl. Diese wiederum werden systematisch eintrainiert. Unglaublich, aber das will ich im August auch ausprobieren.

Als weiterführende Lektüre empfiehlt der Film Die Klassenregeln von Christoph Eichhorn.

Montag, 7. August 2017

Keine Maus

Die Haselmaus ist keine Maus. Dies ist die Quintessenz aus dem Vortrag (siehe Beitrag von vor zwei Wochen zu den Kurzvorträgen) eines meiner Viertklässler. Leseverständnis ist für ihn sehr schwierig. Die Arbeit mit der Kinderzeitschrift kam ihm sehr entgegen. Er arbeitete zwei oder sogar drei Tage an der gleichen Doppelseite. Die Abschnitte waren kurz und ihr Anzahl sehr überschaubar. Zuerst las er Titel und Bildlegenden, studierte die Bilder. Das ist die klassische Arbeit am schwer verständlichen Text, wie ihn das Französischlehrmittel Envol den Kindern mit den clés magiques (Zauberschlüssel) vermittelt.



Zur Illustration dienen auch hier (von oben nach unten): die Farbstiftzeichnung, die Gedankenlandkarte und der erweiterte Steckbrief mit schönen Zeichnungen in den Marginalien. Zur Überprüfung des Lernfortschrittes der Zuhörer des Vortrages diente dieses elektronische Kreuzworträtsel auf Learningapps.


Auf die Zauberschlüssel ist ein Andermal zurückzukommen - insbesondere da das sie enthaltende Lehrmittel am auslaufen ist und im August in den 5. Klassen erstmals das Nachfolgebuch in den Einsatz kommt.

Montag, 31. Juli 2017

Magie im Schulzimmer

Auch Kinder, die noch nicht französisch lernen, verstehen zumindest das zweite Wort der clés magiques. Das ist etwas magisches, hat mit Magie zu tun. In der Tat zaubern wir im Kanton Zürich und anderen Deutschschweizer Kantonen seit knapp zwanzig Jahren mit diesen Zauberschlüsseln im Französischunterricht - und zuweilen auch in anderen Sprachen.

Die Autoren des Lehrwerks Envol (5.-9. Klasse), Achermann, Bawidamann, Tchang-George und Weinmann haben diese neun Schritte zum Textverständnis zusammengetragen und sinnigerweise auf deutsch publiziert. Es geht ja darum, wie man französisch versteht, auch wenn man noch nichts - oder zumindest nur wenig - versteht.
Wir arbeiten mit den clés magiques im Französischunterricht ab der 5. Klasse (in welcher sie schrittweise eingeführt werden), setzen sie als Zauberschlüssel jedoch auch schon in der vierten Klasse mit Kindern mit Schwierigkeiten in der Texterschliessung im Deutschunterricht ein. Sechstklässlern halfen sie beim Verständnis eines irre komplizierten Textes der Gymnasiumsprüfungsvorbereitung, Kindern mit balkanesischer Muttersprache beim Entschlüsseln der Geheimnisse der Schweizer Geschichte und vielen anderen auch. Daneben eigenen sie sich auch im Englisch. [Ja, der dritte Schlüssel muss natürlich sinngemäss angewandt werden.]

Wer hat auch Erfahrung mit den clés magiques?
Wer hat Erfahrung mit anderen Textverständnishilfen?

Montag, 24. Juli 2017

Kurzvorträge: Dachs

Ich wollte von meinen Kindern Kurzvorträge hören. Da wir keine richtige Bibliothek im Schulhaus haben und es das erste Mal war, dass sie Vorträge vorbereiteten, brachte ich alte Jugendnaturschutzzeitschriften mit.

Der erste Auftrag war, anhand des Steckbriefes auf Seite zwei und einem A6-Notizblatt (Postkartenformat) innert 30 min einen Einminutenkürzestvortrag zu halten.


Dann, so dachte ich mir, würden die Kinder anhand der vier bis fünf Doppelseiten ein Cluster erstellen, sich mit dem Tier vertiefter befassen, selber einen Steckbrief schreiben und in der Folgewoche ein paar Minuten über das Tier frei erzählen.

Um die Zuhörer zum Zuhören zu animieren durften sie noch eine App auf Learningapps erstellen. Aus einer Woche wurde ein Monat, aber der Aufwand hat sich gelohnt:

Der Dachsvortrag eines Fünftklässlers war sprachlich auf sehr hohem Niveau. Das Kind, das sich sonst mündlich nur wenig beteiligt, zog alle sprachlichen Register und zeigte, was es kann. Inhaltlich hatte ich auch nichts auszusetzen. Zeigen kann man dies nicht; die schöne Dachszeichnung mag einem eine Ahnung davon geben.

Apps erstellte das Kind zwei, die eine als Kurzfassung des Vortrags für all' jene, welche den Vortrag nicht in der Schule hören konnten - also eine eigentliche Lern-App-, damit sie die Fragen in der zweiten App - die Überprüf-App - dann trotzdem beantworten könnten.

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Die Leistungen von Kindern einer separierenden Sonderschule, die in Regelklassen trotz Fördermassnahmen nicht beschulbar sind, können nicht eins zu eins mit denjenigen von Regelklassenkindern verglichen werden. Was ich für mich gelernt habe: Klare Vorgaben und Strukturen leiten die Kinder und geben ihnen Sicherheit. Das Gewähren der nötigen Zeit - auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, es gehe fast nicht vorwärts, lohnt sich und ermöglicht den Kindern zu entdecken, zu was sie alles fähig sind - hin bis zu freiwilligen "Hausaufgaben" in einer hausaufgabenfreien Schule.

Montag, 17. Juli 2017

Ohne Wissen kein Können

Er ist heiss umstritten: der Lehrplan 21 und seine Kompetenzorientierung. Profoessor Dieter Rüttimann vom Institut Unterstrass gelingt es in seinem Vortrag zu kompetenzorientiertem Unterrichten in einfacher und anschaulicher Sprache das Wesentliche in wenigen Worten zusammenzufassen. Tausend Seiten zur Mathematik fasst er in etwa in fünf Worten zusammen, um die es während der elf Jahre Kindergarten und Volksschule geht.



Dabei beschränkt sich Rüttimann jedoch bei Weitem nicht nur auf den Lehrplan, sondern bettet ihn ein in den Unterricht, Unterrichtsmethoden, frühere und heutige Diskussionen über eine gute Schule und belegt seine Aussagen wo immer möglich mit wissenschaftlich erhobenen Zahlen - zum Teil auch höchst erstaunlichen!

[Hinweis für Leser aus Mittel- und Norddeutschland sowie Hinterarlberg: Der Vortrag ist auf Zürichdeutsch/Alemannisch.]