Montag, 28. Dezember 2015

Märchen helfen bei der Entwicklung

Illustrationen sind
wichtig.
Zur Ergänzung des letzten Beitrages noch einige Gedanken über Märchen. Sie passen gut zur Unterstufe, den Kindergarten, aber auch das Elternhaus.

Schöne Prinzessinnen, böse Hexen und dunkle Wälder: Märchen entführen unsere Kinder nicht nur in eine sagenhafte Fantasiewelt, sie sind auch aus psychologischer Sicht wichtig für die Kleinen. Wer ist gut, wer ist böse? Im Märchen ist diese Frage leicht zu klären: Es gibt entweder gut oder böse, klug oder dumm, fleißig oder faul. Und genau diese Schwarz-Weiß-Färberei ist es, die Märchen bei Kindern so beliebt macht. Gefühle werden eindeutig und damit für Kinder nachvollziehbar beschrieben.

Natürlich wimmelt es in den meisten Märchen auf den ersten Blick nur so von „Mord und Totschlag“, ein Grund, warum viele Eltern zögern, ihrem Kind diese Geschichte zu erzählen. Doch die Bedenken sind unbegründet. Märchen sind so verfasst, dass sie keine Angst machen. Damit kleine Kinder nicht doch Angst bekommt, sollten Sie nicht zu übertrieben laut oder mit verstellter Stimme den Bösewicht mimen, denn Ihr vertrauter Tonfall gibt dem Kind Geborgenheit. Werfen Sie beim Kauf eines Buches auch einen Blick auf die Illustrationen. Sind sie so, dass die Kinder sich ängstigen könnten, sollten sie sich lieber für ein anderes Buch entscheiden. Bei meiner Tochter musste das wunderschön gestaltete Hänsel und Gretel-Buch wochenlang vor dem Kinderzimmer aufbewahrt werden, weil meine Tochter nicht im Zimmer zusammen mit der gruseligen alte Hexe schlafen wollte.

Übrigens haben Kinder oft ein spezielles Lieblingsmärchen und wollen dieses immer und immer wieder erzählt bekommen. Auch wenn die Geschichte Ihnen selbst schon zu den Ohren rauskommt, geben Sie dem Wunsch unbedingt nach. Vor allem Kinder im Vorschulalter brauchen einfach die Zeit sich mit dem Erzählten zu beschäftigen und auseinander setzen zu können.

Montag, 21. Dezember 2015

Jeden Tag eine halbe Stunde vorlesen

Vorlesen ist auch toll, wenn nur
Mama oder nur Papa es tun. Mit
beiden ist es natürlich noch toller
Foto: Thinkstock
Schon 20 Prozent der Einjährigen sitzen nach einer Erhebung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) regelmäßig vor dem Bildschirm, von den Dreijährigen fast 90 Prozent. Auch wenn Entwicklungspsychologen sagen, dass Zweijährige von Fernsehbildern überfordert sind. Und das keineswegs nur von den schlimmen Bildern, die in den Nachrichten gezeigt werden oder von Gewalt in Krimis. Auch mit harmlosen Flimmerbildern tun sie sich schwer.

Eine der schönsten und besten  Förderungsmöglichkeiten für Kinder (und Alternative für den Bildschirm) sind unumstritten Bücher. Alle Kinder lieben es, mit einem Menschen, den sie lieb haben, Bücher anzuschauen: Auf dem Schoß aneinander gekuschelt bringt das für beide eine ganz besondere Erfahrung von Nähe. Jeden Tag eine halbe Stunde, möglichst immer zur selben Zeit, verlässlich und gemütlich: Dieses Gefühl von Vergnügen, Zuwendung und Wohlbefinden verbinden die Kleinen dann für den Rest ihres Lebens mit Büchern. Für diese Kinder ist ein Buch darum auch später ein Anblick, der Freude auslöst und kein Lerngegenstand, vor dem er Angst hat. In der Schule finden Kinder damit einen leichteren und fröhlicheren Zugang zum Lernen. Das haben Untersuchungen in vielen Ländern bestätigt.

Montag, 14. Dezember 2015

Gegenseitiges Aufrüsten führt zum Krieg

Die NZZ warnt, die Mathematik sei in Gefahr und bald hätten die Kinder lauter Sechser in der Rechenprüfung, obwohl sie nicht mehr rechnen könnten. Was treibt das über 200jährige Traditionsblatt zu dieser pessimistischen Prognose?

Mit einem kleinen Programm, das auf einem Telefon installiert werden kann, einer sogenannten App namens PhotoMath fotografieren die Schüler eine Rechenaufgabe, und die App löst sie für einen. Verstehen muss man da nichts mehr. PhotoMath offeriert immerhin noch Erklärungen zur Lösung, doch die NZZ vermutet, dass die meisten Kinder dann schon bei der nächsten Aufgabe sind.

unterstufe.ch
Mein erster Gedanke war: Es geht doch nichts über die guten alten Textaufgaben... Die sind zwar politisch nicht korrekt, da in der Rechenstunde Lesekompetenz gefragt ist, hingegen können sie sehr angewandt und aus dem Leben gegriffen sein - und PhotoMat kann sie zumindest heute noch nicht lösen.

Doch spicken wird auch in anderen Fächern einfacher. Dort braucht es zwar noch einen Klassenprimus (oder einen Cousin ausserhalb des Schulzimmers), der auf die richtigen Lösungen kommt. Mit Beep, einer anderen App, werden diese dann in Windeseile an alle versandt. Diese Erweiterung des Schülernatels ist ein simples Kommunikationssystem. Im Gegensatz zu SMS liegt das Benachrichtungssignal auf einer Frequenz von 14,800 Herz. Dies ist ein Ton, den Erwachsene nicht mehr hören können.

Erwachsene haben aber etwas mehr Taschengeld, als die Kinder und können sich einen kleinen Störsender zutun, der den Natel- und WLAN-Empfang im Umkreis von 20 Metern unterbindet. Bis es in der modernen Schule jedoch soweit kommt, sollte sich der Lehrerverband beim BAKOM für eine Gesetzesänderung einsetzen: Während der Einsatz etwa in Gefängnissen erlaubt ist, müsste ein Lehrer oder eine Schule mit einer Busse von bis zu hunderttausend Franken rechnen.

Manche Lehrer lassen ihre Schulkinder das Natel morgens um acht abgeben und schliessen die Telefone bis zum Schulschluss ein. Es gibt aber immer häufiger Kinder mit zwei Telefonen: eins zum abgeben und eins zum heimlich benutzen. Da ist es zumindest gut, technisch auf dem Laufenden zu sein. Und dann stellt sich die Frage, ob Lehrer und Kinder miteinander oder gegeneinander arbeiten, wie ihre Beziehung ist. Dazu müssen die Kinder aber auch beziehungsfähig sein und (ebenfalls von zu Hause) wissen, dass nicht alles Technik (und Technik alles) ist.

Montag, 7. Dezember 2015

Reformschulen im Überblick: Sudbury

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute die Sudbury-Schulen.

Demokratie, Recht, Freiheit und Verantwortung sind die großen Werte, die Sudbury-Schulen hochhalten. Weltweit bestehen derzeit knapp 40 Schulen, die sich am Sudbury-Modell orientieren. Dieses geht zurück auf die 1968 in Massachusetts gegründete Sudbury Valley School.

Sudbury-Schulen sind demokratisch organisiert. Das heißt, herkömmliche Unterrichtsmethoden werden durch Selbstbestimmung der Schüler ersetzt. Es gibt keine Noten und keinen Zwang, weder feste Klassen noch Pausenzeiten. Denn man ist davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche, die von Natur aus neugierig seien, auf selbstbestimmte Weise am effektivsten lernen. Das Lernen erfordere ein Umfeld ohne Druck und Angst, dafür mit umso mehr Freiheit und Fehlerakzeptanz. In altersgemischten Gruppen lernen die Schüler miteinander und voneinander, überwiegend, indem sie spielen, sich unterhalten, anderen zusehen oder lesen.

Auch in der Schulorganisation wird Demokratie in Form von Mitbestimmung groß geschrieben. Auf Vollversammlungen entscheiden Kinder, Eltern und Lehrer gemeinsam über alle schulrelevanten Belange.

Montag, 30. November 2015

Reformschulen im Überblick: Peter Petersen und der Jenaplan

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute die Jenaplan-Schulen, die auf den Schulreformer Peter Peteresen zurückgehen.

Selbstständiges, spielerisches Lernen und gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben in einem jahrgangsgemischten Gruppenverbund sind Kernelemente der Jenaplan-Pädagogik. Der Unterricht an Jenaplan-Schulen erfolgt schülermitbestimmt, fächerübergreifend und zum Teil epochal, das heißt, über einen bestimmten Zeitraum hinweg wird jeweils ein Themengebiet intensiv bearbeitet.

Der Schulalltag an Jenaplan-Schulen gliedert sich in fächerübergreifenden Kernunterricht (mindestens 100 Minuten täglich), Freiarbeit und Fachunterricht in Kursform. In Grundschulen sollen Schüler in so genannten Schulwohnstuben spielerisch an Lerninhalte herangeführt werden. Innerhalb des Gruppenverbunds soll eine familienähnliche Situation geschaffen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist eine Grundvoraussetzung der Jenaplan-Pädagogik. Daher stehen die Schulstuben Familienangehörigen jederzeit offen. Eltern werden als Mitarbeiter am Bildungsprozess begriffen, die sich in den Schulalltag einbringen sollen.

Ein typisches Element ist das Gespräch im großen Kreis unter der Leitung der Schüler selbst. Zu Wochenbeginn und –ende sollen im Idealfall gemeinsame Feste stattfinden. Im Grundkonzept von Peter Petersen gehen das Gespräch, das Feiern, das Spielen und das Arbeiten Hand in Hand. Jenaplan-Schulen verzichten auf Zensuren. An deren Stelle tritt ein Leistungsbericht, in den auch die Eigenwahrnehmung des Schülers und die Beurteilung durch Gruppenkameraden mit einfließen.

Jenaplan-Schulen sind überwiegend als Ganztagsschulen angelegt. Zwar zieht sich die Unterrichtszeit mitunter bis in die späten Nachmittagsstunden hinein. Diese wird aber – unter anderem durch ein gemeinsames spätes Frühstück und ein gemeinsames Mittagessen – immer wieder aufgelockert und unterbrochen.

Montag, 23. November 2015

Reformschulen im Überblick: Célestin Freinet

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute Célestin Freinet.

Freinet-Schulen sind vor allem im romanischen Raum verbreitet. Freinet-Pädagogik verfolgt vier zentrale Ziele: freie Persönlichkeitsentfaltung, Selbstverantwortlichkeit, Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Klassen oder Gruppen werden von Erwachsenen und Kindern als selbstverwaltete Kooperative geführt, Entscheidungen trifft die Gemeinschaft. Zwar hat der französische Pädagoge Célestin Freinet sein Konzept ursprünglich für Schulen entwickelt. Aber mittlerweile arbeiten auch immer mehr Kindergärten und Tagesstätten im deutschsprachigen Raum nach dem Freinet-Ansatz.

Unterricht an Freinet-Schulen verläuft nicht lehrergelenkt, sondern von den Schülern selbstbestimmt. Das Vertrauen in die Kinder ist eine wichtige Grundlage der Freinet-Pädagogik. Die Schüler bestimmen weitgehend selbst, womit und wie lange sie sich beschäftigen. Individuelle sowie klasseninterne Tages- und Wochenpläne spielen ebenso wie Projektwochen und Feierlichkeiten der Schulgemeinschaft eine große Rolle. Das Klassenzimmer ist – ähnlich wie an Montessorischulen – in einzelne Arbeitsbereiche, so genannte Ateliers, aufgeteilt. Ihre Ergebnisse stellen sie anschließend der – meist jahrgangsgemischten – Klassengemeinschaft vor. Eine typische Einrichtung an Freinet-Schulen ist die Schuldruckerei. Freinet-Schulen setzen nicht auf Noten und Zeugnisse, sondern auf individuelle Arbeitspläne und Wochen- bzw. Jahresbilanzen.

Auch im Freinet-Kindergarten ist die aktive Beteiligung an der Tagesgestaltung zentrales Element. Die Kinder entscheiden gemeinsam mit den Erwachsenen, was die Gruppe am jeweiligen Tag unternimmt. In einer Morgenkonferenz werden Vorschläge zum Programm diskutiert und der Tagesablauf entschieden.

Montag, 16. November 2015

Reformschulen im Überblick: Rudolf Steiner

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute die Waldorfpädagogik.

Grundlage der Waldorfpädagogik ist eine ganzheitliche Entwicklung von Körper, Geist und Seele. Die Anthroposophie ihres Begründers Rudolf Steiner (1861 – 1925) geht von einer Dreigliedrigkeit des Menschen aus: das Denken, das Fühlen und das Wollen. In der Waldorfschule oder Rudolf-Steiner-Schule und im Waldorfkindergarten werden handwerklich-künstlerische Fähigkeiten besonders gefördert.

Der Unterricht in der Waldorfschule umfasst im Wesentlichen zwei Blöcke. Der je nach Schule etwa zweistündige Hauptunterricht konzentriert sich als so genannter Epochen-Unterricht jeweils für mehrere Wochen auf ein Schulfach wie beispielsweise Mathematik oder Schreiben. Im zweiten Block, dem Fachunterricht, werden Fremdsprachen und künstlerische Fächer wie Gymnastik, Handarbeit, Musik sowie die Tanz- und Bewegungskunst Eurythmie gelehrt. Waldorfschulen arbeiten ohne Zensuren. Die Schüler können folglich auch nicht „sitzen bleiben“ oder eine Klasse wiederholen. Der Lehrplan einer Waldorfschule oder Rudolf-Steiner-Schule sieht vor, den Unterricht weitestgehend auf den kindlichen Reifeprozess abzustimmen. Das heißt, in den ersten Schuljahren wird viel Wert auf Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit im Vermitteln der Lerninhalte gelegt. In der Mittelstufe, etwa ab der neunten Klasse, rückt dann der wissenschaftliche Unterricht mehr in den Mittelpunkt.

Im Waldorfkindergarten werden das soziale Miteinander, das kreative und zweckfreie Spiel mit (Natur-)Materialien sowie Rollenspiele besonders gefördert. Dem Kind soll Raum und Zeit zur eigenen Entfaltung geboten werden. Große Bedeutung kommt Waldorfkindergarten dem Tagesrhythmus, dem Jahreskalender und den Festtagen zu. Dem Miteinander liegt in Kindergarten und Schule und bestenfalls auch im Elternhaus das Menschenbild der von Rudolf Steiner entwickelten Antroposophie („Weisheit vom Menschen“) zugrunde.

Ein zentrales Bildungselement bei Rudolf Steiner ist die Nachahmung und Wiederholung. Der Vorbildrolle des Erwachsenen wird in Waldorfeinrichtungen daher besonders hohe Bedeutung beigemessen. Ein Waldorflehrer begreift sich als Begleiter der individuellen Entwicklung ihrer Schüler.

An Waldorfschulen gibt es – zumindest bis zur zehnten Klasse – keine klassischen Noten. In Zeugnissen werden der individuelle Lernfortschritt und das Bemühen des Schülers möglichst detailliert abgebildet. In jährlichen Berichtszeugnissen in Wortform erhalten die Eltern einen ausführlichen Einblick in die verschiedenen Unterrichtsinhalte und die individuellen Entwicklungsschritte ihres Kindes. „Sitzenbleiben“ ist in der Waldorfschule nicht möglich.

Ab der zehnten Klasse gibt es auch in der Waldorfschule neben dem Berichtszeugnis eines mit klassischen Schulnoten. In der Mittelstufe sind neben Tests auch Präsentationen der Schüler vor dem Klassen- bzw. Schulverband wie Referate oder künstlerische Darstellungen üblich.

Montag, 9. November 2015

Reformschulen im Überblick: Maria Montessori

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute die Montessoripädagogik.

Die Pädagogik nach der Ärztin Dr. Maria Montessori ist über 100 Jahre alt, feiert aber heute ein großartiges Comeback. Montessori-Schulen und Montessori-Kindergärten schießen seit einigen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum aus dem Boden. Das erklärte Ziel von Einrichtungen mit Montessori-Konzept ist Bildung durch Freude an Leistung, durch Motivation, Eigeninitiative und individualisiertes Lernen.

An einer Montessori-Schule arbeiten Kinder und Lehrer ohne Notendruck, ohne Frontalunterricht und Gleichschritt, dafür mit Achtsamkeit und Respekt für den persönlichen Entwicklungsstand eines jeden Schülers. Den Kindern stehen Lernmaterialien zur Verfügung, die zur Eigenbeschäftigung anregen und Selbstkontrolle ermöglichen. Jeder Schüler folgt dabei seinem eigenen Lerntempo. In jahrgangsdurchmischten Klassen lernen die Kinder nicht nur im fachlichen, sondern besonders auch im sozialen Bereich voneinander. Die Entwicklung von Selbstständigkeit, Mut und Eigenverantwortung der Kinder steht im Zentrum der Bildung in Montessori-Schulen.

Montessori-Schulen arbeiten ohne Zensuren. Als Zeugnisse erhalten die Schüler zum Halbjahr sowie zum Jahresende  Leistungsberichte in  Schriftform. Zudem wird für jeden Schüler ein so genannter IzEL-Bogen geführt, der den individuellen Entwicklungs- und Lernprozess dokumentiert. Dieser bildet den Lernfortschritt sowie das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schüler sehr detailliert ab, ohne ihn in Schulnoten zu verpacken.
Auch im Montessori-Kindergarten oder -Kinderhaus steht die Ausbildung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ganz oben. Auch hier bestimmen die Kinder selbst, womit sie sich beschäftigen und über welchen Zeitraum sie das tun. Sie lernen ihre persönlichen Fähigkeiten (ein-)schätzen, werden in ihrer Selbstständigkeit gefördert und gefordert und lernen, Entscheidungen zu treffen. Sie werden als Menschen ganzheitlich wahrgenommen, akzeptiert und geachtet. Die vorhandenen Materialien im Montessori-Kindergarten regen zum Erforschen an und bieten den Kindern altersgerechte Bewegungsanreize.

In der Montessori-Schule und im Montessori-Kindergarten ist die Rolle der Erwachsenen die von achtsamen Beobachtern, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Sie ermuntern das Kind, Schwierigkeiten selbst zu überwinden. Ein zentraler Montessori-Leitsatz lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Montag, 2. November 2015

Reformpädagogisches Buch kostenlos

Paul Le Bohec, ein französischer Reformpädagoge, der Célestin Freinet noch persönlich kannte, hat zusammen mit Michèle Le Guillou ein hochinteressantes Buch verfasst: Patricks Zeichnungen.
Erfahrungen mit der therapeutischen Wirkung des freien Ausdrucks.

In zahllosen Zeichnungen begibt sich der zehnjährige Patrick auf den Weg, sein innerstes Gleichgewicht  wiederzufinden. An der Entwicklung dieser Zeichnungen ist unübersehbar, dass das Kind belastende Fantasien in einer immer dichteren Form zum Ausdruck bringt, bis es sich von ihnen distanzieren kann und dadurch unmerklich eine Krise überwindet, ohne dass die Lehrerin sich jemals anmaßt, als Therapeutin zu wirken. Patricks Zeichnungen ist ein Plädoyer für den Freien Ausdruck! 

Gedruckt ist das Buch zwar vergriffen, in elektronischer Form kann man es kostenlos jedoch bei der deutschen Freinet-Kooperative herunterladen: http://freinet-kooperative.de/verein/material/buecher/

Montag, 19. Oktober 2015

Vorteile des Freien Schreibens

Letzte Woche wies ich auf das Buch "Viktor im Schattenland" hin, das sich gut als Klassenlektüre ab der 5. Klasse eignet und in dem das "Freie Schreiben" vorkommt. In der Freinet-Pädagogik billigt man den Freien Texten wichtige Funktionen zu:
  • Als Lehrer erfährt man viel über die Interessenschwerpunkte der Klasse.
  • Die Schüler können sich etwas „von der Seele“ schreiben. Allerdings sollte man hier als Lehrer sehr vorsichtig agieren und die Privatsphäre des Schülers schützen: Nicht jeder Freie Text gehört in die Klassenöffentlichkeit. Aus Freien Texten können sich aber Hinweise dafür ergeben, dass man einem Schüler z. B. fachliche Hilfe vermittelt.
  • Man kann Schüler, die sonst eher zur „schweigenden Mehrheit“ gehören, zur Artikulation ihrer Interessen verhelfen.
Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Quelle: Gerd Hähnel

Montag, 12. Oktober 2015

Über das Freie Schreiben

Das vierte Kapitel Gerd Hähnelks Roman «Viktor im Schattenland» trägt den Titel „Den Kindern das Wort geben». Diese Formulierung steht für das pädagogische Selbstverständnis von Célestin Freinet, wie er es in seiner Schrift «Die pädagogischen Invarianten» (1964) ausdrückt (zitiert in: Karlheinz Burk u.a.: Kinder beteiligen – Demokratie lernen. Grundschulverband Frankfurt 2003, S. 271). Im Folgenden nur einige kurze Hinweise zum Freien Schreiben. Seine enormen pädagogischen Möglichkeiten erlebt man im Roman, vor allem in Kapitel 4 und 5.

«Den Kindern das Wort geben» meint einerseits, das Interesse der Schulkinder in möglichst hohem Maße in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen. Andererseits kann man diese Forderung auch sehr konkret verstehen: Die Schüler sollen an das Freie Schreiben herangeführt werden: nicht nur, aber auch. (Teilweise wird der Begriff «kreatives Schreiben» synonym gebraucht.) Die Schüler sollen also über das schreiben, was sie bewegt.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Montag, 5. Oktober 2015

Viele Gedanken zum freien Unterricht

Studenten, die im Unterricht der Grundschule Berg Fidel in Münster hospitiert haben, stellen Schulleiter Reinhard Stähling Fragen zur Inklusion und zum Freien Unterricht. Dieser steht ihnen während fünf Viertelstunden Rede und Antwort. Man braucht entsprechend etwas Zeit - aber es lohnt sich. Deshalb kommt dieser Beitrag gerade zu Beginn der Herbstferien.

Montag, 21. September 2015

Wie man Bildungsnotstand überwinden kann

Der nigerianische Autor und Nobelpreisträger Wole Soyinka geisselt Boko Haram. Er verbindet seinen Bericht über die bedrohten Bildungsinstitutionen in seiner Heimat an der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zur Verteidigung menschlicher Grundwerte. Fünfter und letzter Teil.

Ich verkünde nichts Neues, wenn ich festhalte, dass dieser Krieg (siehe Teil vier) mit Bombardements und Militäreinsätzen allein nicht zu gewinnen ist – auch nicht mit den präzisesten Lenkwaffen, denn für jeden Kopf, den man der Hydra abschlägt, wachsen zehn neue nach. Das erste Ziel, dem unsere Anstrengungen gelten müssen, ist das Denken der Menschen, und da sehe ich nicht, dass nach konstruktiven und phantasievollen Optionen gesucht würde. Da Bücher das primäre Hassobjekt der Jihadisten sind, schlage ich vor, dass man die von ihnen besetzten Regionen ausgiebig bombardiert – und zwar mit Büchern, einschliesslich des Korans in kommentierten und annotierten Ausgaben. Oder mit Bildern der gütigen, versöhnlichen Gottheiten und Leitgestalten, die dem blutrünstigen Gottesbild der Islamisten Paroli bieten könnten. Und es gibt hunderterlei andere Ansätze: Die Waffe des Lachens, den Pikser, der den aufgeblasenen Gotteskriegern die Luft rauslässt; Cartoons, die diesen morbiden, todessüchtigen Narzissten den Spiegel vorhalten. Zerpflücken wir doch die Photoshop-Posen, in denen sie sich präsentieren, bevor sie ausziehen, um den Begriff «Märtyrer» mit ihrem Tun zu besudeln! All das sind legitime Waffen, um den Feind zu demoralisieren und den Opfern ein Stück Macht zurückzugeben. Den Opfern, die – in Somalia, in Mali und im Nordosten Nigerias weiss man es sehr wohl – die wahren Märtyrer sind, diejenigen, die ihre Überzeugung und ihren Widerstandsgeist nicht preisgegeben haben.

Die Frage, die wir uns heute stellen müssen, lautet: Ist es genug, wenn unsere Jugend nicht mehr lernt als das nackte Überleben? Reicht das für unsere Kinder? Sollten wir Geistes- und Naturwissenschaften, Technologie und Künste schlicht aus unserem Repertoire streichen, die alten Bibliotheken von Timbuktu vergessen und Akademien eröffnen, die allein der Selbsterhaltung dienen? Sollen wir zulassen, dass wir zu Feinden Gottes erklärt werden, wenn wir unser Recht auf Bildung einfordern? Mir scheint, es ist Zeit, dass wir aufhören, den Vernichtungsfeldzug der Jihadisten gegen Bildung und Kultur lediglich mit Händeringen zu quittieren: Wir sollten ihn, kollektiv und mit aller Klarheit und Schärfe, zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklären.

Denn die Verteidigung der Menschlichkeit bedeutet mehr als den Schutz von Leib und Leben. Menschlichkeit verkörpert sich in den Buddhas von Bamian, welche die unter dem Namen Taliban operierenden Neo-Barbaren unter Freudengeheul in die Luft jagten. Menschlichkeit manifestierte sich in der antiken Stadt Nimrud, deren ehrwürdige Überreste von IS-Milizionären geschleift wurden. Sie birgt sich in den Manuskriptschätzen von Timbuktu, die in einer gewagten Aktion dem Zugriff der Islamisten entrissen wurden. Sie trägt die Züge der Bronzeskulpturen aus dem Königreich Benin und jene der klassischen Yoruba-Büsten. All diese Figuren, Bauten und Objekte säumen die Strasse, auf der die Menschheit voranschritt bis zur Erkundung ferner Galaxien, und es obliegt ihnen, auch über unsere Zukunft zu wachen. Ohne sie sind wir verstümmelt, unvollkommen. Und wir dürfen keine Ideologien dulden, die sich nur mithilfe eines verstümmelten, unvollkommenen Menschenbilds verwirklichen können.

Wole Soyinka, Dramatiker, Romancier, Dichter und Essayist, wurde 1934 in Abeokuta geboren. Für seine Stellungnahmen gegen politische Missstände in Nigeria nahm er auch Gefängnishaft und Exil auf sich. 1986 wurde sein Schaffen mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt. Seine an der 65. Lindauer Nobelpreisträger-Tagung gehaltene Rede erscheint hier in leicht gekürzter Fassung. Aus dem Englischen übersetzt von as.


Montag, 14. September 2015

Der Traum von Utopia

Der nigerianische Autor und Nobelpreisträger Wole Soyinka geisselt Boko Haram. Er verbindet seinen Bericht über die bedrohten Bildungsinstitutionen in seiner Heimat an der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zur Verteidigung menschlicher Grundwerte. Vierter Teil.

Diese Funktion (Normen in Frage zu stellen, siehe dritter Teil) können alle Glaubensbekenntnisse, alle Ideologien erfüllen. Auch der Marxismus war zu seiner Zeit ein Glaube, der es dem unruhigen Geist der Jugend erlaubte, das Bestehende in Bausch und Bogen und ohne kritische Differenzierung von sich zu weisen. Man glaubte, das kapitalistisch-liberale Gesellschaftssystem als eigentlichen Abgrund der Dekadenz, der intellektuellen Disziplinlosigkeit und der Verdammnis zu erkennen, und sonnte sich stattdessen in der utopischen Vision einer klassenlosen Gesellschaft. Sogar hoch gebildete, scharfsinnige Köpfe gerieten in den Bann dieser Utopie und glaubten sich berufen, das Paradies auf Erden zu schaffen; manche zimmerten sich tatsächlich entsprechende Nischen zurecht, von denen aus sie mitleidig und überheblich auf den «unerleuchteten» Rest der Welt und deren unselige Bewohner herunterblickten. Und es gab auch einige, die sich mit Leib und Seele dem Dienst an ihrer Vision verschrieben und gewalttätige Missionen unternahmen – im Glauben, dass nur die Zerstörung des Gegenwärtigen den schimmernden Horizont der Zukunft freimachen könne.

Die zuvor verwendeten Begriffe – «Paradies», «Mission» – sind nicht zufällig gewählt. Die emotionale Leidenschaft des «fundamentalistischen» Marxismus war dem, was uns heute in Gestalt einer morbiden religiösen Ideologie gegenübersteht, durchaus vergleichbar, lediglich die Denkformen waren anders. Beide Richtungen aber kennen einen Ausdruck sehr wohl: Ermächtigung – das Überlegenheitsgefühl, welches damit einhergeht, dass man zu den Erwählten gehört. So wurde seinerzeit sogar das Ziel der klassenlosen Gesellschaft zum Königsweg, den nur die Elite der «cognoscenti» beschritt.

Wenn sich der rebellische Geist der Jugend mit der geistigen Prägung der Medresse verbindet, sind zerstörerische Energien leicht zu mobilisieren. Der Traum von Utopia rechtfertigt alle Greuel – oder zumindest lassen diese sich im Namen vermeintlicher «Notwendigkeit» plausibel machen. Wenn man nun einer Enklave des Terrors den Namen «Staat» zugesteht, einzig weil sie sich selbst mit diesem schmückt, dann ist das letztlich ein Einknicken vor dem Gegner. Denn in diesem «Staat» finden rastlose, unzufriedene Jugendliche ein real existierendes Ziel, das sie ansteuern, ein alternatives Bürgerrecht, das sie einfordern können; sie können ihre Vergangenheit und Gegenwart wegwerfen wie einen dreckigen Lumpen, um stattdessen die Standarte des Kriegers zu ergreifen. Sie sind Bürger einer neuen «Weltordnung», die alles andere als eine solche ist: eines Staates, in dem das Ausleben der niedrigsten Instinkte ein Bürgerrecht ist, welches den Kämpfern Allahs zusteht.

Stellen Sie sich vor, dass einer dieser frustrierten, nach Ermächtigung hungernden Jugendlichen auf allen Medienkanälen hört, dass der sogenannte «Islamische Staat» wieder einmal einen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation ermordet – Verzeihung: «exekutiert» – hat. Er wird mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass sein Staat das jedem Staat zustehende Recht ausgeübt hat, einen Feind zu exekutieren. Der nüchterne Blick, der einfach konstatiert, dass ein paar Geistesgestörte gerade einen unschuldigen Menschen abgeschlachtet haben, ist ausgeblendet; in den Augen des Jugendlichen hat seine Nation sich auf legitime Art eines Verräters, eines Infiltranten, eines Schuldigen entledigt; sie hat im Angesicht der Welt ihr Recht auf Selbstschutz und ihre Souveränität manifestiert. Natürlich lässt sich die Wirkung solcher Gedankengänge nicht genau quantifizieren, aber ihr Risikopotenzial sollte nicht ausser Acht gelassen werden.

Die Anerkennung, die dem «Islamischen Staat» quasi gedankenlos gezollt wird, haben die Nigerianer den einheimischen Terroristen verweigert. Nein, ihr seid weder ein Staat noch ein Kalifat. Ihr seid Aufklärungsverweigerer, die es sich zur ersten Pflicht gemacht haben, alles zu zerstören, was mit Wissen und Kreativität zu tun hat, all das, wofür Bücher stehen. Boko Haram. Nennt euch, wie ihr wollt, eure nigerianischen Landsleute haben keinen andern Namen für euch als Boko Haram. Leider sind wir den Terror damit noch bei weitem nicht losgeworden, aber der Kampfgeist hat in der restlichen Bevölkerung Wurzeln geschlagen, und das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.


aus dem Englischen übersetzt von as.


*************************************************************
Nicht vergessen: Diesen Mittwoch Weiterbildung zu Klassengrat und Demokratie

Montag, 7. September 2015

Unbedachtes Plappern

Der nigerianische Autor und Nobelpreisträger Wole Soyinka geisselt Boko Haram. Er verbindet seinen Bericht über die bedrohten Bildungsinstitutionen in seiner Heimat an der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zur Verteidigung menschlicher Grundwerte. Dritter Teil.


Fragen wir noch einmal: Was sagt uns der Name Boko Haram? (siehe zweiter Teil)

Es ist, zunächst, nicht der Name, den unsere religiösen Fanatiker gewählt haben: Sie selbst nennen sich grossspurig «Jama'atu Ahli as-Sunna li ad-da'awati wal jihad», zu Deutsch etwa: Gefolgsleute der Lehren des Propheten und des Jihad. Auch wenn die Nigerianer auf die jähe und brutale Attacke dieser Gruppierung weder vorbereitet noch dafür gerüstet waren, griffen sie instinktiv nach der psychologischen Waffe der Verweigerung – man verweigert dem Gegner das, wonach er am dringendsten verlangt. So verweigerte man den Jihadisten sogar eine Kurzform des Namens, den sie sich selbst verliehen hatten: Niemand hat sie je als «Gefolgsleute des Propheten» oder «Gotteskrieger» bezeichnet. Nein, «Boko Haram» ist der Name, und er bedeutet: Philister und Ikonoklasten. «Boko Haram»: Mehr bringt ihr nicht zustande. Sprache kann auch eine Kriegswaffe sein.

Diese Lehre könnten die Menschen im heimgesuchten Nigeria dem Rest der Welt mitgeben: Macht keine Konzessionen an den Feind, jedenfalls nicht auf dem Terrain der Sprache, das allen gehört! Und sie liesse sich, beispielsweise, auf den Umgang mit dem IS übertragen. Denn der Islamische Staat ist kein Staat – und er ist nicht islamisch. Oder macht etwa die Tatsache, dass ein paar Psychopathen sich auf einem Stück Grund und Boden breitmachen, diesen Boden bereits zum Staat?

Angesichts dieser Feststellungen muss es erstaunen, dass führende Zeitungen wie die «New York Times» oder «Le Monde» in ihrer Berichterstattung den Begriff «Islamischer Staat» und damit die Selbstglorifizierung brutalisierter Spinner fraglos übernehmen. Denn die scheinbar unbedeutende Konzession hat durchaus psychologische Implikationen. Die Jugend, wir wissen es, ist die Zeit der Rebellion, die Zeit, da das Individuum fast instinktiv den Status quo ablehnt. Die Ironie dieses Reflexes besteht darin, dass er lediglich das Vorspiel zu einer neuen Bindung darstellt; denn erst die Bindung an etwas anderes schafft die Grundlage, von der aus man das Bestehende verwerfen kann. Sie ermächtigt den Aussteiger, dieses Andere als bedeutsamer und wertvoller darzustellen – als eine Alternative, welche die geltenden Normen insgesamt infrage stellt und disqualifiziert.

aus dem Englischen übersetzt von as.


Montag, 31. August 2015

Aktuelle Weiterbildung in Zürich (September, Oktober 2015, April 2016)

Lehrerinnen und Lehrer, die sich vom freien Unterricht eines Célestin Freinets und anderen inspirieren lassen, treffen sich regelmässig zum Austausch. Diese Weiterbildung durch den Blick durch offene Schulzimmertüren fördert die Öffnung des eigenen Unterrichts, den Austausch unter Kolleginnen und Kollegen und trägt somit auch zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Unterrichts bei. Falls Sie noch nie vom französischen Reformpädagogen Freinet gehört haben: Viele seiner Ideen wurden in den letzten Jahren unter Begriffen wie Erweiterte Lehr- und Lernformen wieder aufgegriffen; ganz oder bruchstückhaft. Hier lernen Sie das Original kennen.

Aufgefallen ist mir eine Serie von drei Treffen, die in nächster Nähe zum Bahnhof Zürich stattfinden:
in der Pädagogischen Hochschule in Zürich, gleich neben dem HB jeweils von 14 – 16.30 h

16. September 2015 mit Donatus Stemmle
Schwerpunkt: Klassenrat und Demokratie
Der Königsweg für mitverantwortetes Lernen führt über den Klassenrat …

18. Oktober 2015 Susanne Thommen
Schwerpunkt: Multikultur&Heterogenität und Individualisierung
Der gute Umgang mit all jenen, die auch noch im Schulzimmer sind …

13. April 2016 mit Margret Schulz
Schwerpunkt: Reflexion der Lernprozesse
z.B. Lob und Dank und Anerkennung vor und auf der «offenen Bühne» …

Als Einstieg, zur Auffrischung, zur Anregung oder zur Vertiefung. Einmal oder zweimal oder alle drei Male. Es ist keine Anmeldung nötig. Kontakt: Donatus Stemmle

***********************************************************
Die fünfteiligen Serie von Wole Soyinka geht am nächsten Montag weiter.

Montag, 24. August 2015

Internet als Medresse des 21. Jahrhunderts

Der nigerianische Autor und Nobelpreisträger Wole Soyinka geisselt Boko Haram. Er verbindet seinen Bericht über die bedrohten Bildungsinstitutionen in seiner Heimat an der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zur Verteidigung menschlicher Grundwerte. Zweiter Teil.

Das kompromisslose Pflichtgefühl gegenüber dem eigenen Glauben, das diesen Jugendlichen eingeimpft wurde (siehe erster Teil), räumt jeden Zweifel, jede Zurückhaltung, jedes Zugeständnis ans Lebensrecht Andersgläubiger aus. Es gibt nur einen Weg – der Rest ist haram. Der wahre Glaube muss verbreitet werden, mit allen Mitteln, und koste es, was es wolle: Das ist göttliches Gebot. Kein Wunder, dass die Welt mit Staunen auf das scheinbare Paradox blickt, dass die derzeit wohl primitivste Ausdrucksform von Spiritualität sich äusserst geschickt modernster Technologien zu bedienen weiss: Das Internet ist zur virtuellen Medresse des 21. Jahrhunderts geworden. Und allenthalben fragen sich die Soziologen, warum so viele junge Menschen, die im liberalen geistigen Klima moderner Gesellschaften aufgewachsen sind, sich unter der schwarzen Flagge der Jihadisten scharen. Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass das Internet – Ironie des Fortschritts – auch Vehikel der Regression sein kann.

Nicht nur bei uns in Nigeria, sondern weltweit flösst der Name «Boko Haram» mittlerweile Entsetzen und Angst ein. Der Name sagt eigentlich alles, denn bekanntermassen ist er eine korrumpierte Variante von «The book is haram»: Bücher sind verboten, natürlich mit Ausnahme des einen – des Korans. Und Bücher stehen hier für alles andere: für Wissen, Kultur und Kulturerbe, gesellschaftliche Lebens- und Umgangsformen, Wissenschaft und Technologie, die Künste – kurz, für so ziemlich jede geistige Tätigkeit, die jenseits der Beschäftigung mit einem korrumpierten Religionsverständnis liegt. Als Boko Haram ihre Geissel über Nordnigeria erhob, waren Schulen die ersten Ziele. Schliesst die Schulen, hiess es; Eltern, behaltet euren Nachwuchs zu Hause, schickt die Kinder nicht zum Unterricht. Lehrer, hängt euren Beruf an den Nagel. Boko Haram attackierte Hochschulen und Lehrkräfte; auch landwirtschaftliche Fachschulen waren betroffen, obwohl man hätte annehmen dürfen, dass wenigstens diese verschont würden, da sie doch im Dienst eines universalen Grundbedürfnisses stehen. So wurden im Herbst 2013 vierundvierzig Studenten und Lehrer des College of Agriculture in Gujba bei einem nächtlichen Überfall der Jihadisten massakriert.

Allerdings schienen Hochschulen in den Augen von Boko Haram nicht die eigentliche Brutstätte der Sünde zu sein; vorab waren vielmehr Primarschulen von den Übergriffen betroffen. Die Täter kamen zu nächtlicher Stunde, wenn die Schulgebäude leer standen, und setzten sie in Brand: Das waren, vor fünf, sechs Jahren, die ersten, damals noch vereinzelten Warnsignale. Als die Bewegung breiter und damit kühner wurde, machte sie das Lernverbot zum Programm und begann, grausigere Exempel zu setzen. Ihre Anhänger lauerten Lehrern und Schülern auf, fesselten sie und schnitten ihnen die Kehle durch – Ähnliches hört man auch von den Shabab-Milizen in Somalia.

Unnötig zu sagen, dass zudem Kirchen und andere nichtislamische Glaubensstätten im Visier der Fanatiker standen; mit der Zeit wurden sogar Moscheen attackiert, denn auch im Islam gibt es konkurrierende Mächte, Glaubensformen und Praktiken. Aber der eigentliche Dorn im Auge der Fundamentalisten schienen die Bildungsinstitutionen zu sein. Denn Bildung hinterfragt die Macht, welche die mystische Aura der Religion verleiht. Bildung ist ein Arsenal, dessen Inhalt die Offenbarungen des heiligen Texts in die Luft jagen könnte.

Aber Bücher, Laboratorien und Schulen sind nicht unzerstörbar. Und als es keine Schulen mehr abzufackeln gab, als die Lehrer geflüchtet oder in der Gesellschaft untergetaucht waren, als für sie und ihre Schüler das schiere Überleben zum einzig erstrebenswerten Lerninhalt geworden war – da begann das allgemeine Abschlachten, denn Menschen sind ja nicht nur Erzeuger und Nutzer, sondern auch Vektoren des Buchwissens. Die Logik ist unbarmherzig: Auch der Bauer, die Marktfrau, der Arbeiter – jedes menschliche Wesen, das sich nicht der rechten Lehre beugt, ist kontaminiert und darf, ja muss durch Feuer und Blut gereinigt werden.

Ich habe das schulische Milieu geschildert, das zu solchen mentalen Deformationen führt. Viele Jihadisten sind vom Geist der Medresse geprägt, der, wie angedeutet, nicht nur in den gleichnamigen Institutionen, sondern auch übers Internet Verbreitung findet. Manche von ihnen sind Immigranten der ersten oder zweiten Generation, die in Gesellschaften leben, deren Werte sie ablehnen und die in ihren Augen moralisch lax, dekadent, sogar blasphemisch sind. Sie wähnen ihre Seele in Gefahr und entfremden sich zunehmend der Gesellschaft des Gastlandes; werden sie hinlänglich indoktriniert, sind sie bereit, diese Gesellschaft in Stücke zu reissen. Das ist längst bekannt – aber ich möchte behaupten, dass hierzulande diesem Prozess unwillentlich noch Vorschub leistet wird.

aus dem Englischen übersetzt von as.


Montag, 17. August 2015

Schulen zwischen Urwald und Eton

Wir beginnen das neue Schuljahr mit einigen grundsätzlichen Überlegungen in einer fünfteiligen Serie. Der nigerianische Autor und Nobelpreisträger Wole Soyinka geisselt Boko Haram. Er verbindet seinen Bericht über die bedrohten Bildungsinstitutionen in seiner Heimat an der jährlichen Tagung der Nobelpreisträger in Lindau mit einem leidenschaftlichen Plädoyer zur Verteidigung menschlicher Grundwerte. Erster Teil.

Ich wurde nach Lindau eingeladen, um über Bildung in Afrika zu sprechen, und deshalb möchte ich Sie als Erstes zu einigen Bildungsstätten führen. Fangen wir mit der exotischsten an – folgen Sie mir bitte in die Wälder nahe meiner Heimatstadt Abeokuta. Wir entdecken die Fährte eines Tiers, die uns überraschenderweise zum Rudiment einer menschlichen Behausung führt. Das Dach ist über den windschiefen, innen wie aussen völlig überwucherten Wänden eingebrochen, aber irgendwo findet sich ein Durchschlupf, und – wer hätte das gedacht – wir stehen auf einem zementierten, wenn auch arg mitgenommenen Boden, um uns grob gefertigte Stühle, Bänke, Pulte und eine Wandtafel. An die Wand sind ein paar Zeitungsausschnitte gepinnt, im Pult findet sich noch ein Klassenbuch.

Keine Frage, das war einst ein Klassenzimmer. Einst? Ein Blick auf die Zeitungsausschnitte macht klar, dass hier vor knapp drei Wochen noch unterrichtet wurde. Natürlich. Es sind Ferien, die Regenzeit ist angebrochen, und wo das himmlische Nass seinen Weg auch durch löchrige Dächer, Fenster und Türen findet, wächst das Unkraut schnell.

Gewiss, das ist ein extremes Beispiel, aber für seine Wahrhaftigkeit stehe ich als Augenzeuge ein. Ich bin gern im Wald unterwegs und stosse dabei immer wieder auf solche verlassene Schulräume. Und in vielen Regionen Afrikas nimmt ihre Zahl zu – besonders natürlich in Kriegsgebieten, aber auch in solchen, die sich nicht in einem offenen Konflikt befinden, sondern vielmehr doktrinären Ideologien unterworfen sind.

Wenden wir uns lieber einem menschenwürdigeren Szenario zu, das ebenfalls gut vertreten ist – Schulen, deren Angebot durchaus über der erwartbaren Norm liegt. Ich meine Schulen mit Bibliotheken und Laboratorien, wo die Schüler experimentieren und erfinden können. Ich meine Schulen wie diejenige im westnigerianischen Staat Osun, die einen für schulische Bedürfnisse massgeschneiderten Laptop entwickelt hat, der im ganzen Staat verbilligt abgegeben wird. Das Gerät ist mit Daten aus dem nationalen und lokalen Curriculum geladen, liefert aber auch zusätzliche Informationen mit klarem Schwerpunkt auf afrikanischen Themen. So erdet das Gerät die Schülerinnen und Schüler in ihrer eigenen Kultur und öffnet ihnen gleichzeitig den Horizont der neuesten wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen.

Und weiter zu unserem dritten Schauplatz. Ein grösserer Kontrast zum ersten liesse sich kaum denken – hier haben wir es mit einer Art Transplantat der Eliteschule Eton, mit einem Exempel grotesker Entfremdungs-Psychologie zu tun. Auf afrikanischem Boden ist dies eine exotische Welt: Krawatten, wollene Blazer unter tropischer Sonne, eine Mini-Uno von Lehrkräften aus England, Indien, Frankreich, Deutschland usw. Ein Cricket-Feld mitsamt einem makellosen Pavillon für die elektronische Anzeigetafel. Rasen wie vom Friseur geschnitten. Ein grosszügiger Swimmingpool. Und was erspähen wir da in der Ferne? Tatsächlich: Reitpferde. Auch das gibt es – und zwar ebenfalls in Abeokuta. Diese Eliteschulen sind natürlich privat, und es ist ein offenes Geheimnis, dass manche von ihnen sich in der Hand ebenjener einstigen Staatsoberhäupter befinden, die den anhand des ersten Beispiels illustrierten Niedergang des nigerianischen Schulwesens mitzuverantworten haben.
Es gibt noch ein weiteres Schulmodell – eines, das in der deplorablen Entwicklung des Schulwesens mancherorts ebenfalls eine Rolle gespielt und insbesondere die eingangs geschilderten Zerfallserscheinungen befördert hat. Es ist dies die Medresse – ursprünglich eine islamische Variante der Primarschule, die weitgehend auf das Auswendiglernen setzt. Die Schüler lernen den Koran aus dem Kopf zu rezitieren, sie studieren das Leben und die Tugenden ihres Propheten Mohammed und seine in den Hadithen festgehaltenen Aussprüche und Lehren; sie lernen, was laut diesen Lehren erlaubt und was verboten ist und worin die jedem guten Muslim auferlegten Pflichten bestehen.

Früh lernen die Schüler auch, dass dem Lehrer absoluter Gehorsam geschuldet ist; dafür fühlen sie sich geborgen und beschützt. Es besteht eine enge, für Aussenstehende nicht ohne weiteres verständliche Beziehung zwischen Schüler und Lehrer; in einem Alter, da das Kind noch gänzlich formbar ist, bilden die Lehren des Mullah seine eine, existenzielle Wirklichkeit. Ich bin in der Nachbarschaft einer solchen Schule aufgewachsen und erinnere mich, dass mich Neid beschlich, wenn ich die Kinder im Chor antworten und rezitieren hörte: Es lag etwas Einschläferndes, fast Hypnotisches in den Stimmen, die durch die träge Nachmittagshitze herübertönten, und manchmal stimmte ich in den Chor ein, ohne zu wissen, was die Worte und Phrasen überhaupt bedeuteten.

Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass diese Medressen nicht mit Koranschulen gleichzusetzen sind. Ich ging auf eine christliche Missionsschule, die auch von muslimischen Schülern besucht wurde; diese hatten zwar am Abend oder am Wochenende zusätzlichen Unterricht in der Koranschule, wo sie in religiösen Dingen unterwiesen wurden, aber sie durchliefen ein normales schulisches Curriculum. Die Schüler der Medressen hingegen verlassen diese Institution – ob das nun beabsichtigt ist oder nicht – in einer Art geistiger Versklavung. Sie haben nur eine äusserst limitierte Vorstellung davon, was Lernen, was Bildung bedeutet. Sogar Erziehungsministerien in muslimischen Ländern haben mittlerweile erkannt, dass ein Gutteil der Fusssoldaten und der Bannerträger des radikalen Islamismus aus diesem Milieu stammt.

aus dem Englischen übersetzt von as.


Montag, 10. August 2015

Auch virtuell üben ist anstrengend

handfest, real.
Rein persönlich bevorzuge ich reales Übungsmaterial, also solches zum anfassen und mit dem die Kinder handfest arbeiten können: Wendekarten und Domino, Klammerkarten und Memory, LÜK und Logico, Zusammensetz- und Legespiele und manches mehr. Neben dem eigentlichen Lerngegenstand kommt somit auch das haptische Element dazu, und die Feinmotorik wird geschult.

Im Kapitel Selbstkorrektur werden einige solcher Werkzeuge vorgestellt, denn manches kann man selber herstellen oder gar zusammen mit den Kindern. Wenn die Kinder mit einigen Techniken vertraut sind, macht es ihnen durchaus Spass, für ihre Kameraden Übungen zu erfinden (die sie natürlich vorher selber testen müssen). Vorher schon helfen sie bereitwillig beim rein technischen herstellen wie zum Beispiel ausschneiden, falten, verpacken, ...


virtuell.
Es gibt jedoch auch viele interaktive und virtuelle Übungsmaterialien. Diese sind weder per se gut, noch per se schlecht. Auf der Seite Interaktiv habe ich geschrieben, in Ergänzung zu den vielen anderen Angeboten mögen mögen sie eine willkommene Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten darstellen. Die Schule muss nicht nur mit der Zeit gehen (und in der heutigen Zeit sind elektronische Geräte und Virtualität allgegenwärtig), sondern den Kindern auch deren Qualitäten und Grenzen aufzeigen.

Die Seite Interaktiv dient mir und meinen Kindern als Wegweiser, da sie, geordnet nach Fächern, Verknüpfungen zu virtuellen Übungen enthält, die uns nützlich sind oder waren. Es ist sicher nicht die umfangreichste Sammlung; hier zählt mehr die Qualität. Über die Sommerferien sind einige neuen Seiten dazugekommen.

Montag, 3. August 2015

Eine moderne Jenaplan-Schule

Die Sendung "Schule der Zukunft" stellt mit der Grundschule am Firstwald in Mössingen, Baden-Württemberg, eine Reformschule vor, die neue Wege geht, um ihren Bildungsauftrag zu erfüllen. Ausgehend vom Jenaplan wurde diese Schule aufgebaut. Im Beitrag kommt sowohl die Schulleiterin Cornelia Frank zu Wort, wie auch Werner Baur, zuständiger Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er spricht auch über die Haltung der Lehrer an einer privaten Schule.



Spannend ist auch, wie hier eine neue Schule aus dem Nichts aufgebaut worden ist. Im Gegensatz zur Schweiz gibt es in Baden-Würtemberg für Privatschulen gewisse Unterstützung.

Montag, 27. Juli 2015

Laborschule Bielefeld: über 40 Jahre auf dem Weg des Erfolgs

Die Bielefelder Laborschule ist staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie wurde, zusammen mit dem benachbarten Oberstufen-Kolleg, 1974 nach den Vorstellungen und unter der Leitung des Pädagogen Hartmut von Hentig gegründet. Sie hat den Auftrag, neue Formen des Lehrens und Lernens und des Zusammenlebens in der Schule zu entwickeln und diese Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ihre Arbeit ist also sowohl praktischer als auch theoretischer Natur.



Diese historische Dokumentation berichtet über diese Reformschule, in der wie im täglichen Leben die Themen ineinanderfliessen und nicht nach theoretischen Grenzen in Fächern eingeteilt sind. Die Versuchsschule Laborschule hat ein besonderes pädagogisches Profil sowie einen bleibenden pädagogischen Entwicklungsauftrag. Die Wissenschaftliche Einrichtung Laborschule begleitet und unterstützt diesen Prozess und wertet ihn aus.Der Beitrag stammt aus dem Jahr 1976.

Montag, 20. Juli 2015

Ein Blick zurück nach Sommerhill

Summerhill ist eine Demokratische Schule in Leiston (Suffolk, England) und gilt als eine der ältesten demokratischen Schulen der Welt. A. S. Neill gründete sie 1921 zu einer Zeit, als Reformpädagogik populär war. Derzeit wachsen rund 90 Kinder und Jugendliche verschiedener Nationen im Alter von 5 bis 17 Jahren in dem Internat auf. Nach dem Tod des Gründers im Jahre 1973 übernahm seine Frau Ena und ab 1985 ihre Tochter Zoë Neill Readhead die Schulleitung.

Diese Dokumentation ist die erste Filmdokumentation seit dem Tod des Gründers von Summerhill. Auch wenn die Bildqualität eher etwas verregnet ist, ein spannender Blick zurück.


Montag, 13. Juli 2015

Wozu Reformpädagogik heute?

Dass Lernen faszinierend sein kann, erfuhr der deutsche Reformpädagoge Otto Herz in der evangelischen Gemeindejugend. Und dann auf der Odenwaldschule. Herz studiert nach dem Abitur Psychologie, Pädagogik, etwas Philosophie, etwas Theologie – in Hamburg und Konstanz.



Am 24. März 2015 sprach er zum Thema “Wozu Reformpädagogik heute?” und macht damit den Auftakt zu einer Serie längerer Beiträge zur Reformpädagogik während der Sommerferien.

Montag, 6. Juli 2015

So spannend kann die Schule sein

Als letzten Beitrag vor den Sommerferien zeigen wir eine mögliche Einführung der Division an der Primarschule. Dabei erstrecken sich die Lernerfahrungen der Kinder von der Handlungs- über die Bild- bis hin zur Symbolebene. In Reflexionsphasen werden die Erfahrungen der Kinder dieser österreichischen Schule untereinander ausgetauscht.



Mancher einer mag bemängeln, dass hier alle miteinander gleichzeitig die Division lernen. In einer Freinet- oder Montessorti-Klasse wäre dies unter Umständen gestaffelt erfolgt. Aber die Schule soll ja auch gemeinsame Erlebnisse vermitteln. Weshalb nicht bei der Division? 

Montag, 29. Juni 2015

Muttersprache oder deutsch?

Migrantenfamilien sollten mit ihren Kindern zu Hause ihre Muttersprache sprechen. Ein Auszug aus dem Sprachförderfilm von AV1. Themenschwerpunkte: Schriftspracherwerb und ein- und mehrsprachige Kinder.

Unser Bildungssystem tut sich immer noch schwer mit Kindern, die aus einem anderen Land zu uns gekommen oder als Kinder ausländischer Mitbürger hier geboren sind und die deutsche Sprache erlernen wollen. In diesem Film macht die bekannte Sprachwissenschaftlerin und Fachbuchautorin Professorin Dr. Iris Füssenich auf charmante Weise deutlich, wieso sprachliche Bildung eine Schlüsselkompetenz für Kinder mit Migrationshintergrund ist, wie sich die Sprache bei mehrsprachigen und Migrantenkindern entwickelt und worauf es dabei an kommt.

Außerdem werden eine gelungene Migrationsgeschichte erzählt und zahlreiche Empfehlungen für die pädagogische Praxis sowie hilfreiche Tipps für Eltern vermittelt.



Wie Kinder zum Deutsch kommen (AV1 Pädagogikfilme)

Montag, 22. Juni 2015

Schule der Zukunft (Grüne IT)

In der Schule wächst die Zukunft unseres Landes. Deshalb sollten die Kinder hier auch gewisse Verhaltensweisen kennenlernen, welche nachhaltig und zukunftsträchtig sind. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb in den Schulen vermehrt Computer eingesetzt werden.
  • Ist uns aber bewusst, dass die IT mehr CO2 produziert als die deshalb verschriene Flugbranche?
  • Oder wissen wir, wieviel Energie der Versand eines einzigen e-Mails benötigt?
  • Wieviele Stunden können die Kinder mit dem Strom am PC arbeiten, den wir einsparen, indem wir das WLAN mit einer Zeitschaltuhr über Nacht abschalten?
Der höchst interessante und zum denken und handeln anregende Film eines Kollegen aus dem Kanton Bern:


Der Filmbeitrag fasst die wichtigsten Informationen aus dem Educa-Guide "green IT & Schule" aus dem Jahr 2013 zusammen. Faktenwissen, dass jeder Computernutzer im Jahr 2015 erst recht kennen sollte.

Montag, 15. Juni 2015

Freiheit der Kinder

Ein spannendes Interview mit Gerald Hüther. Der deutsche Neurobiologe sprach am 25. Februar 2013 in Freiburg im Breisgau zum Thema „Die Freiheit ist ein Kind der Liebe".




Montag, 8. Juni 2015

Was Kinder wirklich brauchen

Wie unsere Kinder aufwachsen und ob sie ihr volles menschliches Potenzial entfalten können, ist entscheidend - privat wie auch gesellschaftlich. Dagmar Neubronner spricht in diesem Film über die wichtige Entstehung von natürlichen Bindungen und wie die gesellschaftliche Entwicklung und politische Vorgaben die Menschen voneinander entfremden.



Sie stellt auch die von ihr geleitete Neufeldausbildung für Eltern, Lehrer und alle, die mit Kindern zu tun haben, vor. Hier werden die Grundbedürfnisse von Kindern und unsere uralte Intuition anhand wissenschaftlicher Forschungsergebnisse nachvollziehbar.
www.neufeldinstitute.com

Montag, 1. Juni 2015

Belohnung und Bestrafung bringen nichts

Er war einer der Zuschauermagnete auf der didacta 2011: Prof. Dr. Gerald Hüther. Der Hirnforscher sprach auf dem Forum Wirtschaft und Weiterbildung in der Weiterbildungshalle. Engagiert und mitreißend war sein Plädoyer für eine andere Bildung und eine andere Führung. Nach seinem Vortrag gab er ein kurzes Interview am Stand der Sinn-Stiftung.

Montag, 25. Mai 2015

Lieber einen Sommer auf der Alp als ein Leben lang auf Ritalin

Ausschnitte des Vortrages von Prof. Dr. Gerald Hüther zum Thema "Lieber einen Sommer auf der Alm als ein Leben lang auf Ritalin" im Rahmen der Vortragsreihe "Das Geheimnis des Gelingens".



Den Kompletten Vortrag auf DVD, sowie weitere Informationen zur "Edition Hüther" finden Sie unter: www.paedagogikfilme.de

Montag, 18. Mai 2015

Warum Schulen in Skandinavien gelingen

Wie kommt es, dass Schulen in Skandinavien so erfolgreich sind? Woran liegt es, dass sich in Finnland und Schweden in der ganzen Gesellschaft ein Innovationsklima ausbreitet? Kann man die Leistungsspitze stärken und zugleich das allgemeine Niveau heben? Geht das: Lust und Leistung Hand in Hand?

Schulen in Skandinavien zeigen, es geht. Und es geht gut. Sie zeigen den Weg für eine Schule in einer Wissen- und Ideengesellschaft. Ausschnitte aus der Dokumentation "Spitze - Schulen am Wendekreis der Pädagogik. Warum Schulen in Skandinavien gelingen" von Reinhard Kahl.



Montag, 11. Mai 2015

Freinetpädagogik: Ein Praktiker erzählt

Herbert Vogt ist Lehrer, Fortbildner - unter anderem am Odenwaldinstitut -, Leiter einer Kindertagesstätte und Mitbegründer des Kronberger Kreises für Qualitätsentwicklung. In diesem Interview zeigt er, wie Freinet-Klassen zu Beginn gar nicht als solche erkannt werden und weshalb. Dann führt er jedoch weiter und weist auf die andere pädagogische Haltung hin, die sich auf den zweiten Blick dann durchaus erkennen lässt.



In der zweiten Hälfte des Interviews geht er auf die typischen Atelieres und Werkstätten ein. Zur weiteren Lektüre sei sein Buch "Freinetpädagogik in der Kindertagesstätte empfohlen.

http://freinet-kooperative.de/


Montag, 4. Mai 2015

Erfrischender Unterricht

Die Freinet Pädagogik ist auf die Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder ausgerichtet. Der französische Pädagoge gilt auch als der Begründer der Schülerzeitungen. In dem kurzen Film zum Schulbeginn nach den Frühlingsferien werden die Grundzüge seiner Pädagogik am Beispiel des Freinet Kinderhauses Görlitz erläutert.



Es kommen die Erzieher und auch viele der kleinen Kinder zu Wort.

Montag, 27. April 2015

Wie das mit dem Internet und so richtig geht

Sie wollen wissen, wie das
mit dem Internet und so
wirklich geht.
"Sicherheit im e-Mail-Verkehr oder die Anwendung von Zertifikaten kann auch Unterrichtsgegenstand an Schulen sein." schreibt der Zertifikatanbieter CAcert auf seiner Internetseite. Mancher Lehrer wird den Kopf schütteln oder sich gar abwenden. Andere werden sagen: natürlich, aber später, in den oberen Klassen.

Genau diese Haltung führt dazu, dass sich Millionen von Leuten absolut stümperhaft im Internet herumstolpern, als wären sie schwerst behindert. Dabei gibt es verschiedene Initiativen, welche absolut altersgerecht Kindern schon sehr früh erlauben, postitive, wertvolle und nachhaltige Erfahrungen mit Informatikanwendungen zu machen.

Eine davon ist der Informatikbiber. Andere Möglichkeiten hat eben CAcert Inc., ein gemeinnütziger Verein für Sicherheit im Internet übrigens, auf einer Seite zusammengestellt.

Montag, 20. April 2015

Das bisschen vorbereiten

Dieses Zeitdokument aus den 1950er-Jahren ist heute so aktuell wie damals, als es gedreht wurde. Es beschreibt den Alltag eines Lehrers. Natürlich hat sich manches radikal geändert. Geblieben ist jedoch die Kernaussage: Nach dem Unterricht fängt die Arbeit erst richtig an. Und: Gute Unterrichtsvorbereitung ist zeitaufwendig - gerade auch, wenn man sich von den Reformpädagogen inspirieren lässt.

Montag, 13. April 2015

Beziehung ist nicht alles. Aber ohne Beziehung ist alles nichts.

Rita Pierson war über 40 Jahr Lehrerin und sie hörte einmal eine ihrer Kolleginnen sagen: "Ich werde nicht dafür bezahlt, nett zu meinen Schülern zu sein." Ihre Antwort darauf: "Kinder lernen nichts von Leuten, die sie nicht mögen." Ein wachrüttelnder Aufruf an alle Lehrer und Erzieher, an die Fähigkeiten ihrer Schüler zu glauben und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, die von Ehrlichkeit, Menschlichkeit und echtem Interesse gezeichnet ist.

Montag, 6. April 2015

Mit der Schnürchenschrift stirbt die Sprache

Hirnforscherin Minna Huotilainen ist überzeugt, dass Leute, die von Hand schreiben die besseren Resultate erbringen: «Unser Hirn speichert angesichts der Flut von Informationen nur jene Informationen ab, mit denen man sich länger oder intensiv beschäftigt hat.»

Auch andere Untersuchungen zeigen, dass Studenten, die sich während einer Vorlesung handschriftliche Notizen machen, das Thema besser begreifen als jene, die mit ihrem Laptop mitschreiben. «Beim Schreiben von Hand ist man langsamer als beim Tippen. Genau deshalb kann man nicht alles aufschreiben, sondern muss zusammenfassen, umformulieren, bilanzieren. Mit anderen Worten: Das Schreiben zwingt dazu, das Thema zu verstehen», erklärt Neuropsychologe Lutz Jäncke. Das hilft beim Denken.

Förderlich fürs Lernen ist auch die Sensorik beim Schreiben von Hand. Der Druck, der Schwung, die Impulse, alles spiegelt sich in der Schrift wider. Je mehr unser Körper Teil der Erfahrungen ist, desto mehr unterstützt er die Erinnerung. Nicht umsonst heisst verstehen auch be-greifen oder er-fassen. Der ausführliche Bericht erschien in der NZZ am Sonntag vom 1. März 2015. Ziemlich in die gleiche Kerbe schlägt ein Eintrag des Blogs des Netbookprojetks der Schule Guttannen. In deren Unterricht wird nach wie vor vorwiegend in Hefte geschrieben und nicht auf dem Tablett, den am pädagogischen Wert auch nur kurzer "handschriftlicher" Schreibsequenzen auf dem Tablett zweifeln die Kollegen im Berner Oberland, die doch immerhin seit fünf Jahren Tabletts breit im Unterricht einsetzen.

Montag, 30. März 2015

Ostereier voller praxisorientierter Weiterbildung

Bereits ist es frühlingshaft... und damit rückt auch die nächste Freinet-Werktagung vom Mai 2015 ins Blickfeld (siehe auch Beitrag Die kindsgerechteste Weiterbildung der Schweiz). Noch ist Zeit, sich für dieses inspirierende Treffen anzumelden!

Wer sich gerne nicht nur mit Kollegen aus dem eigenen Schulhaus austauscht ist hier genau richtig: verschiedene Leute aus verschiedenen Stufen und Kantonen, manchmal auch aus dem benachbarten Ausland: So konzentriert und kompakt kommt man selten zu inspirierenden Ideen. Nur einlassen muss man sich selber (und heute noch hier anmelden - denn das gibt es nur alle zwei Jahre).

Die organisierenden Kolleginnen und Kollegen freuen sich über jede Anmeldung. Fragen beantwortet Lulu Müller gerne unter der Adresse lulumueller Affenschwanz les-coquelicots Punkt ch

Mehr zur Reformpädagogik nach Célestin Freinet gab es bereits letzte Woche und hier noch ein Artikel mit näheren Informationen aus der Zeitschrift "Bindestrich":



Montag, 23. März 2015

Drucken in der Schule macht Spass

Bild: schuldrucker.de
Bereits Célestin Freinet liess seine Schulkinder die Aufsätze mit Bleilettern setzen und dann drucken. Auf der ganzen Welt gibt es seither Schulen, welche eine kleine Druckerei für den Unterricht haben. Die Bergedorfer Waldorfschule (Hamburg) hat vor sieben Jahren gleiche eine ganze Druckerei übernommen. Dort stehen eine moderne Offset-Maschine und zwei traditionelle Buchdruckmaschinen. Auf diesen entstehen unter Mithilfe und Anleitung des pensionierten Druckers, Drucksachen für die Schule und von den Schülern. Zum Beispiel die monatliche Schulzeitung, Handzettel und Plakate für Veranstaltungen und natürlich Produkte aus dem Unterricht:

Der kurze Film gibt einen kleinen Einblick. Im Gegensatz zum Fotosatz oder Computersatz, ist das Setzen von Bleilettern (spiegelverkehrt mit einem kleinen Spiegel) ein äusserst geeignetes Hilfsmittel zur Förderung der Rechtschreibung. Wer sich selber fürs Drucken in der Schule interessiert, findet im Netz
- eine umfassende Übersicht,
- eine Schritt-für-Schritt-Anleitung,
- den Arbeitskreis Schuldruckerei.