Montag, 7. August 2017

Keine Maus

Die Haselmaus ist keine Maus. Dies ist die Quintessenz aus dem Vortrag (siehe Beitrag von vor zwei Wochen zu den Kurzvorträgen) eines meiner Viertklässler. Leseverständnis ist für ihn sehr schwierig. Die Arbeit mit der Kinderzeitschrift kam ihm sehr entgegen. Er arbeitete zwei oder sogar drei Tage an der gleichen Doppelseite. Die Abschnitte waren kurz und ihr Anzahl sehr überschaubar. Zuerst las er Titel und Bildlegenden, studierte die Bilder. Das ist die klassische Arbeit am schwer verständlichen Text, wie ihn das Französischlehrmittel Envol den Kindern mit den clés magiques (Zauberschlüssel) vermittelt.



Zur Illustration dienen auch hier (von oben nach unten): die Farbstiftzeichnung, die Gedankenlandkarte und der erweiterte Steckbrief mit schönen Zeichnungen in den Marginalien. Zur Überprüfung des Lernfortschrittes der Zuhörer des Vortrages diente dieses elektronische Kreuzworträtsel auf Learningapps.


Auf die Zauberschlüssel ist ein Andermal zurückzukommen - insbesondere da das sie enthaltende Lehrmittel am auslaufen ist und im August in den 5. Klassen erstmals das Nachfolgebuch in den Einsatz kommt.

Montag, 31. Juli 2017

Magie im Schulzimmer

Auch Kinder, die noch nicht französisch lernen, verstehen zumindest das zweite Wort der clés magiques. Das ist etwas magisches, hat mit Magie zu tun. In der Tat zaubern wir im Kanton Zürich und anderen Deutschschweizer Kantonen seit knapp zwanzig Jahren mit diesen Zauberschlüsseln im Französischunterricht - und zuweilen auch in anderen Sprachen.

Die Autoren des Lehrwerks Envol (5.-9. Klasse), Achermann, Bawidamann, Tchang-George und Weinmann haben diese neun Schritte zum Textverständnis zusammengetragen und sinnigerweise auf deutsch publiziert. Es geht ja darum, wie man französisch versteht, auch wenn man noch nichts - oder zumindest nur wenig - versteht.
Wir arbeiten mit den clés magiques im Französischunterricht ab der 5. Klasse (in welcher sie schrittweise eingeführt werden), setzen sie als Zauberschlüssel jedoch auch schon in der vierten Klasse mit Kindern mit Schwierigkeiten in der Texterschliessung im Deutschunterricht. Sechstklässlern halfen sie beim Verständnis eines irre komplizierten Textes der Gymnasiumsprüfungsvorbereitung, Kindern mit balkanesischer Muttersprache beim Entschlüsseln der Geheimnisse der Schweizer Geschichte und vielen anderen auch. Daneben eigenen sie sich auch im Englisch. [Ja, der dritte Schlüssel muss natürlich sinngemäss angewandt werden.]

Wer hat auch Erfahrung mit den clés magiques?
Wer hat Erfahrung mit anderen Textverständnishilfen?

Montag, 24. Juli 2017

Kurzvorträge: Dachs

Ich wollte von meinen Kindern Kurzvorträge hören. Da wir keine richtige Bibliothek im Schulhaus haben und es das erste Mal war, dass sie Vorträge vorbereiteten, brachte ich alte Jugendnaturschutzzeitschriften mit.

Der erste Auftrag war, anhand des Steckbriefes auf Seite zwei und einem A6-Notizblatt (Postkartenformat) innert 30 min einen Einminutenkürzestvortrag zu halten.


Dann, so dachte ich mir, würden die Kinder anhand der vier bis fünf Doppelseiten ein Cluster erstellen, sich mit dem Tier vertiefter befassen, selber einen Steckbrief schreiben und in der Folgewoche ein paar Minuten über das Tier frei erzählen.

Um die Zuhörer zum Zuhören zu animieren durften sie noch eine App auf Learningapps erstellen. Aus einer Woche wurde ein Monat, aber der Aufwand hat sich gelohnt:

Der Dachsvortrag eines Fünftklässlers war sprachlich auf sehr hohem Niveau. Das Kind, das sich sonst mündlich nur wenig beteiligt, zog alle sprachlichen Register und zeigte, was es kann. Inhaltlich hatte ich auch nichts auszusetzen. Zeigen kann man dies nicht; die schöne Dachszeichnung mag einem eine Ahnung davon geben.

Apps erstellte das Kind zwei, die eine als Kurzfassung des Vortrags für all' jene, welche den Vortrag nicht in der Schule hören konnten - also eine eigentliche Lern-App-, damit sie die Fragen in der zweiten App - die Überprüf-App - dann trotzdem beantworten könnten.

* ** *** ** *

Die Leistungen von Kindern einer separierenden Sonderschule, die in Regelklassen trotz Fördermassnahmen nicht beschulbar sind, können nicht eins zu eins mit denjenigen von Regelklassenkindern verglichen werden. Was ich für mich gelernt habe: Klare Vorgaben und Strukturen leiten die Kinder und geben ihnen Sicherheit. Das Gewähren der nötigen Zeit - auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, es gehe fast nicht vorwärts, lohnt sich und ermöglicht den Kindern zu entdecken, zu was sie alles fähig sind - hin bis zu freiwilligen "Hausaufgaben" in einer hausaufgabenfreien Schule.

Montag, 17. Juli 2017

Ohne Wissen kein Können

Er ist heiss umstritten: der Lehrplan 21 und seine Kompetenzorientierung. Profoessor Dieter Rüttimann vom Institut Unterstrass gelingt es in seinem Vortrag zu kompetenzorientiertem Unterrichten in einfacher und anschaulicher Sprache das Wesentliche in wenigen Worten zusammenzufassen. Tausend Seiten zur Mathematik fasst er in etwa in fünf Worten zusammen, um die es während der elf Jahre Kindergarten und Volksschule geht.



Dabei beschränkt sich Rüttimann jedoch bei Weitem nicht nur auf den Lehrplan, sondern bettet ihn ein in den Unterricht, Unterrichtsmethoden, frühere und heutige Diskussionen über eine gute Schule und belegt seine Aussagen wo immer möglich mit wissenschaftlich erhobenen Zahlen - zum Teil auch höchst erstaunlichen!

[Hinweis für Leser aus Mittel- und Norddeutschland sowie Hinterarlberg: Der Vortrag ist auf Zürichdeutsch/Alemannisch.]

Montag, 3. Juli 2017

Lustiges Faltspiel

Bei meiner Grossmutter haben wir das gespielt und manchmal auch an Wintertagen zu Hause nach dem Zvieri: Jeder zeichnet einen Hut, den er dann gleich umfaltet, sodass nur noch der untere Rand sichtbar ist, dann reicht man die Zeichnung weiter. Daraufhin zeichnet man einen Kopf, den man dann gleich umfaltet, sodass nur noch der Halsansatz sichtbar ist, dann reicht man die Zeichnung weiter.


Der nächste zeichnet den Rumpf, die Beine, die Füsse oder Schuhe. Er zum Schluss wird das Papier wieder aufgefaltet und die skurrilen Figuren werden begutachtet. Eine Kollegin hat dies im Zeichenunterricht mit ihren Zweit- bis Sechstklässlern getan. Ich habe die Bilder (im dunkeln Korridor) abgelichtet.

Montag, 5. Juni 2017

Neue Medien sind viel zu schwierig

Alles wird besser. Dank der Digitaliserung können die Kinder nun bald selbständig arbeiten, können wir auch einmal die Tabletts mit in den Wald nehmen (ob das WLAN der Schule bis dorthin reicht?).
Die Einfürung neuer Medien ist immer einfach für diejenigen, die offen sind, vielleicht auch ein wenig unbedarft. Wer am alten klebt, versteht zuerst die Welt nicht mehr. Aber das war ja schon im Spätmittelalter so, als in den Klöstern die neuen Medien Einzug hielten: Schreck lass nach - das Buch. Das brauchte natürlich auch entsprechende Umschulungen der Klosterbrüder, was nur durch kaiserliche Zuschüsse möglich war.



Quelle: Archiv des norwegischen Fernsehens - ja, das reicht so lange zurück!

Montag, 29. Mai 2017

Von nichtswissenden Journalisten, hinterwäldlerischen Lehrern und Subventionen

Der Artikel über uns digitalen Hinterwäldler liess mich nicht in Ruhe. So schreibe ich auch diese Woche noch etwas dazu. Den Bock schiesst der Schreiberling aus dem Hause Tamedia, dank der Digitalisierung könnten wir nun endlich, endlich individualisieren und besser auf jeden einzelnen Schüler eingehen. Er hat wohl noch nie von Wochenplan, Projektunterricht, Werkstatt-Unterricht oder von Célestini Freinet gehört. Erste Reformer haben bereits 1870 getan, was nun mit Tabletts möglich wird?! Vergessen sind der Projektunterricht Zuberbühlers (1925), die Unternehmung im Freien der libertären École Ferrer (Wintsch 1919), die langen Lektionen des Gestaltungsunterrichts im Landerziehungsheim (Senn 1933), die individualisierenden Unterrichtsarrangements im Genfer pädagogischen Laboratorium (Dottrens 1936, Begert 1954) oder die Inneren Differenzierung der Klasse (Bovet 1925) und in der aktiven Schule (Ferrière 1923). Nein, liebe Tamedia AG, auch bevor wir Tabletts hatten, konnten die Kinder schon selbständig lernen und bereits in vordigitaler Zeit gingen wir an heissen Sommertagen in den Wald, nicht das e-Book, sondern das Buch unter dem Arm!

Der Bund müsse die Kantone bei diesem Prozess finanziell unterstützen. Toll, damit die Lehrer endlich lernen, das zu tun, was sie seit hundert Jahren tun? Hat der Bund die Kantone finanziell unterstützt, als die Schule von der Schiefertafel auf das neue Medium «Heft» umgestiegen ist? Oder gab es Subventionen, als der Diaprojektor durch einen Videoprojektor (Beamer) ersetzt wurde? Als das Epidiaskop durch den Hellraumprojektor - völlig andere Bedienung! - ...?

Nun brauche es völlig neues Lernmaterial. Richtig. Als der Fülli durch den Kugelschreiber ersetzt worden war, gehörten wir auch alle zum alten Eisen und mussten umgeschult - nein schlimmer noch: neu ausgebildet! - werden. Nein, Frau Lätzsch*, die Situation ist nicht schwieriger als in der Mathematik (neues Lehrmittel, neue Didaktik, neuer Lehrplan), im Französisch (neues Lehrmittel, neue Didaktik, neuer Lehrplan) oder im... Überall gibt es immer wieder neue didaktische Konzepte, altes, das nicht mehr klappt, das angepasst und ersetzt werden muss. Von Klassenzug zu Klassenzug, von Jahr zu Jahr, von Lektion zu Lektion.

Beim Verband Swiss ICT heisst es gar: «Zwar sind die Schüler ihren Lehrern weit voraus. Manch ein Achtjähriger kennt sich bei der Anwendung neuer Technologien besser aus als ihre Lehrer.» Aber: Die ältere Generation könne den Jungen trotzdem viel beibringen. «Gerade beim bewussten Umgang und Verständnis der Technologie können die Jungen viel lernen.» Immerhin. Meine Erfahrung ist - zumindest an der Primarschule (und auf die Bezug sich der kommentierte Zeitungsartikel) - ist da etwas ernüchternder: Schüler kennen sich in den allermeisten Fällen nicht besser aus als ihre Lehrer. Klar kennen sie die aktuellsten Spiele und You-Tube-Videos, aber alles, was darüber hinausgehe, überfordert viele. Kinder wissen teilweise nicht einmal, was ein Tabulator ist.

Hinweis: Nächste Woche noch ein passendes Video aus dem Spätmittelalter, als in den Klöstern neue Medien einzug hielten...

*Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes

Montag, 22. Mai 2017

Das riesen Chrüsimüsi im Kopf in der Mathematik muss nicht sein

In der Mittagspause drückte mir ein Kollege eine Postkarte in die Hand, eine Bekannte von ihm hätte ein Lehrmittel geschrieben. Neugierig schaute ich mir die angegebene Internetseite an. Kurz: Es geht ums rechnen, weil rund 7% aller Schulkinder in der Primarschule rechenschwach sind. Bemerkbar wird dies meist etwa in der dritten Klasse.


Die Bekannte meines Kollegen hat nun ein Arbeitsheft mit einem Koffer voller Lernmaterialien entwickelt, welche insbesondere das dezimale Verständnis in den Zahlenräumen 100 und 1000 fördert. Dabei setzt sie auf alle Abstraktionsebenen. Den Fokus setzt sie jedoch aufs Handeln. Selbst Heilpädagogin, hat sie auch Kinder mit grossen Schwierigkeiten im Auge gehabt. Trotzdem lässt es sich sowohl in Regelklassen als auch in Sonderklassen parallel zum "normalen" Lehrmittel einsetzen. Gut zu Wissen: "Gib mir 10" berücksichtigt die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung und verwendet die Farben, die schon Maria Montessori im Rechenunterricht verwendet hat. Eingeflossen sind auch sieben Jahre Erfahrung auf dem Gebiet.

Zu kaufen gibt es "Gib mir 20" noch nicht. Wenn alles gut läuft, wird es im kommenden Monat - also gerade richtig um Hinblick auf das neue Schuljahr - erscheinen. Dazu ist noch ein bisschen Geld nötig. In einer Crowdfunding-Aktion hofft die Autorin, das nötige Geld zusammenzubringen. Wer etwas spendet bekommt eine attraktive Gegenleistung, hin bis zu einer Weiterbildung für das ganze Lehrerkollegium zum Thema rechenschwache Kinder und deren Förderung.

Mehr zum Lehrmittel auf gibmir10.ch
Mehr zur Spendenaktion auf https://wemakeit.com/projects/gib-mir-10


Anmerkungen für Leser aus Deutschland und Österreich:
* Chrüsimüsi: Zürichdeutsch für Durcheinander
* Frau Hofmann spricht im Video die deutsche Standardsprache mit leichtem helvetischen Akzent. Schweizerdeutsch wäre etwas anderes ;-)

Montag, 15. Mai 2017

Microsoft will die Gamifizierung der Schule

Die Schweiz müsse die Menschen in die digitale Welt integrieren, damit sie nicht zu einem Land der  Verlierer werde, sagte Wirtschaftsminister Schneider-Ammann. In einer auflagenstarken Zeitung konnt man dann prompt einigen Unsinn zum Thema lesen.

So wird ein Mitarbeiter eines grossen amerikanischen Softwareherstellers zitiert, einige Schulen hätten sich zwar Tablets angeschafft, doch es fehlte ein Anwendungskonzept. Meines Wissens sind in unserem Kanton alle Schulen mit tragbaren und anderen Computern ausgerüstet. Wir Lehrer bräuchten Unterstützung, um die digitale Schule methodisch umzusetzen. Danke, liebe Firma Micro..., das machen viele, sehr viele Lehrer schon seit zehn oder fünfzehn Jahren. Es war noch im letzten Jahrtausend/Jahrhundert, als ich ein Anwendungskonzept schrieb und mit grosszügiger Unterstützung der Schulpflege umsetzte. Wobei die Umsetzung vor allem im Kollegium stattfand durch regelmässige Anstösse, Ideen, Beratung, Hilfestellung, kurz: wie setze ich die teuren Geräte ein.


Natürlich kann simples Programmieren, etwa mittels des Computerspiels ‹Minecraft›, auch jungen Schüler zugetraut werden, doch gibt es andere Ansätze, welche die Kinder viel mehr fördern und vor allem auch tiefer gehen. Ich denke dabei etwa an den Informatikbiber, Livecode, Primalogo, BeeBot, Scratch oder Logo.

Montag, 8. Mai 2017

Beziehung statt Erziehung

Als Ergänzung zum Beitrag zur Vertrauenspädagogik vom vergangenen Montag, heute ein Gespräch mit Jesper Juul. Er vertritt den Ansatz: Erziehung ist kein Leistungssport, Kinder wollen Beziehung statt Erziehung.


Das Gespräch mit Jesper Juul führte Teresa Arrieta im Dezember 2013.

Bücher zum weiterlesen:



Montag, 1. Mai 2017

Machtkämpfe ade: Mit Vertrauen erziehen

Kinder gehorchen, weil sie ihre Eltern oder Lehrer mögen und die Hierarchie kennen. Dies besagt die Vertrauenspädagogik. Ihr Begründer,  Heinz Etter, Heilpädagoge, Vater und ehemaliger Leiter eines Sonderschulheims, ist überzeugt, dass es möglich ist, aus dem Kreislauf von Machtkämpfen und Misstrauen auszusteigen.



In diesem Gespräch zeigt Hans Etter, dass Verhalten weniger eine Sache des Charakters, sondern vielmehr der Beziehung ist. Kinder sind so geschaffen, dass sie sich einer fürsorglichen Vertrauensperson gerne anschliessen, solange sie sich angenommen, geachtet und geliebt fühlen. Das Verhalten von Kindern wird nicht von Anreizen bestimmt, sondern folgt der Beziehung. Was das konkret heisst, erklärt Heinz Etter in diesem Film.

Am 6. September 2017 gibt es einen Erfahrungsaustausch für Lehrer mit Heinz Etter über Skype. Das Angebot ist gratis, es jedoch eine Anmeldung nötig.

Literatur: Heinz Etter: Erziehen im Vertrauen: Das Join-up-Konzept.

Montag, 27. März 2017

Schulwandbilder neu interpretiert

zeitloses Schulwandbild von 1941
Ich liebte sie und war meistsens der letzte im Schulhaus, der sie noch einsetzte: Schulwandbilder. Heute fristen sie ein kümmerliches Dasein irgend in einem Kasten oder wurde gar fortgeworfen. Schade. In der Tat: Die didaktisch aufgebauten Bilder gaben viel mehr her, als irgend ein Poster und im Gegensatz zu einer guten Illustration in einem Schulbuch oder einer, die man an die Wand projiziert, konnte man das Schulbild noch einige Tage hängen lassen. Die Kinder konnten sich so besser erinnern oder einzelne Details in einem ruhigen Moment weiter verinnerlichen.

Kürzlich habe ich auf der Internetseite von Planet Schule eine Reihe von sogenannten interaktiven Animationen entdeckt. Sie unterstützen stufengerecht sowohl den klassischen Unterricht, als auch das selbständige Lernen im offenen Unterricht. Aus aktuellem Anlass habe ich die acht Animationen zum Themenkreis Energie zusammengestellt.

Dem direkten Vergleich mit den Schulwandbildern halten sie nicht stand. Manches können sie besser, anderes weniger gut - oder um es mit den Worten Brechts zu sagen: Es wechseln die Zeiten. Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine...

Montag, 13. März 2017

Guter Lehrer sein - ganz einfach

Gestern schrieb die NZZ am Sonntag über uns Lehrer: Qualität werde nicht durch Schulreformen erreicht, sodern durch unser können. Dabei beruft sie sich auf Hattie und druckt gleich eine Anleitung ab, was einen guten Lehrer ausmacht.

Die Neue Zürcher Zeitung nahm den Ball ihrer Sonntagsausgabe heute Morgen elegant auf und fasst den Artikel in wenigen Zeilen zusammen:

● . . . kann Regie führen und vorausplanen.
● . . . hört den Schülern richtig zu.
● . . . kann Beziehungen eingehen und kennt seine/ihre Schüler.
● . . . hat eine Passion für Zwischenmenschliches.
● . . . kann gut auf die Eltern eingehen.
● . . . findet die Balance zwischen digital und analog.

Um dann den Ball wiederum ihren Lesern zuzuspielen mit der Frage, was einen guten Lehrer ausmache. Die ersten Kommentare tönen durchaus vernünftig.

Montag, 6. März 2017

Entspannung auf dem Eisfeld

Aquarell von Ernst Bahn, 1922
Stadtmuseum Münster
Zweimal im Jahr gehen wir mit den Kindern vierer Kleinklassen (1. bis 5. Schuljahr) Schlittschuh laufen. Wer das ein bisschen häufiger macht, dem seien die zehn Lektionen von Jugend+Sport ans Herz gelegt. Didaktisch fundiert und technisch professionell. Die allgemeinen Regeln gelten aber auch für uns seltenen Gäste auf der Eisbahn.

Die Stunden auf dem Eis sind jeweils überraschend entspannt. Die Kinder zeigen sich gegenseitig, was sie können,stössen einander abwechslungsweise auf kleinen Stühlen über das Eis, während andere in der anderen Hälfte miteinander Hockey spielen, zum Beispiel drei gegen einen (der im Club ist).

Ich beobachte, helfe hier mal einem auf die Füsse oder zeige dort einmal einen "Trick". Daneben bleibt viel Zeit, um die Kinder zu beobachten. Wie bewegen sie sich im Raum, wie schnell machen sie Fortschritte, was entdecken sie selber, wer teilt sein Wissen, sein Können? Am Abend setze ich mich dann hin und schreibe eine Note fürs kommende Sommerzeugnis auf. Bei all den Kompetenzen gibt das meistens gute Noten - je nach Kind halt für etwas anderes: von ersten Schritten auf dem Eis, hin bis zu rückwärts gefahrenen Piroutetten...

Montag, 27. Februar 2017

Kinder- und Jugendbücher zu Krieg und Flucht

(DW)
Die grosse Flüchtlingswelle ist vorbei.Aber zu hunderten, zu tausenden sind sie nun hier, und auch ohne Welle kommen Tag für Tag weitere Migranten zu uns in den Westen und den Norden. Weshalb? Warum? Manchmal ist es einfacher, komplexe Inhalte über eine Geschichte zu transortieren. Eine persönliche Auswahl.

Mehr zum Thema Flüchtlinge in der Schule (ältere Beiträge):
Mit Kindern über Flüchtlinge reden.
Wie man über Flüchtlinge reden kann.
Weshalb man über Flüchtlinge reden muss.

Montag, 20. Februar 2017

Aktueller Schreibanlass

Es ist schön in den Ferien...
(auch wenn ich an einem anderen
gefrorenen See weile)
Ferien sind für mich immer ein aktueller Schreibanlass. Selbst noch ein Schulkind, ging ich zur Materialverwalterin zur Schule. So bekamen wir für jede Ansichtskarte, die wir ihr schrieben einen Farbstift, oft auch seltene Farben, die nicht mehr produziert wurden (Restbestände) oder Muster, die sie von Vertretern hatte.

Später habe ich das selber praktiziert - jedoch etwas weniger materialistisch: Wer mir eine Postkarte schreibt, der bekommt auch eine. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, jedoch, dass dies je länger desto sorgfältiger eingeführt werden muss, da manche Kinder gar nicht mehr wissen, was eine Postkarte ist und was man das so schreiben kann. Haben sie es einmal begriffen, freuen sie sich dann umso mehr auf die unerwartete (weil seltene) Post im Briefkasten.

Montag, 13. Februar 2017

Weshalb die Kinder mit drei verschiedenen Browsern ins Internet müssen

In einer Kolumne in der Neuen Zürcher Zeitung (Digitale Drogen) äusserte sich Prof. Konrad Paul Liessmann von der Universität Wien sehr kritisch zum Einsatz digitaler Werkzeuge im Schulunterricht. Die Fragen, die er aufwirft, respektive seine Beobachtungen sind durchaus berechtigt. Hingegen liesse sich auch eine andere Konsequenz daraus ziehen. Während Liessmann die digitalen Medien lieber heute als morgen aus den Schulzimmern verbannen möchte, könnte man sich auch die Frage stellen, was das Wesentliche sei. Und ob dies in der Schule erreicht werden kann.

Sollen die Kinder mit Microsoft Windows umgehen können? Ich meine nein, denn es gibt ja auch noch MacOS, iOS, Android, Linux und anderes. Das Betriebssystem ist irrelevant. Wenn ich Auto fahren will, muss ich auch nicht wissen, wie BMW oder VW ihre Motoren bauen.

Sollen die Kinder in Word einen Text tippen können? Mit Powerpoint ein paar Folien zusammenstellen? Eine Exceltabelle ausfüllen? Oder sollten sie nicht eher eine Ahnung haben von Textverarbeitung, Präsentationen, Tabellenkalkulation? Das alles ist möglich auf Papier oder digital und digital unabhängig von einem bestimmten Anbieter.

Sollten die Kinder nicht auch eine Ahnung haben über die Geschäftsmodelle der Anbieter, deren Vor- und Nachteile? Wikipedia oder Mozilla leben von Spenden; Google, Facebook, zum Teil auch Amazon und Microsoft von Werbung. Also müssen sie uns ausspionieren, um uns besser zu kennen, um passende Werbung aufzuschalten.

Beim Einsatz von quelloffenen Programmen (Ubuntu, LibreOffice, Firefox, u.a.m.) ist man da bereits einmal auf der sicheren Seite. Weitere Vorteile sind: Fehlende Lizenzkosten für den Schulträger und die Kinder dürfen legal die gleiche aktuelle Version wie in der Schule auch zu Hause herunterladen und installieren.

Für den Zugang zum Internet empfiehlt es sich mehrere Browser zu nutzen: mal den, mal jenen: Firefox, Chromium, Vivaldi (nicht Chrome von Google, nicht Explorer oder Edge von Microsoft, nicht Safari von Apple). Dabei sollte voreingestellt sein, dass die Chronik und die Cookies gelöscht werden, sobald der Browser geschlossen wird.

Wenn dies in der Schule umgesetzt wird und die Kinder auch wissen, weshalb, dann ist meines Erachtens schon viel erreicht. (Wenn in einer Schule das Betriebssystem Windows oder MacOS vorgegeben sind: Das lässt sich alles umsetzten. Achtung: Windows 10 stellt automatisch nach jedem Update den Spionage-Browser Edge als Standard ein – das ist echt mühsam!)

Montag, 6. Februar 2017

Von der Abschaffung von Religion und Kultur

Werden wir die Geister, die wir riefen, nicht mehr los?
Die Advents- und Weihnachtszeit ist vorbei, Fasnacht, Fastenzeit und Ostern stehen vor der Tür. Auch wenn viele unserer Schulkinder nicht (mehr) praktizierende Christen sind, prägen solche Zeiten den Alltag, sei es in Form von Strassenbeleuchtung, Omnipräsenz saisonaler Produkte in den Läden oder auch in Form von Geschenken.

Weshalb läuten um 7, um 11 und nachmittags täglich die Kirchenglocken? Weshalb gibt es Fasnacht? drei Tage frei an Ostern? Geschenke an Weihnachten? Wie kommt es, dass der Nikolaus den Kindern Gritibänzen bringt? Das alles erlebt das Kind mehr oder weniger intensiv. Bisher war das auch in der Schule ein Thema - je nach Kanton als Glaubensvermittlung oder eher sachlich (etwa Religion und Kultur im Kanton Zürich). Aber überall gab es ein Primat des Christentums als traditionelle oder ursprüngliche Leitreligion in unseren Breitengraden, als diejenige Religion, welche Kultur und Gesellschaft geprägt haben und immer noch prägen wie keine andere. Mit dem neuen Lehrplan 21 ändert sich dies nun aber massiv.

Daniel Kummer hat den künftigen Lehrplan analytisch durchforstet und erschreckendes festgestellt. Die meines Erachtens wesentlichsten Stellen habe ich farblich markiert:

1. Welche Begriffe kommen vor?
Das Wort ´christlich´ kommt genau zweimal vor. Das erste Mal mit Bezug auf die Bundesverfassung und die kantonalen Volksschulgesetze. Die Schule soll sich an folgenden Werten orientieren: „Sie geht von christlichen, humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen aus. Sie ist politisch und konfessionell neutral.“ (Einleitung Bildungsziele) Das zweite Mal wird im Fach NMG gefordert, dass Schüler befähigt werden, „Gemeinsamkeiten und Bezüge zwischen Judentum, Christentum und Islam an Beispielen zu erläutern.“ (NMG. 12.5.g) Ansonsten gibt es keinen weiteren Bezug zu den unter Bildungszielen erwähnten Werten. Wie soll das gehen, wenn die Schule von christlichen Werten ausgehen soll?

Personen der Bibel, die in vielen Lehrplänen bisher vorkamen, ‚Mose‘, ‚Abraham‘, ‚David‘, sowie der Begriff ´Schöpfung´ kommen im gesamten Lehrplan nirgends vor. ´Jesus´ wird im Fachbereich NMG nur insofern erwähnt, dass die Schüler zum Leben bedeutender Gestalten aus verschiedenen Religionen (insbesondere Jesus, Mohammed, Buddha) Geschichten erzählen können. (NMG.12.2.b) Auf der Oberstufe sollen die Schüler die Bedeutung zentraler Gestalten aus den Religionen kennen, insbesondere „Jesus, Mohammed und Buddha anhand von Überlieferung, Darstellung und Verehrung< erläutern sowie aus weiteren Perspektiven betrachten (historisch, ästhetisch, kulturell).“ (ERG 5.1) Das sind die beiden einzigen Bezüge zu Personen unserer jüdisch-christlichen Vergangenheit.

Die ´Bibel´ kommt ein einziges Mal vor: „Die Sch. können (auf der Oberstufe) erläutern, wie heilige Schriften (insbesondere Tora, Bibel, Koran) überliefert wurden (z.B. mündliche, schriftliche Überlieferung, Handschriften, Buchdruck, Übersetzung) und wie sie verwendet werden (Rezitation, Meditation, Lesung, Auslegung).“ ERG. 5.1.b ‚Kirche‘ kommt nur in Zusammenhang mit Musikerleben und Kunstbetrachtung (je 2x), sowie bei den didaktischen Bemerkungen vor.

Die für unsere Kultur prägenden Feste des Kirchenjahres kommen wie folgt vor: ‚Palmsonntag‘, ‚Karfreitag‘, ‚Ostern‘, ‚Auffahrt‘, ‚Pfingsten‘, ‚1. August‘, ‚Bettag‘, ‚Weihnachten‘ werden im gesamten Lehrplan nicht erwähnt. 

Nun könnte man vermuten, dass die Kompetenzen ja inhaltsunabhängig formuliert werden und es lediglich Verweise auf ‚Feste‘ gibt. Je nach Einschätzung der Lehrperson können dann passende Feste ausgewählt werden: „können kulturelle Unterschiede (Herkunftsländer der Mitschülerinnen und Mitschüler) und Ähnlichkeiten beobachten und beschreiben (z.B. Alltagsrituale, Feste, Traditionen).“ FS1F.6.C.1.a Ist damit ausreichend auf unsere Kultur verwiesen? „können von Festanlässen in der Familie oder in der Umgebung erzählen und Anteil daran nehmen, wie andere Feste feiern.“ NMG.12.4.a Damit wird die Auswahl der Feste der schulischen Zufälligkeit Preis gegeben. Ein Lehrplan sollte mehr bieten! Wenn wir unsere Kinder so bilden wollen, dass sie unsere Kultur verstehen, braucht es den Bezug zur jüdisch-christlichen Überlieferung. Ein Kernpunkt jeder Bildung ist, dass man das, was uns geprägt hat, kennt?

2. Fehlen zentrale Inhalte im religiösen Bereich, weil der LP21 kompetenzorientiert ist?
Ein Blick auf andere Fächer zeigt ganz deutlich, dass an vielen Orten einerseits konkrete Inhalte aufgeführt werden und auch eine klare Ausrichtung auf verbindliche Werte eingefordert wird. Hierzu vier Beispiele:
„können darlegen, wieso die erste Hälfte des 20. Jahrhundert als Zeitalter der Katastrophen bezeichnet wird (insbesondere Erster und Zweiter Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Holocaust unter Berücksichtigung von Diskriminierungen und Rassismus sowie des Phänomens Gewalt).“ (RZG.6.3.b)
„können die Geschichte von ausgewählten Institutionen und Menschen erzählen, die sich im 20. Jahrhundert für Freiheit, Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit oder nachhaltige Entwicklung einsetzten (z.B. UNO, Rotes Kreuz, Bertha von Suttner, Martin Luther King, Mutter Theresa, Nelson Mandela, Mahathma Ghandi).“ (RZG.6.3.c)
„kennen ausgewählte Schutz- und Verhaltensregeln zu Pflanzen und Tieren (z.B. Tierschutz, geschützte Pflanzen, Naturschutz) können daraus das Verhalten in ausgewählten Lebensräumen in der Wohnregion ableiten.“ (NMG.2.6.g)
kennen ihre Rechte im Umgang mit Sexualität (insbesondere Schutzalter, sexuelle Orientierung, Schutz vor Abhängigkeit und Übergriffen) und können ihre Verantwortung im Umgang mit Sexualität einschätzen.“ (ERG.1.3.b)

So sieht Bildung normalerweise aus. An vielen Orten wollen die Lehrplanverfasser Einstellung und Verhalten  der Schüler prägen. Werte werden nicht zur Disposition gestellt, sondern es wird eine klare Richtung der Bildung festgelegt. Diese Klarheit fehlt dort, wo an unsere jüdisch-christliche Kultur angeknüpft werden soll! Weshalb?

3. Ist der LP21 doch auch ein Stoffplan?
Das Wort ‚insbesondere‘ bei verschiedenen Kompetenzbeschreibungen weist gemäss dem Kapitel ‚Überblick und Anleitung‘ S. 7f darauf hin, dass die nachfolgenden Inhalte verpflichtend sind. Man hat also ein Instrument eingeführt, mit dem man auch Inhalte verpflichtend machen kann. Ist es nicht erstaunlich, dass man einerseits einen kompetenzorientierten Lehrplan verfasst, aber dann doch eine Fülle an verbindlichen Inhalten einfügt und sich so wieder einem Stoffplan annähert? Vermutlich können gewisse Kompetenzen nur an gewissen Inhalten gelehrt und gelernt werden. Paradox wirkt es, wenn in der Einführung steht:
„Beschrieben Lehrpläne bis anhin, welche Inhalte Lehrpersonen unterrichten sollen, beschreibt der Lehrplan 21, was Schülerinnen und Schüler am Ende von Unterrichtszyklen können sollen. An die Stelle von Lernzielen und stoffinhaltlichen Vorgaben treten fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schülern in den Fachbereichen erwerben.“ (Einleitung S. 7)

Wie kommt es dann, dass rund 650 konkrete Inhalte1 (plus verschiedene Inhalte in Klammern) im Lehrplan als verbindlich festgelegt werden? Insofern macht es nicht Sinn, dass im religiösen Bereich zentrale Themen unserer Kultur nicht einmal als Beispiele aufgeführt werden und so die inhaltliche Auswahl ganz der Beliebigkeit anheim gestellt wird.


4. Wie viel Distanz braucht es zur Religion?
Schule will ja bilden, das bedeutet, dass sie in der Innenwelt der Kinder etwas bewirken will. Diese Absicht drückt sich im Lehrplan unterschiedlich intensiv in den Kompetenzen aus. Aber im Religionsbereich wird bereits auf der Unterstufe eine distanzierte und von zentralen Elementen des christlichen Glaubens gelöste Perspektive sichtbar. Nicht mehr der christliche Glaube steht im Fokus als primäre Religion, sondern die Religionen. Überall im Lehrplan wird nicht von Religion sondern von Religionen gesprochen: „können an Beispielen beschreiben, wie Religionen menschliche Grunderfahrungen rituell gestalten.“ (NMG.11 2c)

Im ganzen Lehrplan fällt der Primat des Christentums von Anfang an weg! Dies war bisher in keinem Kanton der Fall, falls Religion irgendwie thematisiert wurde. Auch im Kanton Zürich, der das Fach ‚Religion und Kultur‘ eingeführt hat, wird der christlichen Religion eindeutige Priorität eingeräumt. In dem Sinn vollzieht der LP21 eine klar Abkehr von bisherigen Konzepten! Wollen wir das?

Als zweites Merkmal fällt der distanziert-beschreibende Zugang zum Phänomen ‚Religion‘ auf. Dies mag  auf der Oberstufe angemessen sein, aber in der Primarstufe ist das sowohl entwicklungspsychologisch als auch lernpsychologisch unpassend. Die Perspektive des sich entwickelnden und durchaus auch glaubenden Kindes ist nirgends im Blick.


Es bleibt zu fragen, ob wir in der Schweiz einen solchen Umgang mit unserer christlich geprägten
Kultur wollen, oder ob das nicht an der kindlichen und gesellschaftlichen Realität vorbei geht und in dem Sinne nicht konsensfähig sein wird. Wir brauchen doch eine Schule, die auf eine Gesellschaft vorbereitet, in der Kinder auch religiöse Phänomene wertschätzen, verstehen und damit umgehen lernen!

Montag, 30. Januar 2017

Mit Bruchteilen spielen

(Wikimedia)
Anfangs Schuljahr habe ich mit meinen Fünftklässler eine erste Einführung ins Bruchrechnen gemacht. Es ging (nach Mathematik 5 von Prof. Hohl, Lehrmittelverlag Zürich), vorerst nur um Stammbrüche erkennen. Nach Zahlenraumerweiterung und Wiederholungsaufgaben haben wir nun in den letzten Tagen des ersten Semesters angefangen mit Stammbrüchen zu rechnen, vor allem mit Grössen.

Dieser von Hohl propagierte Weg ist sicher ein sehr vorsichtiger Zugang zum Bruchrechnen. Ein Tempo, das meinen Förderschülern entgegenkommt. Ich habe nun noch nach Material gesucht, das die Kinder mehr handeln lässt. Fündig wurde ich hier:
Diejenigen mit Stammbrüchen habe ich bereits gebastelt, die anderen warten auf eine freie Minute in den kommenden Tagen.

Montag, 23. Januar 2017

Zuviel schlechter Frontalunterricht

Der emeritierter Erziehungswissenschaftler Dr. Hilbert Meyer aus Oldenburg kommentiert in diesem Kurzbeitrag präzise und prägnant einige der aktuellsten Stichworte aus der Schule. Leider ist seine Beobachtung betreffend dem 'Frontalunterricht' wahr, wobei er nicht in die Falle fällt und den Frontalunterricht verteufelt, sondern sehr richtig einen vernünftigen Anteil und entsprechende Qualität fordert. Weitere Stichworte sind 'Lehrerbildung und Schulentwicklung', 'Veränderungsresistenz', 'Unterrichtsqualität und Bildungspolitk' und 'Vergleichsstudien'.

Montag, 16. Januar 2017

Weshalb Kinder nicht mehr gehorchen - und was man dagegen tun kann

Zweimal in letzter Zeit hörte ich das aus verlässlicher Quelle: Heutige Kinder gehorchen nicht mehr. Also ist meine Wahrnehmung nicht so ganz falsch. In diesem kurzen Filmbeitrag erklärt Fabian Grolimund, weshalb das so ist. Gleichzeitig zeigt er mit seinen beiden Mitarbeiterinnen auch auf, wie es mit Kooperation einen Weg aus diesem Dilemma des fehlenden Gehorsams gibt.



Natürlich ist nicht alles neu, was hier empfohlen wird, mir gefällt jedoch die kompakte Zusammenfassung und der kleine Hase, auch wenn er in der Zwischenzeit nur noch die zweite Geige spielt.

Montag, 9. Januar 2017

Schule der Zukunft

Schöne neue Welt? Antwort an die NZZ.
Diesen Post habe ich im letzten Juni in einem informationswissenschaftlichen Blog unter dem Titel "Disruption in der Schule" veröffentlicht. Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird. Wenn man heute von Disruption spricht, dann meistens dann, wenn durch die Digitalisierung bisherige Geschäftsmodelle wegfallen. Beispiel: Wegen Uber verdienen Taxifahrer nicht mehr genug zum Leben. Bisher dachten wir, das Lehrersein und die gute alte Schule sei davon nicht betroffen. Dachten wir.

Die deutsche Bertelsmann-Stiftung ist überzeugt, dass Lehrer, die wie weiland Aristoteles mit seinen Schülern im Kreise zusammensitzen und philosophieren, passé seien. Solche Schule, apostrophiert mit Negativbegriffen wie «Frontalunterricht», gilt als antiquiert, unfair, ineffizient, teuer und langweilig. Vor allem aber kann diese Art von Schule die Bildung der Massen nicht meistern. Wie die schöne neue Schule aussehen könnte, zeigt ein lesenswerter Kommentar von Claudia Wirz in der Serie «Chancen der Digitalisierung» der Neuen Zürcher Zeitung.

Dabei werden wichtige und richtige Fragen aufgeworfen wie: Reicht für die Bildung von morgen die Beziehung zu einem Computer? Und wird die Schule dadurch sogar besser? Wirz hält korrekterweise fest, dass Schule von alters her Beziehungsarbeit sei, die je nach Konstellation mal mehr, mal weniger gelänge - auch wenn man diesen Aspekt im ausführlichen Artikel durchaus noch etwas vertiefen hätte können. Ebenso wie Hinweise auf die Auswirkung digitalen Lernens auf unser Hirn, wie sie etwas Manfred Spitzer und andere sehr wohl geben. Richtig eingesetzt sind die digitalen Medien sicher ein Segen. Das humanistische Ideal einer guten Bildung für alle wird damit käumlich Realität.

Oft bleibt gerade beim digitalen Lernen bleiben das Frontale und das Autoritäre erhalten - Frontalunterricht in einer «coolen» Form quasi. Gerade der funktionale Ansatz, der mit dem neuen Lehrplan 21, der dem kompetenzorientierten Unterricht verschrieben ist, auf die Schule zukommt, besteht die Gefahr, dass die Bildung der Zweckmäßigkeit unterordnet wird. Das ist das Gegenteil humanistischer Bildung, die ein harmonisches Ganzes anstrebt, das das Emotionale einbezieht, mit dem Ziel, dem Menschen die Ermächtigung zum Selberdenken zu geben. Nur das mache den Wissensträger mündig und unabhängig, schreibt Wirz, für die Erziehung zur Selbständigkeit brauche es immer noch den analogen sozialen Verbund.


Mehr zur Wechselwirkung Digitales Leben - menschliches Hirn

Montag, 2. Januar 2017

Neujahrsvorsatz: Hochbegabte nicht vernachlässigen

Im Zusammenhang mit der Wende kam der ostdeutsche Nebelspalter, Eulenspiegel geheissen, auch an unsere Kioske. Mit ihm verstand ich damals das Leben in der sterbenden DDR wesentlich besser.

Kürzlich stiess ich nun auf einen Kalender aus diesem ostdeutschen Verlag (den es im Gegensatz zu manch anderen Unternehmen jener Gegen auch heute immer noch gibt), der wunderbar zu unserer Berufsgattung passt. Und zu Neujahr natürlich ebenso.

Eulenspiegels Kalender der Hochbegabten - von jenen wimmelt es ja bekanntlich in unseren Klassen nur so, auch wenn wir das zum Leidwesen mancher Eltern nicht immer wahrhaben wollen.