Montag, 26. Dezember 2016

Bald ist Weihnachten - oder: schlau schenken das ganze Jahr

Vorgestern war bei den meisten Kindern Weihnachtsbescherung - wenn sie nicht schon seit Halloween und St. Nikolaus Dauerbescherung haben. Vor vierzehn Tagen schrieb zu diesem Thema Maren Levin einen wichtigen Artikel unter dem Titel: Gehören digitale Geräte unter den Weihnachtsbaum? Levin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei LegaKids, der absolut tollen Lernspielseite Legakids - nicht nur für Kinder mit Lese- und Rechtschreibeschwäche.

Da nach Weihnachten ja immer auch vor Weihnachten ist und die Geschenkorgie mit Neujahr, Dreikönigstag, Ostern, Zeugnistag, Geburtstag, Schulbeginn weitergehen kann, das Wichtigste hier zusammengefasst:
  • Zuerst muss man sich im Klaren sein, ob es ein digitales Gerät geben soll oder nicht, denn es gibt gute Gründe dafür, aber auch gute Gründe dagegen. Dabei spielt weit mehr eine Rolle, als der Wunsch des Kindes und vielleicht noch das Alter. In der Broschüre „Digitale Weihnachtsgeschenke für Kinder!?“ finden Eltern, Paten und Grosseltern wichtige Hinweise und Denkanstösse.
  • Wenn es dann etwas aus der digitalen Welt geben sollte, stellt sich die Frage nach dem Was. Mit einer Suchmaschine können Spiele nach Kriterien wie etwa Spielspaß, Bedienung und technische Qualität oder Altersgruppe gesucht werden. Ausserdem wird ein kurzer illustrierter Überblick über die Rahmenhandlung des Spiels gegeben.
Kurz: Ob man zu Pastorini geht und ein pädagogisch wertvolles Holzspielzeug kaufen will, oder ob es ein digitales Gerät geben soll oder doch eher ein virtuelles oder reelles Spiel: gute Geschenke fallen nicht vom Himmel, sondern müssen seriös ausgesucht werden. Dies wird aus Levins Beitrag einmal mehr deutlich.

Montag, 19. Dezember 2016

Erfolg dank Eigenverantwortung

Es ist eine altbekannte Nachricht: Wenn wir den Kindern mehr Eigenverantwortung zutrauen, verändert sich der Unterricht zum Guten. Die Reformpädagogen anfangs des 20. Jahrhunderts ermunterten uns dazu, einer unter dem Namen "Moderne Schule"... Es ist fast wie mit der Weihnachtsgeschichte: Die Botschaft kommt mit schöner Regelmässigkeit in den Schulhäusern an.

Achtzig Jahre später nennt sich das Churer Modell. In einem Schulhaus in Biel haben die Kolleginnen und Kollegen dieses Modell lokalisiert. Ein kurzer Film gibt sehr weite Einblicke in dieses Bieler Modell. Im Gegensatz zu den bekannten Reformpädagogen setzt dieses Modell - zumindest zuerst - auf die Binnendifferenzierung. Freiarbeit mag sich in einem weiteren Schritt daraus entwickeln.



Der Film der Abteilung Pädagogischer Dialog der Erziehungsdirektion des Kantons Bern zeigt das Bieler Modell, das in der Schule Geyisried-Sahligut in Biel durch eine lokale angepasste Umsetzung des Churer Modells entstanden ist. Anmerkung: Der Film ist deutsch, französisch untertitelt.

Montag, 12. Dezember 2016

Lehrer über Gebühr eingeschränkt

Eine Schule, in der die Kinder
wirklich glücklich sind.
Aus einem längeren Interview mit der Lebensberaterin Evelyne Coën entnehme ich einige Zeilen über die Schule. Sie widerspiegeln die Erfahrungen Coëns, in grossen Zügen jedoch scheinen sie mir sehr wohl allgemeingültig zu sein.

Erst als ihre Kinder in einer (privaten) reformpädagogischen Schule waren, erkannt Coën, was es bedeutet, wenn Kinder gerne zur Schule gehen. Auch wenn es nicht immer so weit kommen muss (Privatschule), es könnten noch mehr Kinder in der Schule glücklicher sein, als sie es heute sind. Vor dem Übertritt in die (öffentliche) Sekundarschule machte Coën mehrere Schulbesuche, bis sie zwei, nach ihrer Ansicht, wirklich gute Lehrer gefunden hatte. Im Interview sagt sie:
Es kommt in erster Linie auf die Lehrer an, wobei unser Schulsystem die einzelnen Lehrer über die Gebühr einschränkt und strapaziert.
In ihrer Beratungspraxis habe sie viele Lehrer, welche über zunehmenden Druck klagten. Der Lehrplan verlange immer mehr, die Klassen würden vergrössert, was den Aufbau von Beziehung zum Einzelnen erschwere. Sie sagt:
Viele Lehrer lieben ihren Beruf, verzweifeln jedoch daran, dass die Rahmenbedingungen sie derart auslaugen.
Eine solche klare Aussage provoziert natürlich die entsprechende Gegenfrage des Journalisten, wie die Situation verbessert werden könne. Ich zitiere:
Es wäre ganz wichtig, dass die Eltern Lehrer unterstützen, die einen eigenen, vielleicht auch unkonventionellen Weg einschlagen. Sie müssten klarmachen, dass es ihnen vor allem wichtig ist, dass ihre Kinder glücklich sind in der Schule, und nicht nur, dass sie mit guten Noten nach Hause kommen.
Wer mehr von Evelyne Coën lesen möchte, interessiert sich vielleicht für ihr Buch Hier bin ich – Das tun, was ich wirklich will, Stämpfli Verlag, 2016.

Montag, 28. November 2016

Adventskalender zum Knobeln, Kombinieren und Kopfzerbrechen

Gestern war erster Advent und am Mittwoch geht es wieder los: Bis am 24. Dezember erwartet die Kinder aus den ersten vier Klassen im Känguru-Adventskalender jeden Tag eine spannende Aufgabe zum Knobeln, Kombinieren und Kopfzerbrechen.

Auch in diesem Jahr gibt es zwei Kalender:


Im Känguru-Adventskalender maxi finden sich weihnachtliche Knobelaufgaben, gedacht für die Kinder der Klassenstufen 3 und 4.


Im Känguru-Adventskalender mini gibt es knifflige Adventsrätsel für die Kinder der Klassenstufen 1 und 2.

Montag, 21. November 2016

Besser suchen statt nur googeln

Vor 14 Tagen kommentierte ich ziemlich scharf die Aussagen, die Kinder sollten nicht mehr auswendig lernen, dafür ein eigenes Schulfach zum googeln eingeführt werden. Ich vertrat die Ansicht, dass die Kinder sehr wohl - jedoch im Rahmen des üblichen Unterrichts - bei sich bietenden Gelegenheiten zur effizienten Internetsuche angeleitet werden sollten - in welchen Fach spiele keine Rolle.

Dies erfordert von uns Lehrer jedoch ein wenig an Hintergrundwissen. Solches findet sich im ausgezeichneten Schweizer Portal für die Recherche im Internet (SPRINT):
http://sprint.informationswissenschaft.ch/allgemeine-suche/suchstrategie/

Zuerst braucht man den Kopf (und nicht den Rechner), um die Frage zu beantworten: "Was will ich eigentlich genau wissen?" Erst wenn so der Informationsbedarf bestimmt ist, kann eine erste Suchanfrage formuliert werden, denn es ist nicht ganz trivial, wie man die Frage am besten eingibt, damit man dann auch die erwarteten Suchtreffer bekommt. Diese Ergebnisse müssen dann bewertet werden. Denn die gewünschte oder beste Antwort findet sich lange nicht immer im ersten oder den ersten drei Treffern.


Suchmaschinen für Kinder
  • blinde-kuh.de Eigentlich keine Suchmaschine, sondern ein Katalog mit Seiten, die für Kinder im Primarschulalter bis etwas 12 geeignet sind. Die blinde Kuh bietet auch einen Suchkurs an.
  • fragfinn.de ist eine eine redaktionell betreute Suchmaschine speziell für Kinder von sechs bis zwölf.
  • helles-koepfchen.de ist ein hochwertiges redaktionell betreutes Internetportal für acht bis sechzehnjährige Kinder.

Es folgen noch vier weitere Zusammenstellungen von Suchmaschinen - auch hier jeweils nur eine kleine Auswahl. Es gilt jedoch immer zu bedenken, dass schon lange viele Suchmaschinen einfach die Resultate anderer Suchamschinen unter eigenem Namen anbieten, wie diese schon ältere Darstellung schön zeigt. Yahoo! (unten rechts) bringt schon seit einiger Zeit keine eigenen Treffer mehr an, sondern solche von Bing (ehemals Live Search, ehemals MSN; gehört Microsoft).


Suchmaschinen, welche die Privatsphäre schützen
  • startpage.com Gibt die Suche ohne jegliche Angaben über den Sucher an Google weiter.
  • ixquick.eu kombiniert anonymisiert Suchresultate von Yahoo!, Yandex und Gigablast (früher waren es mehr).
  • duckduckgo.com DuckDuckGo ist eine Kombination aus Metasuchmaschine und eigenem Webcrawler, welche keine personenbezogenen Daten der Sucher sammelt oder weitergibt.


Metasuchmaschinen

  • metager.com Die vom Nutzer eingegebenen Suchwörter werden gleichzeitig in ca. 20 bis 30 Suchmaschinen gesucht. Der Nutzer kann für seine Recherche noch weitere Suchmaschinen, die abgefragt werden sollen, angeben.
  • ixquick.eu kombiniert anonymisiert Suchresultate von Yahoo!, Yandex und Gigablast (früher waren es mehr).


Suchmaschinen mit moralischem Zusatznutzen
  • ecosia.org bezieht seine Resultate von Bing. 80% des Gewinns wird an Aufforstungsprojekte gespendet.
  • schwarzle.net Sucht bei Google, jedoch mit einem schwarzen, statt einem weissen Hintergrund. Dies spart etwa 20% Strom beim Anwender (Röhrenbildschirm).
  • benefind.de Für jede zweite Suche wird ein Cent gespendet, man kann die begünstigte Organisation voreinstellen. Die Resultate kommen von Yahoo!.

Besondere Suchmaschinen

  • serioussearch.de ist ein Recherchewerkzeug, das sich insbesondere für thematische Recherchen eignet, bei denen im Gegensatz zu Faktensuchen von keinem klaren Ergebnis ausgegangen werden kann. Hierfür bietet serioussearch Funtkionen zur strukturierten Analyse des Ergebnisraums.
  • qwant.com Das europäische Google. Qualitativ vergleichbare Trefferquoten, alle Daten werden in der EU verarbeitet.

Montag, 14. November 2016

Bildungsreform beginnt bei den Lehrern und den Rahmenbedingungen

Kürzlich bin ich auf der Seite eines Kollegen auf einen äusserst witzigen und auch sehr wahren Beitrag eines deutschen Komikers über die Schule gestossen. Er gefiel mir, was mich zuerst etwas verwunderte, denn deutschen Humor finden hier in der Schweiz ja nicht alle gleich lustig.

Volkers Pispers trifft hier aber genau den richtigen Ton und trifft es auch inhaltlich - inklusive der komischen Übertreibung - den Nagel auf den Kopf. Bildung muß wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Wissen zu erlangen sollte wieder Spaß machen. Werden die Deutschen wieder ein Volk von Dichtern und Denkern?

Montag, 7. November 2016

Schüler sollen googeln statt auswendig lernen

So titelte am 31. Oktober 2016 eine sehr auflagenstarke Tageszeitung. Dem Artikel folgte noch ein Interview mit einem Bildungsexperten, der forderte, richtig googeln sollte ein Schulfach werden. Sowohl der Artikel, als das Experteninterview waren so ziemlich der grösste Quatsch zum Thema, den ich je gelesen habe.

Natürlich sollten die Kinder richtig mit Suchmaschinen umgehen können, jedoch sicher nicht nur mit der weitverbreitesten. Dann sollten sie auch stärken und schwächen von Suchmaschinen und Katalogen im Allgemeinen und auf einzelne Anbieter kennen: einige sind schnell, andere besonders geeignet für Suchen in diesem oder jenem Bereich, eine andere eine eigentliche Datenkrake, etc.

Aber ein Schulfach? Gott behüte! Da sollten wir dann x Jahre lang jedes Schuljahr während rund 40 Lektionen Suchtraining betreiben? L'art pour l'art? Richtiges Suchen erlernt sich viel besser am Gegenstand, also zum Beispiel - sehr wohl angeleitet - im Rahmen der Vorbereitungen für einen Vortrag. Oder hatten wir seinerzeit ein Schulfach "Wörterbuch nachschlagen" und eines "Lexikonartikel finden"?

Auch sonst zweifle ich offen am befragten Bildungsexperten. So sagt er: "Anstatt wie früher die Namen von Flüssen und Hauptstädten zu pauken, [...]" und einen Abschnitt weiter: "Wenn Schüler [...] etwas auswendig lernen, ist es bereits veraltet, wenn es zur grossen Pause läutet." Als ob der Rhein alle paar Minuten seinen Namen wechselt - und dass Bonn nun nicht mehr die Hauptstadt Deutschlands ist, haben die allermeisten auch mitbekommen, ohne im Internet danach zu suchen. Zumindest die Beispiele waren äusserst schlecht gesucht. Aber das liegt vielleicht auch an der Zeitung, denn der angebliche Bildungsexperte ist gemäss eigenen Angaben in seinem Blog "Projektleiter Unternehmensentwicklung bei [Verlag dieser Zeitung]. Marketierchen. Medienjunkie. Business Model Generator." - was auch immer das heissen mag.

Montag, 31. Oktober 2016

«Das war jetzt voll cool und ich will nun überhaupt alle, alle Biber-Aufgaben der anderen Stufen auch noch lösen.»

Vor zwei Jahren bin ich eher zufällig auf den Informatik-Biber gestossen - uns habe seither jedes Jahr mit meiner Klasse am Wettbewerb teilgenommen. Wahrlich, ich bin begeistert - meine Schulkinder auch.



Eigentlich geht es beim Informatik-Biber gar nicht um Informatik, sondern ums logische Denken. Er passt gut in den Informatikunterricht (den wir nicht haben). Ich verbuche ihn in der Mathematik und beim Leseverständnis. Der Wettbewerb kann im Laufe der Wettbewerbswoche zu einem frei gewählten (passenden) Zeitpunkt durchgeführt werden. Was es braucht ist einen Computerarbeitsplatz pro Schulkind und eine Anmeldung. Anmelden kann man sich beim Schulhausverantwortlichen - falls es einen solchen nicht gibt, kann man das auch selber werden. Man gibt die Namen der Kinder, das Schuljahr und ein Passwort ein, das ist alles. Die Fragen sind nämlich abgestuft für 3./4., für 5./6., für 7./8. und für 10.-13. Klasse.



Natürlich wollen wir gewinnen, auch wenn die Chancen für die Kinder einer Sonderschule klein sind. Stolz tragen sie jedoch das ausgestellte Diplom mit nach Hause und fleissig üben sie seit den Herbstferien. In der Tat: Auf der Seite http://wettbewerb.informatik-biber.ch stehen die Wettbewerbe seit 2011 zu Übungszwecken zur Verfügung. Ausserdem habe ich von http://informatik-biber.ch/aufgabensammlung/ die Aufgaben ausgedruckt und laminiert. Die so entstandene Biberkartei lösen die Kinder - auch übers Jahr verteilt - mit wasserlöslichen Filzstiften und waschen sie dann wieder sauber. Am Schluss jeder Rechenstunde gut zehn Minuten.

Für mich als Lehrer gibt es quasi nichts vorzubereiten - ausser auf dem Heimweg im Bus die alten Biberaufgaben zu lesen, dass ich dann den Kindern beim Üben bei Bedarf auch helfen kann. Der Begeisterungsfaktor bei den Kindern ist hoch - bei den Eltern ebenso... Ach ja, der diesjährige Biber-Wettbewerb findet nächste Woche statt. Schnellentschlossene können sich noch anmelden.

PS. Der Wettbewerb läuft nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland: http://informatik-biber.de und in Österreich: http://wettbewerb.biber.ocg.at (immer nächste Woche).

Montag, 24. Oktober 2016

Wenn Kinder sich nicht an Regeln halten können

Vor einiger Zeit schon besuchte ich einen Vortrag von Fabian Grolimund in unserem Dorf. Kürzlich sandte er mir einen Hinweis auf einen kleinen Film über Kinder, die nicht warten können, bis sie drankommen...

Gemäß Grolimund zeigen Studien mit ADHS-Kindern, dass impulsive Kinder weniger mit sich selbst sprechen und sich daher schlechter selbern steuern können. Mit einfachen Wenn-Dann-Plänen kann da oft wirksame eingegriffen werden. Dabei sagt sich das Kind, was es in welcher Situation tun soll - oder meistens ja auch will. Die Studien kannte ich nicht, die Folgerung daraus jedoch schon; ich arbeite täglich mit solchen Wenn-Dann-Plänen.

Zum Beispiel:
  • Wenn ich die Lösung weiß, aber nicht dran bin, dann schreibe ich sie mir auf.
  • Wenn ich beim Fußball mitspielen möchte, dann setze ich mich zuerst an den Rand und schaue zu.
  • Wenn ein Kind mich ärgert, dann sage ich laut und deutlich "Stopp!" 
  • Wenn die Lehrerin mir ein Blatt auf die Bank legt, dann nehme ich es und lese es durch. 
  • Wenn ich zwei Stöcklein gerechnet habe, darf ich die 2-min-Sanduhr nehmen und aufs Balancierbrett.
  • Wenn ich nicht mehr stillsitzen kann, dann gebe ich meiner Lehrerin ein Zeichen. 


Wichtig ist aber auch, dem Kind Anerkennung entgegenzubringen, also es zu loben, für seine Bemühungen, für die Fälle, in denen es gelingt. Das ist ja eigentlich nichts Neues. Aber so konsequent wie der Dachslehrer im Kurzfilm bin ich nun doch nicht - nun über ich fleißig, mit den Ohren wackeln ;-)

Wer gerne etwas mehr darüber liest: So können impulsive Kinder Regeln lernen
Wer Lektüre für den Schulweg braucht: Erfolgreich lernen mit ADHS (Buch von Grolimund/Rietzel)

Montag, 17. Oktober 2016

Verbenalarm

Quelle: unbekannt
Der Lehrmittelhändler sandte eine elektronische Nachricht, er habe die Bestellung versendet. Wackeln Ihnen bei solchen Mitteilungen auch die Ohren, pardon, die Augen? Natürlich wandelt sich die Sprache, und die Zeiten der Gebrüder Grimm, als der Hund noch boll sind unwiderruflich vorbei. Nichts desto trotz können wir starke Verben im Unterricht thematisieren, ihnen den Vorrang geben und uns darüber freuen, wenn jemand einen Kuchen buk oder dass im vergangenen lager abends ein Feuer glomm.

Als Ariane C. Gehr vor drei Jahren die starken Verben in der Zeit thematisierte, erntete sie viel Zustimmung von Sprachfreunden. Oft ist es in der Tat schwierig aber sehr schön wenn einem dann die starke, respektive die richtige Form einfällt.

Den eher humoristischen Ansatz der Gesellschaft zur Stärkung der Verben, welche schwache Verben erstärkt, können wir uns - etwa bei starken Schülern etwa in der 5. oder 6. Klasse zunutze machen, um selbst einmal das Rad umzudrehen und sprachlich schöne Sätze oder Texte schreiben, für die wir die fehlenden starken Verbformen aus Spaß an der Arbeit mit der Sprache kurzerhand selber erfinden.

---------------------------------------------------------------------------

Passende Übungen im Netz
Die Prinzessin auf der Erbse http://learningapps.org/1881711
Die Bremer Stadtmusikanten http://learningapps.org/1459980
Kleiner Lückentext http://learningapps.org/918438
Memory http://learningapps.org/2372982
Arbeitsblätter und analoge Lernspiele http://vs-material.wegerer.at/deutsch/d_zeit_stark.htm

Montag, 10. Oktober 2016

Lasst den Lehrern genug Freiheiten!

Bild: Hodler
Lasst den Lehrern  genug Freiheiten! Dies rief Anja Buri in einem Interview über den Streit um den Lehrplan 21 im Zürcher Tages-Anzeiger vom 4. Mai 2015 den Lesern entgegen, um dann zu ergänzen:
Die Schlüsselpersonen sind die Lehrer. Sie müssen ihre pädagogischen Freiheiten behalten. Sie sollen mit den Schülern so oft kochen können, wie es für sie sinnvoll ist. Das Prinzip gilt für alle Fächer. 
(Und wieviel dies umgesetzt wird, erleben wir bei der wöchentlichen Lektüre des e-Mails aus dem Volksschulamt mit denn neusten Weisungen und Verordnungen.)

Montag, 3. Oktober 2016

Hirnstürme

Die Leute staunen immer wieder, wenn neuere Untersuchungen immer wieder die ewig gleichen Ergebnisse alter Untersuchungen bestätigen. Deshalb sei der staunenden Öffentlichkeit wieder einmal etwas über die auch in der Schule verbreiteten "Hirnstürme" (brain storming) berichtet.

In der Zeit berichtet Josephine Schummeck im Februar dieses Jahres: «Lange wurde also bei jeder Gelegenheit gebrainstormt, weil Unternehmen annahmen, dass Gruppen mehr Ideen finden und kreativer sind, als einzelne Mitarbeiter. Gleich mehrere Studien wollten diesem Mythos auf den Grund gehen und ließen Teilnehmer entweder in der Gruppe oder allein Fragestellung bearbeiten.
Das Ergebnis: Gruppen schnitten durchweg schlechter ab. Die Probanden, die alleine überlegt hatten, präsentierten bis zu 40 Prozent mehr Ideen. Doch nicht nur die Quantität war dabei höher, sondern auch die Qualität. Das wurde durch unabhängige Juroren geprüft.»

Wozu sich Clusterdarstellungen jedoch durchaus eignen, ist um Zusammenhänge darzustellen oder das gemeinsame Wissen zu verbildlichen.

Montag, 26. September 2016

Leistungen und Fähigkeiten belohnen

In Grossbritannien war das staatliche Bildungssystem der Nachkriegszeit in den 1960er-Jahren in Verruf geraten, weil aufeinanderfolgende Regierungen die Sekundarschulen mit Grundansprüchen oder handwerklicher Ausrichtung finanziell und pädagogisch vernachlässigten. 1965 wurden dann fast alle Mittelschulen in Gesamtschulen umgewandelt, sogenannte Comprehensive Schools. Ihre Qualität galt als so schlecht, dass wer es sich leisten kann, seine Kinder in Privatschulen schickt. Dies sind immerhin 7 Prozent aller Schüler.

Die Gymnasien, Grammar Schools genannt, verschwanden aber nicht vollständig von der Bildfläche. In einigen Schulbezirken überlebten sie alle Reformen der letzten Jahrzehnte und erfreuen sich hoher Popularität unter Eltern im Gegensatz zu Bildungspolitikern und Erziehungsexperten. Derzeit existieren landesweit noch 163 Grammar Schools, die von 5 Prozent aller Sekundarschüler besucht werden. Aber seit 1998 war es den Schulbehörden explizit verboten, neue Grammar Schools zu eröffnen.

Das soll sich nun ändern. Premierministerin Theresa May will dies nun ändern. Schulische Selektion fördere die Meritokratie, also eine Gesellschaft, die nicht Privilegien belohne, sondern Leistungen und Fähigkeiten.

Montag, 19. September 2016

Lehrplan vs. Erziehungsdirektion

Schweizer Schulschrift
(CC-BY-SA-3.0 Adrian Michael)
In Deutschland wurde lange darüber gestritten, ob nun die Vereinfachte Ausgangsschrift oder die Lateinische Ausgangsschrift besser sei. Nach der Wiedervereinigung kam dann noch die ostdeutsche Schulausgangsschrift dazu. Heute koexistieren alle drei nebeneinander.

In der Schweiz gab es während all' dieser Jahre die 1947 eingeführte Schweizer Schulschrift, genannt Schnürchenschrift, die der Lateinischen Ausgangsschrift ähnelt. Daneben wurde 2006 eine "Basisschrift" entwickelt, die auf der Druckschrift basiert.

Das Ziel des Schreibunterrichts an der Schule war, ist (und wir es auch mit dem Lehrplan 21 bleiben), dass die Kinder am Ende der obligatorischen eine leserliche Handschrift haben, die sie flüssig und zügig schreiben können. Nur, wie man dieses Ziel erreicht, darüber streiten sich die Götter, respektive die Erziehungsdirektoren. Fast zeitgleich haben die zwei bevölkerungsreichsten Kantone die paraktische Umsetzung beschlossen - gegensätzlicher könnte sie nicht sein:

  • Im Kanton Zürich können die Lehrer alle selbst erstellten Unterlagen fortwerfen und neu anfertigen, denn in diesem Kanton kann/darf eine leserliche Handschrift nur auf Grundlage der Basisschrift erlernt werden.
  • Im Kanton Bern hingegen ist nicht der Weg das Ziel, sondern führen viele - oder zumindest zwei - Wege nach Rom: Der Lehrer entscheidet sich entweder für die Schulschrift oder die Basisschrift.
Dank dem Föderalismus und der kantonalen Schulhoheit bleibt wenigstens einigen Kollegen die Methodenfreiheit unangetastet.

Montag, 12. September 2016

Kleine Schulen

(CC BY-SA 3.0 Marcus Cyron)
Nach meinen guten Erfahrungen (und auch entsprechenden Beobachtungen) mit kleinen Schulen mit vielleicht 100 bis 150 Schulkindern, frage ich mich oft, weshalb heute weiterhin großen Schulhäuser so hoch gehalten - schlimmer noch, gebaut werden?

Hartmut Glänzel vermutet, dass große Einheiten in den 1970er-Jahren notwendig waren, um Fachräume sinnvoll und ökonomisch nutzen und überhaupt Mediotheken und Bibliotheken in Schulen einrichten zu können. Auch hatte man damals vielleicht noch nicht genügend Vorstellungen davon, dass Differenzierung ja auch innere Differenzierung heißen kann. Heutzutage - wo bedingt durch das Internet - jede kleinste Einrichtung mit der Welt verbunden ist und ihre Schüler mit den neuesten und aktuellsten Informationen versorgen kann, scheint eher die Größe einer Schule ein alter pädagogischer Zopf zu sein.

Bei sinkenden Schülerzahlen werden auch heute weiterhin Schulen geschlossen, zusammengelegt, zentralisiert. Dabei geht es auch anders. Im Fricktal zum Beispiel wurden sehr wohl die kleinen Dorfsekundarschulen organisatorisch zusammengelegt, jedoch unter Beibehaltung der bisherigen kleinen Schulhäuser. So hat heute ein Dorf die Oberschule, das andere die Real- und das dritte die Realschule. Mit dem Velo sind die Kinder rasch im Nachbarort. Lange Busfahrten in den Bezirkshauptort können so vermieden werden, es gibt vernünftige Klassengrössen und die Schulen bleiben den Dörfern erhalten.

In Brandenburg hat man im Grundschulbereich mit der Aktion "Kleine Schule" diesen Schulschließungen teilweise entgegengesteuert. Die Erfahrung aus dem Fricktal, wie auch von Freinet-Pädagogen in Berlin zeigt, dass die kleine Schule auch in der Sekundarstufe möglich ist - und das ganz ohne Qualitätseinbußen, ja vielleicht sogar im Gegenteil.

Montag, 5. September 2016

Effiziente Fremdsprachenlektionen mit Envol oder jedem anderen Lehrmittel

Zwei meiner Buben sind nun in der 5. Klasse und in der Regelklasse hätten sie nun Französischunterricht. Das kann ich ihnen auch in der Förderklasse anbieten. Wir arbeiten mit dem wirklich guten Lehrmittel Envol, das nur einen Haken hat: Eigentlich sollte man dafür drei Wochenlektionen zur Verfügung haben und nicht nur deren drei. Alles unten Gesagte kann man aber auch mit anderen Lehrmitteln und anderen Fremdsprachen anwenden.

Effizient mit Envol arbeiten
Doch mit einigen Tricks aus der freien Wirtschaft, lässt sich sehr gut mit Envol mit zwei Wochenlektionen arbeiten. Dies ist meine Erfahrung aus Regelklassen.
  • Outsourcing Musik: Alle französischen Lieder werden in den Singstunden eingeführt. Im Sprachunterricht dann nur noch zum Einstieg oder zur Rhythmisierung gezielt gesungen. In Mehrklassenabteilungen (ich unterrichtete einmal eine gemischte 4./5.) haben die 4.-Klässler haben problemlos mitgemacht; wir singen ja auch hebräische, englische, spanische Lieder.
  • Wortschatz auslagern: Den Lernwortschatz habe ich durch die Anzahl Schulwochen geteilt. Das ergibt Pakete von 12-15 Ausdrücken (in der 6. Klasse manchmal etwas mehr). Das kann ich unmöglich in den beiden Wochenlektionen seriös mit den Kindern einüben. Regelmässig üben wir üben, aber die Wörter müssen sie zu Hause lernen. Mit Audiodateien können die Kinder zu Hause Wörter üben, auch wenn niemand bei der Aussprache helfen kann: Die Wörter genau angeben (im Arbeitsheft im Anhang mit Bleistift anzeichnen). Die Kärtchen aus dem Fichier (Karteikasten) heraussuchen. Täglich als Hausaufgabe vorgeben und dann auch abzufragen. Damit dies kein grosser Zeitaufwand mit sich bringt, frage ich immer 6 Ausdrücke ab, ca. 3 F➳D und ca. 3 D➳F, wobei auf französisch die Rechtschreibung zählt, auf deutsch jedoch nicht. Punkte als Bruch draufschreiben (x von 6), unterschreiben lassen, fertig. Eltern und Kinder denken, dass ⅚ eine 5 (in der Schweiz heisst das gut) ist... In der Tat errechne ich nur eine Note jeweils am letzten Tag vor allen Ferien. Das gibt drei Vocinoten pro Zeugnis.
All' das kann man mit jedem beliebigen Lehrmittel umsetzen und in jeder Fremdsprache, sei es nun französisch, englisch, russisch, spanisch, italienisch oder was auch immer.


Mehr zu Französisch in der 5. Klasse / 1. Lernjahr
Interaktive Übungen zu Envol 5: https://moderne-schulen.blogspot.ch/p/envol-5.html 
Interaktive Übungen zu Envol 6: https://moderne-schulen.blogspot.ch/p/envol-6.html da müsste noch jemand mithelfen
Interaktive Übungen Französisch allgemein: https://moderne-schulen.blogspot.ch/p/francais-franzosisch.html

Mehr zu Englisch in der Primarschule

Mehr zu Wörter lernen
Lernstrategien für Kinder: Wörter lernen
Für alle Eltern ein Muss! - 5 min Video die 5x5 Stunden Ärger ersparen (Blogbeitrag von letzter Woche)

Montag, 29. August 2016

Richtig Wörter lernen

Immer wieder müssen die Kinder in der Schule neue Wörter lernen: in der Muttersprache und im Fremdsprachunterricht. Oft sollten sie diese zu Hause üben. Welches Drama. Dabei können wir Lehrer den Eltern bei der Arbeit, die sie uns hier abnehmen etwas zur Hand gehen. Zum  Beispiel, indem wir diesen Kurzfilm mit ihnen teilen oder ihn ihnen sogar am Elternabend vorführen.



Ich kenne den Vater des kleinen Hasen persönlich und wende seine Lernstrategien seit manchen Jahren an. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Montag, 8. August 2016

Wie heißen die neuen Schulkinder?

CC BY Marathi/Wikimedia Commons 
Bald beginnt ein neues Schuljahr. Wie heißen die neuen Kinder? Ein Blick auf die Klassenliste gibt nicht unbedingt Auskunft, denn: Wie spricht man diesen oder jenen Namen aus? Dass man etwa Jäik Gillenhoal sagt, wenn Jake Gyllenhaal geschrieben steht, liegt ja für Deutschsprachige nicht gerade auf der Hand. Für mich ist es jedoch eine Frage des Respektes, die Namen der Kinder korrekt auszusprechen und auch die Eltern richtig ansprechen zu können.

Selbst die Schreibweise auf den hiesigen amtlichen Dokumenten ist nicht immer korrekt. Heutige Rechner können 128 172 verschiedene Schriftzeichen anzeigen. Die Verwaltung verwendet jedoch weniger und ersetzt ihr unliebsame Zeichen einfach durch ähnlich aussehende oder lässt Akzente weg. Ein türkisches Kind schreibt seinen Namen Tugba oder Kagan, man spräche ihn jedoch Tuuba, resp. Kaan aus, hieß es. Am Sporttag trug das Kind ein Fussballleibchen, auf dem Kağan stand. Ein Blick auf Wikipedia zeigt, dass in der Tat das türkische [ğ] (sogenanntes "weiches G") ein stummer Laut ist. Die Schulverwaltungssoftware ließ die Änderung zu; die korrekte Schreibweise des Namens auf dem folgenden Zeugnis wurde von den Eltern wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Beim weit verbreiteten türkischen Familiennamen Çelik ändert das Cedille (die kleine 5 unter dem C) die Aussprache von [dʒ] zu [ʧ]. Das mag ein feiner Unterschied sein. Aber Meyer ist ja bekanntlich auch nicht Meier - und schon gar nicht Maier. Um bei der türkischen Sprache zu bleiben Ş ist nicht S, sondern Sch. Da ist der Unterschied schon augen-, resp. ohrenfälliger.

In dem Sinne ist der erste Schultag auch eine Phonetik-Übung - nicht nur bei Ausländern in der Klasse. Vor wenigen Jahren gab es bei den Stadtratswahlen in Winterthur zwei Kandidaten: Stahl und Stahel. Ausgesprochen werden beide gleich.

Montag, 1. August 2016

Feiertag

CC BY SA Martin Steiger
Aus aktuellem Anlass (heute ist - nein nicht Nationalfeiertag - Bundesfeiertag) keine lange Rede (die gibt es dann heute Abend beim Eindunkeln bei Höhenfeuer und Glockengeläute), sondern fünf kurze Hinweise für den 12. September.

Montag, 25. Juli 2016

Brave Kinderlein...

Heinrich Hoffmann
Beim Aufräumen zu Beginn der Sommerferien fand ich ein paar Zettel mit Adjektiven wieder, welche die Kinder einmal im vergangenen Schuljahr geschrieben haben. Wie ein guter Freund sei, war der Auftrag.

  • lustig, freundlich, mutig
  • gut, lieb, nicht böse
  • echter Freund, hilfsbereit, cool
  • nett, freundlich, geduldig
  • lustig,ehrlich, klug
  • gutherzig, umgänglich, phantasievoll
  • intelligent, ideenreich, angenehm
  • aufgestellt, ...

Daraus zu schließen, dass ich eine entsprechen vorbildliche Klasse hätte, wäre jedoch ein Trugschluss. Ein einziges hat die zweite Hälfte des Auftrages auch schriftlich ausgeführt: wie sie sich selber anderen gegenüber benähmen:

  • lästig, ungeduldig, nervig

Montag, 18. Juli 2016

Memory zum memorieren und lernen

(PD/Wikimedia)
Memory® ist ein Klassiker unter den traditionellen Lernspielen, wobei die Tradition hier bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Seit dann gibt es in Japan mit 貝合わせ ein ähnliches Spiel. Im englischsprachigen Raum wurde bereis im 19. Jahrhundert Pairs und Pelmanism gespielt, und in den 1940er-Jahren in Baseler Kindergärten das Zwillingsspiel. Der Schweizer Spielehersteller Carlit (heute Tochter von Ravensburger), brachte in den 1950er-Jahren Punta auf den Markt und war deshalb an Memory nicht interessiert, weshalb sein Erfinder, William Hurter, 1959 zu Ravensburger ging.* Seither hat der süddeutsche Spielehersteller über 50 Millionen Memories verkauft.

Das Memory fördert in erster Linie die Konzentration des Kindes ab drei Jahren und trainiert dessen Merkfähigkeit. Gerade im heutigen hektischen Alltag, in welchem manche Kinder sehr unruhig und unkonzentriert sind, kann Memory sinnvoll eingesetzt werden.

Im Kindergarten lernen die Kinder, bei der Sache zu bleiben und sich gut zu konzentrieren, später in der Schule hilft das Spiel, den Wortschatz zu erweitern. Je nach Alter und Schwierigkeitsgrad wird das Spiel mit mehr oder weniger Bildpaaren gespielt; es kann dann nach und nach gesteigert werden.

Der Name Memory ist eine geschützte Marke des Spiele-Herstellers Ravensburger, die Bezeichnung wird jedoch auch für andere Spiele, welche auf diesem Prinzip basieren, verwendet. In der Schule trifft man oft auch Varianten, bei denen ein Text einem entsprechenden Bild zugeordnet werden muss. Es ist jedoch hirnfreundlicher nur Bild-Bild oder Text-Text zu spielen. Die Bild-Text-Zuordnung spielt man besser offen, wie etwa auf Learningapps.

Mehr Lernspiele werden hier und hier vorgestellt.

Montag, 11. Juli 2016

Wer zählt, rechnet nicht!

Cornelia Birrer sagt ganz klar: Wer zählt, der rechnet nicht. Umgekehrt heißt das: Wer rechnet, der zählt nicht. Um dies besser zu verstehen, möge man ein Übungsblatt aus einer ersten Klasse nehmen und alle Subtraktionen rückwärtszählen. Die Resultate werden stimmen, der Schweiß uns jedoch auf der Stirn stehen: Welch' ein Aufwand!

Gezählt wird mit den Fingern. Wem die Finger verboten werden, der stellt sich die Finger im Kopf vor. Wer hingegen rechnet, der sieht Bilder - nicht Finger. Diese Abbildung habe ich von der eingangs genannten Dyskalkulietherapeutin. Gezeigt wird die Aufgabe 9 - 5 = 4. Die Bilder sind die Würfelpunkte. Minus heißt wegnehmen, was mit der linken Hand getan wird. Übrig bleiben die vier Würfelpunkte rechts. Wer einfach 9 8 7 6 5 4 rückwärts zählt, sieht keine Bilder.

Frau Birrer zeichnet in der Therapie dir Rechnungen auf. Später kommt die Zeichnung weg und das Kind stellt sie sich nur noch vor. Beides wird sehr oft geübt. Die Automatisation. Als Richtwert sollten zu Ende der 1. Klasse alle Rechnungen plus und minus bis 10 auf eine Sekunde hin gelöst werden können; die Rechnungen bis 20 zumindest teilweise.


siehe auch: Rechenschwäche frühzeitig erkennen: Zählendes Rechnen

Montag, 4. Juli 2016

Aus des Lehrers Zitatenschatz

«Lehrpersonen sind heute Coaches, Moderatorinnen, Lehrer, Mit-Lernende; zugleich verständnisvolle Begleiterinnen und Begleiter der Jugendlichen beim Erwachsenwerden und gleichzeitig ihr notwendiger Gegenpart in der Pubertät.»
Prorektor der Kantonsschule Zürich Unterland (Gymnasium) 

«Kinder sind schon glücklich, wenn ihnen mal jemand einfach nur geduldig zuhört.»
Primarlehrerin in Schlieren 

«Manche Eltern erwarten, dass ich auf störende Schwächen ihrer Kinder mit strengen erzieherischen Maßnahmen reagiere. Das ist eine Rolle, die ich gar nicht mag.»
Sekundarlehrerin in Urdorf 

«Ich verstehe mich in erster Linie als Wissensvermittler. Oft sollte ich jedoch Psychologe oder noch besser Therapeut sein.»
Primarlehrer 4.-6. Klasse in Langnau am Albis

«Unsere vornehmliche und vornehmste Aufgabe ist, die neue Generation auf eine Zukunft vorzubereiten, von der niemand wirklich weiß, wie sie sein wird. Angesagt ist daher eine breite und gründliche Bildung, wo die verschiedensten Fragen an die Welt gestellt werden: Weniger abfragbares Wissen, mehr Augen öffnendes Fragen.»
Gymnasiallehrer, Stadt Zürich

zitiert nach: Schulblatt des Kantons Zürich, Januar 2006

Montag, 27. Juni 2016

Ersetzen Tabletts bald die Lehrer?

Brauchen dank Tablett keinen Lehrer mehr?
Die deutsche Bertelsmann-Stiftung ist überzeugt, dass Lehrer, die wie weiland Aristoteles mit seinen Schülern im Kreise zusammensitzen und philosophieren, passé seien. Solche Schule, apostrophiert mit Negativbegriffen wie «Frontalunterricht», gilt als antiquiert, unfair, ineffizient, teuer und langweilig. Vor allem aber kann diese Art von Schule die Bildung der Massen nicht meistern. Wie die schöne neue Schule aussehen könnte, zeigt ein lesenswerter Kommentar von Claudia Wirz in der Serie «Chancen der Digitalisierung» der Neuen Zürcher Zeitung.

Dabei werden wichtige und richtige Fragen aufgeworfen wie: Reicht für die Bildung von morgen die Beziehung zu einem Computer? Und wird die Schule dadurch sogar besser? Wirz hält korrekterweise fest, dass Schule von alters her Beziehungsarbeit sei, die je nach Konstellation mal mehr, mal weniger gelänge - auch wenn man diesen Aspekt im ausführlichen Artikel durchaus noch etwas vertiefen hätte können. Ebenso wie Hinweise auf die Auswirkung digitalen Lernens auf unser Hirn, wie sie etwas Manfred Spitzer und andere sehr wohl geben. Richtig eingesetzt sind die digitalen Medien sicher ein Segen. Das humanistische Ideal einer guten Bildung für alle wird damit käumlich Realität.

Oft bleibt gerade beim digitalen Lernen bleiben das Frontale und das Autoritäre erhalten - Frontalunterricht in einer «coolen» Form quasi. Gerade der funktionale Ansatz, der mit dem neuen Lehrplan 21, der dem kompetenzorientierten Unterricht verschrieben ist, auf die Schule zukommt, besteht die Gefahr, dass die Bildung der Zweckmäßigkeit unterordnet wird. Das ist das Gegenteil humanistischer Bildung, die ein harmonisches Ganzes anstrebt, das das Emotionale einbezieht, mit dem Ziel, dem Menschen die Ermächtigung zum Selberdenken zu geben. Nur das mache den Wissensträger mündig und unabhängig, schreibt Wirz, für die Erziehung zur Selbständigkeit brauche es immer noch den analogen sozialen Verbund.

Mehr zur Wechselwirkung Digitales Lernen - menschliches Hirn

Montag, 20. Juni 2016

Die ideale Klassengröße

Gibt es eine ideale Klassengröße? Die Antwort ist - wen erstaunt es -: es kommt darauf an. Die Klassengröße spielt eine Rolle, aber auch die Klassenzimmer, die Lehrmittel, Klassenassistenten, die Größe der Schule. Vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien profitieren mehr in kleinen Klassen. Aber es kommt auch auf uns Lehrer an: Einige von uns unterrichten besser in kleinen Klassen, andere in großen.



Die Antwort könnte etwas lauten: Kleine Klasse oder große Klasse mit Assistenten. Der Beitrag aus Katar mit Beispielen aus Italien und dem Vereinigten Königreich zeigt dies gut auf. Klar ist: Eine 08/15-Schule, die alle Kinder (und Lehrer) über die gleichen Leisten schert, wie es heute als angebliche Chancengleichheit leider oft der Fall ist, ist höchstens eine mittelmäßige Schule.


Nachtrag zur italienischen Schule im Filmbeitrag: Die Lehrerin scheint nicht auf ihren Einsatz in einer Mehrklassenschule vorbereitet worden zu sein. Das lässt sich aus ihren Äußerungen schließen - oder aber Italien hat einen sehr starren Lehrplan. Ich habe selber über mehrere Jahre an solchen Klassen unterrichtet. Dabei gab es enorm viele Synergien, etwa in Geographie, Geschichte, Naturkunde, Muttersprache und den musischen und handwerklichen Fächern. Nur Mathematik und die Fremdsprachen erfordern einen jahrgangsmäßigen Unterricht.

Montag, 13. Juni 2016

Von der Atomisierung der Lehrer

(Universität Zürich)
Dr. Lucien Criblez ist Professor für Pädagogik und Leiter des Instituts «Forschung und Entwicklung» an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. Er hat ursprünglich an der Universität Bern Pädagogik, Psychologie, Geschichte und Germanistik studiert; zu seinen Spezialgebieten gehören Bildungsgeschichte, Bildungspolitik, Schultheorie und Lehrerbildung. In einem längeren Interview kam er auch darauf zu sprechen, dass Lehrer immer mehr Erziehungsarbeit zu leisten hätten und skizzierte einen Ausweg für die Zukunft:

«Die vollständige Atomisierung des Lehrberufs wird eine der wesentlichen Diskussionen der nächsten Jahre sein: Welche Aufgaben gehören zum Amtsauftrag, welche nicht? Natürlich können Lehrkräfte Aufgaben bei der Betreuung in Tagesschulen übernehmen, wenn sie ein entsprechendes Stellenangebot wahrnehmen wollen und können und wenn sie Rahmenbedingungen und Lohn akzeptieren. Es stellt sich aber die Frage: Ist dies Teil des Amtsauftrags oder nicht?

Eine der Entwicklungschancen des Lehrberufs in den nächsten Jahren ist die Differenzierung von Aufgaben im Schulbereich. Der Lehrberuf wird karrierisiert, das heißt: berufliche Laufbahnen und Veränderungen werden innerhalb der Schulen möglich. Das ist auch mit Hierarchisierung verbunden, was bei der Einführung von Schulleitungen deutlich wird. Die zunehmende Funktionsteilung in den Schulen und die Spezialisierung von Lehrkräften entsprechen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungstendenzen; vielleicht hat sich die Schule diesen Entwicklungen zu lange verweigert.

Die unterschiedlichen Funktionen in der Schule verlangen aber nach klaren Definitionen der unterschiedlichen Aufgabenbereiche und der professionellen Voraussetzungen für das Erfüllen dieser Aufgaben. Diese Voraussetzungen sind für die Tagesbetreuung sicher teilweise andere als für das Unterrichten. Es braucht meines Erachtens also einen Amtsauftrag für das Unterrichten und einen für die Tagesbetreuung mit definierten Erwartungen an die Ausbildung für diese Aufgaben.»

Das sind durchaus Chancen. Doch wo Chancen sind, gibt es auch Risiken. Ich sehe eine ganze Reihe davon. Mehr dazu in einem späteren Beitrag. Vielleicht mag einer der Leser auch etwas dazu beitragen (im Kommentarfeld)?

Montag, 6. Juni 2016

Wirklich brauchbare Software für den Einsatz im Unterricht

Lernen am Computer, wird seit Jahren - wenn nicht seit Jahrzehnten - propagiert. Seinerzeit gab es dafür geflügelte Abkürzungen wie etwas CUU (computerunterstüzter Unterricht). Schon bald jedoch zeigte es sich, dass vieles, das unter dem Begriff education verkauft wurde, eigentlich edutainment war, ein Begriff der dann später ehrlicherweise auch eingeführt wurde. Die Suche nach Anwendungen (heute würden unsere Schulkinder von apps sprechen), die einerseits unterrichtswürdig sind, also eigentliche Lern- oder Übungsprogramme sind, und andererseits auch zu Lehrplan und Unterrichtsgegenstand passen, war vor 20 Jahren, als für kurze Zeit ein Magazin namens Education - not edutainment erschien, ebenso aufwendig, als heute - damals mangels guter Angebote, heute gleicht die Suche derjenigen einer Nadel im Heuhaufen.

Verdienterweise gibt es einige Kollegen und Schulen, welche Verzeichnisse pflegen. Auch auf diesem Blog versteckt sich eines hinter dem Reiter Interaktiv. Ich weise heute darauf hin, da ich in den letzten Tagen die Listen der einzelnen Fächer ergänzt habe um eine ganze Reihe von Übungen, die sich meist übers Netz, also online, nutzen lassen. Es gibt für fast alle Fächer der sechsklassigen Primarschule (Grundschule) etwas - nicht immer viel, aber meines Erachtens dafür immer brauchbar: Rechnen, Geometrie, Deutsch, Französisch, Englisch, Deutsch als Zweitsprache, Realien, Geschichte, Geographie, Naturkunde, Zoologie, Sexualkunde, Sachunterricht, Lebenskunde. Sollte etwas fehlen, ergänzen Sie bitte die Liste einfach mit einem Kommentar. Eine fremde Liste, auf die ich selber immer wieder gerne zugreife ist iLern.


Frühere Artikel in diesem Blog zu ähnlichen Themen:
• Auch virtuell üben ist anstrengend
• Computerunterstützter Unterricht ist oft für die Katz'
  
• Gegenseitiges Aufrüsten führt zum Krieg

Montag, 30. Mai 2016

Unaufgeregter Blick von außen

Schule - da ist ja jeder Fachmann. Meint man, weil ja jeder einmal ein paar Jährchen in die Schule ging. Und dann wird es ja auch nicht schwierig sein, als Journalist einmal so ein bisschen Schule zu geben?! Den folgenden Zufallsfund des NDR finde ich jedoch durchaus sehenswert. Der Fernsehmann geht äußerst behutsam und beobachtend vor. Außerdem bleibt die Führung bei den professionellen Lehrern; auch wenn er einmal punktuell unterrichtet, ist er nie alleine in der Klasse. Die Quintessenz leben wir alle Tage: Klare Regeln aufstellen und konsequent einfordern.



Für außenstehende Zuschauer ein unaufgeregter Beitrag über Schule heute. Das ist wohl das beste am Film. Nur schade, dass an dieser Schule mit Fachlehrern unterrichtet wird. So sind viele Ansätze modernen Unterrichts nicht wirklich möglich - man sieht auch nur Frontallektionen. Das ist per se nicht schlecht, aber gerade bei Kindern aus schwierigen Verhältnissen sind Bindung und Beziehung eine wichtige Lernvoraussetzung.

Montag, 23. Mai 2016

Kommutativgesetz selber entdeckt

CC BY SA by Weston.pace mit Äpfeln von Melchoir
Lotta Malin versucht mit Cuisenaire-Stäbchen zu retten, was die Schule verkachelt hat. Ihre Erfolge dokumentiert sie auf dem Blog "Farbige Stäbchen". Am letzten Sonntag schrieb sie in einem Beitrag zum Kommutativgesetz die folgenden Worte:
Meine Tochter hat dies heute auch selbst richtig angewendet. Wobei sie mich ein wenig ratlos zurück lies, ob es eindeutig richtig ist. Ihr Beispiel:
     3 + 3 = 6
     3 + 3 = 6
     6 - 3 = 3
     6 - 3 = 3
Würde man davon ausgehen, dass es sich um 3 blaue und 3 rote Gummibärchen handelt, wäre es absolut korrekt. Geht man allerdings davon aus, dass es einfach die abstrakte Zahl 3 ist, wäre es, hm, falsch???? Aber, hey, bei diesem Erfolg bin ich dann wirklich nicht kleinlich und bin so schlau ihr morgen mal eine ungerade Zahl zu nennen.
Hm, wenn es falsch wäre, dann müsste 3+3≠6 sein. Ist es nicht eher so, dass hier das Mädchen das Kommutativgesetz entdeckt hat und auch noch - sagen wir einmal - einen etwas speziellen Fall? Wer sagt uns denn, dass die beiden Drei nicht auch rot und blau sein können? Etwa so:
     3 + 3 = 6
     3 + 3 = 6
     6 - 3 = 3
     6 - 3 = 3

Und selbst, wenn alle Dreien schwarz sind, kann ich sie austauschen und die Gleichung stimmt weiterhin. Bravo, liebes Töchterlein!


...und wenn es die Mutter nicht glaubt, kann sie die Formeln hier nachschauen;-)

Dienstag, 17. Mai 2016

Rechenschwäche frühzeitig erkennen: zählendes Rechnen

Rechenschwäche frühzeitig erkennen ist unglaublich wichtig. Nur so lässt sich viel Leid beim Kind und viel Aufwand für die Katz' beim Lehrer vermeiden. Zählendes Rechnen ist Risikofaktor Nummer eins.

So erkennt man zählendes Rechnen: ­Kinder sollen mit den Fingern rechnen dürfen. Das bestätigen auch Dyskalkulietherapeuten. Sie weisen jedoch darauf hin, dass darauf zu achten ist, dass sie die Finger nicht nacheinander hochklappen. Dies ist ein Hinweis auf zählendes Rechnen. Die Finger sollen als Menge verstanden und gebraucht werden.

Deshalb: Den Kindern nicht die Finger verbieten, sondern zeigen, wie man mit den Fingern rechnen kann. Ein Verbot der Finger bewirkt, dass die Kinder einfach in Gedanken im Kopf zählen. Dies ist viel anspruchsvoller und vor allem fehleranfälliger. Dafür benötigen die Kinder sehr viel Gedächtnissspeicher und ermüden deshalb sehr schnell. ­Wenn die Ergebnisse der Rechnungen um eins falsch sind, kann dies auf zählendes Rechnen hindeuten.

Zwar überlegen sich rechenschwache Kinder sehr viel, weshalb man auf Begriffe wie „Flüchtigkeitsfehler“ oder „unkonzentriertes Arbeiten“ verzichten soll. Damit ich als Lehrer herausfinde, ob das Kind zählend oder mit dem Mengenbild rechnet, sind nachfragen und genaues Beobachten, wie ein Kind rechnet, unerlässlich.

Montag, 2. Mai 2016

Lumina und Pangolin im Land der Krokodile

Erst als ich die kleine Serie über Neuerscheinungen zum Themenbereich Flucht abgeschlossen hatte, kam mir ein Buch in den Sinn, das ich vor knapp zwanzig Jahren gekauft habe, an seiner Zeitlosigkeit und Aktualität nichts eingebüßt hat: «Lumina und Pangolin im Land der Krokodile». Es ist ein Bilderbuch, basierend auf dem Roman Le crocodile ne dévore pas le pangolin.

Anne-Lise Thurler hat die Geschichte aus dem eigenen Roman extrahiert, Suzanne Auer vom Schweizerischen Flüchtlingshifswerk das ursprünglich unter dem Titel L'enfant et le pangolin au pays des crocodiles erschienene Kinderbuch ins Deutsche übertragen und Maté Mermoud die aussagekräftigen Illustrationen gemalt.

«Lumina und Pangolin im Land der Krokodile» ist eine moderne, symbolreiche Geschichte, die Kindern das Thema von Flucht, ihren Ursachen und von Asyl
und Freundschaft nahe bringt. Nur wer den Roman gelesen hat, weiß, dass die Geschichte in Zaire spielt und das dicke Krokodil Mobutu darstellt. Während das Land von den Karten verschwunden und der Diktator gestorben ist, bleibt die Geschichte weiterhin aktuell und hat uns und den Kindern viel zu sagen.

artlink.ch
Anders als im realen Leben siegen am Ende Freundschaft und Menschlichkeit, und alle entdecken das Leben ganz neu. Dazu trägt auch die didaktische Beilage von Elisabeth Zurbriggen bei, die sich an acht- bis elfjährige Kinder (im Schulunterricht) wendet. Dank der CD kann die Geschichte auch gehört werden, wahlweise auf deutsch oder alemannisch (schweizerdeutsch).

Das Buch ist zwar vergriffen, es lässt sich jedoch in einer Bibiothek ausleihen, oder antiquarisch beschaffen.

Anne-Lise Thurler ; Maté Mermoud: Lumina und Pangolin im Land der Krokodile. Lausanne : Loisirs et Pédagogie, 1998. 47 p ; 1 CD-ROM (Deutsch-Schwytzerdütsch); 1 Dossier/Arbeitsunterlagen 


weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
- Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Wie man über Flüchtlinge reden kann (18. April)
- Weshalb man in der Schule über Flüchtlinge reden muss (25. April)

Montag, 25. April 2016

Weshalb man über Flüchtlinge in der Schule reden muss

Komplexes Thema, kindgerecht erzählt
aus «Bestimmt wird alles gut» (Klett).
Bei Gesprächen, Geschichten und Spielen zu unangenehmen Themen, wie etwa der Tod oder eben Flüchtlinge, nicht darum, den Kindern Angst zu machen oder gar ein schlechtes Gewissen. Vielmehr geht es um Aufklärung. Den Kindern von Unrecht, Missständen und dem Leid anderer zu erzählen, bedingt aber auch, ihnen die Möglichkeit zu geben, zu handeln. Andernfalls ist es für sie schwer auszuhalten. Hilflosigkeit zermürbt ja auch uns Erwachsene und treibt uns in die Verzweiflung, den Zynismus oder die Gleichgültigkeit, welche dann zu genau solch unsäglichen Situationen führen, in denen man Kindern verbietet zu reden.

Darum gehört es dazu, nicht nur mit den Kindern das Thema anzugehen, entsprechende Bücher, Geschichten zu lesen, zu besprechen, sondern den Kindern auch zu zeigen und vorzuleben, dass man durchaus etwas Kleines beisteuern kann. Wenn Kinder etwas selber Gebackenes verkaufen und den Erlös an ein Hilfswerk spenden, wird damit aktuell kaum Elend verhindert. Aber im Sinne der politischen Bildung ist es das mehr als Wert. Unsere Kinder sind die Politiker, Verkäufer, Wähler, Lehrer, Ärzte und Eltern von morgen.

Zu den Büchern der letzten Wochen sind mir noch folgende Unterlagen in die Hände gefallen:

weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
- Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Wie man über Flüchtlinge reden kann (18. April)
- Lumina und Pangolin im Land der Krokodile (2.Mai)

Montag, 18. April 2016

Wie man über Flüchtlinge reden kann

Es geht nicht mehr darum, ob man die Flüchtlingskrise in der Schule oder dem Kindergarten thematisiert, sondern höchstens noch darum, wie. Das ist in der Tat schwierig, weil man weit vorausdenken muss und unserer Generation schlicht die Erfahrung fehlt.

Andrea Fischer Schulthess schrieb vor rund einem Monat im Tages-Anzeiger dazu: Alles, was man einem Kind erzählt hat, kann man ja nicht wieder aus ihm herausnehmen. Es ist da drin und beginnt dort ein Eigenleben zu führen. Wer das Bild von Aylan noch im Kopf hat und die Bilder der Zäune in Idomeni oder von Athens Strassen, weiss, was ich meine.

Darum ist es wichtig, Kindern solche Bilder nicht einfach krud vorzusetzen, auch nicht im Gutgemeinten. Doch mit behutsam gewählten, einfachen und dosierten Worten können sie meiner Überzeugung nach an praktisch alles herangeführt werden. Je nach Kind in unterschiedlicher Form. Das bedingt, dass man genau beobachtet, wie es reagiert, und ihm zuhört.

Auch die Kleineren haben schon das Werkzeug und die Erfahrung, sich einzufühlen und auf ihre Art zu verstehen. Irgendwo hinkommen, wo man die Regeln nicht versteht, wo man nicht versteht und nicht verstanden wird, nicht dazugehören, Angst und der Verlust von etwas Geliebtem – im Kleinen kennen alle Kinder diese Sorgen. Einige Unterrichtsmaterialien arbeiten daher auch mit einfachen Übungen und Spielen. Zum Beispiel: «Was ist dein wichtigster Gegenstand, was würdest du packen etc.?»

Ergänzend zu den bereits vorletzte Woche vorgestellten Büchern seien noch erwähnt:


weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Weshalb man in der Schule über Flüchtlinge reden muss (25. April)

Montag, 11. April 2016

Computerunterstützte Diagnose

Quelle: Lehrerbüro
Wie wäre es, wenn Sie nur im Liegestuhl zu liegen hätten und andere für Sie arbeiten würden? Immer wieder versuchen uns windige Geschäftsleute irgend etwas unterzujubeln, das ihnen großen Gewinn verspricht und uns angeblich viel Geld fürs Nichtstun.

Ganz so arg ist es hier nicht. Doch sei ein kleines Gedankenspiel erlaubt: Eine Maschine übernimmt den administrativen Kram und wir haben mehr Zeit, uns den Kindern im Unterricht zu widmen. Die bekannte Korrigiermaschine korrigiert Rechenhefte und uns bleibt mehr Zeit, spannende Lektionen vorzubereiten. Immerhin gibt es verschiedene Lernhilfen mit Selbstkorrektur, die uns im Alltag entlasten.

Vor einiger Zeit las ich von einer Software-Lösung im Bereich Diagnostik: Es heisst Alfons und es gibt Ausgaben für Deutsch und Mathematik, jeweilen für die ersten vier Schuljahre. Was es verspricht: Standard-Tests in jeweils vier Schwierigkeitsstufen ermöglichen die diagnostische Fehleranalyse. In der Rechtschreibung wird anschließend differenzierter Trainings- und Übungsbedarf in 10 Haupt- und 185 Feinkategorien ermittelt, in den Grundrechenarten in 10 Haupt- und 72 Feinkategorien. Es können einerseits die Resultate schriftlicher Tests eingegeben werden, als auch die Übungen von den Kindern direkt am Computer gelöst werden. Vergleichstest ermöglichen Lernfortschritte zu erkennen und es können auch eigene Tests erstellt werden.

Der Beschrieb tönt überzeugend. Das Programm ist bereits seit 1997 auf dem Markt und wurde zwischenzeitlich mehrmals überarbeitet. Es wurde vom Verein für angewandte Lernforschung und der Universität Bamberg entwickelt. Ziel der Alfons Diagnostik-Programme sei es, den konkreten Problembereich des einzelnen Kindes und damit seinen Förderbedarf einzugrenzen. Hanspeter Orth weist jedoch darauf hin, dass die einfache Diagnose der Probleme eines Schülers nicht normiert erfolge wie bei einem wissenschaftlichen Test. Alois Buholzer und Raffael Meier haben verschiedene Programme aus dem Bereich Förderdiagnostik untersucht. Meine Frage ist: Wer hat Alfons schon eingesetzt? Wie sind die Erfahrungen damit? Hält das Programm, was der Verlag verspricht? Welche Vorteile bietet eine solche Rechnergestützte Lösung? Gibt es auch Schattenseiten oder Nachteile?

Mehr: Eine detaillierte Analyse von Michael Sauerland und Robert Kröger (Universität Münster)

Montag, 4. April 2016

Mit Kindern über Flüchtlinge reden

Zwei syrische Mädchen
(Bild: Ostsee-Zeitung)
Letzthin schrieb eine Journalistin des Tages-Anzeigers über einen Kindergärtler, der über ein syrisches Mädchen in seiner Klasse erzählte, das schon recht gut Deutsch spreche. Sie wollte sich sich freuen, da ergänzte dessen Mutter, dass das Mädchen auch von seinen Erlebnissen im Krieg und auf der Flucht erzählt habe. Dies wiederum habe die Eltern der anderen Kinder so irritiert, dass sie dem Mädchen verboten haben, darüber zu sprechen.

Dass die Eltern mit dieser Situation überfordert sind, das glaube ich gern. Den Entscheid hingegen, den Kindergärtlern per Zensur aus der Überforderung zu helfen, sei - und hier sei der Journalistin beigepflichtet - gelinde gesagt dumm, unmenschlich und kurzsichtig.

Dieses Verbot ist unmenschlich gegenüber dem Mädchen aus Syrien, das sich nicht mehr artikulieren darf. Es ist aber auch kurzsichtig gegenüber allen anderen Kindern, denn unabhängig davon, was ihre Eltern auch versuchen, die Kinder werden mit der Flüchtlingsthematik und deren Ursachen schneller konfrontiert als den Eltern lieb sein wird; gemäß Prognosen mehrerer Hilfswerke je länger, desto mehr. Das ist ein Verbot nur schon deshalb dumm, da sich hier die Situation böte, gemeinsam mit der Kindergärtnerin das Thema so zu thematisieren, wie es ihnen geboten scheint.

Auf lange Sicht wesentlich sinnvoller wäre es deshalb, sich bewusst und altersgerecht schon früh mit den Themenkreisen Flucht, Migration und deren Ursachen zu befassen; wenn es sich aus dem Alltag ergibt gerade jetzt. Es wäre demnach viel wichtiger und hilfreicher gewesen, schrieb die Journalistin, einen Elternabend zum Thema zu machen und sich auszutauschen – nötigenfalls mit Dolmetscher und Kinderpsychologe. Beides lässt sich einfach finden.

So hätte man mal in Ruhe besprechen können, wie man die Kinder auf altersgerechte Art an Dinge heranführen soll, die ohnehin Teil ihrer Realität sind. Und dazu gibt es viele gute Lehrmittel (für Schule und Kindergarten) und eine ganze Reihe geeigneter Bücher (auch fürs Elternhaus):

Montag, 28. März 2016

Optimale Möglichkeiten

Wenn - nach Célestin Freinet - die Schule nicht besonders erfolgreich ist, stellt sich - vielleicht gerade an Ostern - die Frage, was der Schule eine Auferstehung bringen könnte.
So intensiv zu leben wie nur möglich, liegt nicht dort im Endeffekt das Ziel unserer Anstrengungen und sollte es nicht die wesentliche Aufgabe der Schule sein, die optimalen Möglichkeiten zu entwickeln um dieses Ziel zu erreichen?
Auch diesen Gedanken gibt uns der Reformpädagoge Célestin Freinet mit in die neue Woche, die in der Schule natürlich erst morgen beginnt.

Montag, 21. März 2016

Mißerfolg

Wenn es Kinder gäbe, die ausschließlich in der Schule gelernt hätten - und nirgendwo sonst - würde man den totalen Misserfolg dieser Lernform feststellen. Wir meinen, und die Erfahrung liefert uns in jedem Moment den Beweis, dass das Kind sich selbst erzieht - nicht durch von außen herangetragenen Unterricht, sondern durch experimentelles Versuchen im Leben selbst.
Diesen Satz gibt uns der Reformpädagoge Célestin Freinet mit in die neue Woche.

Montag, 14. März 2016

Erfolg dank individueller Förderung

Noch einmal möchte ich auf den Schulvergleich von vor zwei Wochen zurückkommen. Sosehr ich das Handwerk achte und sosehr ich gesellschaftspolitisch den Wandel lieber bremse (weniger den Wandel als viel mehr das Tempo), sosehr hege ich Zweifel, ob wir nur mit altem Handwerk erfolgreich die Zukunft gestalten können. Deshalb sei hier das Wort Christian Lutz von den Mosaikschulen erteilt.

Montag, 7. März 2016

Ein Schulmeister alter Schule

Letzte Woche publizierte ich den Vergleich zweier Schulen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine davon mag auf den ersten Blick etwas antiquiert gewirkt haben, aber garantiert nicht verstaubt. In diesem Beitrag zeigt ihr Lehrer Hanspeter Amstutz sein solides didaktisches Handwerk.



Einmal mehr zeigt sich: Was zählt, ist Handwerk, guter Unterricht. Die Methode kann dies noch unterstützen. Aber eine Methode allein ist weder gut noch schlecht. Das gilt auch für den lehrerzentrierten Unterricht, den Frontaluntterricht.

Montag, 29. Februar 2016

Schule muss begeistern

Mosaikschulen gelten als Schulen der Zukunft. Ein cleveres Konzept für Sekundarschulen mit altersdurchmischtem Lernen fördert die Selbständigkeit der Kinder und bereitet sie optimal auf die Berufsausbildung vor.

Das Fernsehen besuchte für seinen Vergleich eine äusserst klassische Schule aus. Doch der Vergleich zeigt vor allem eines - und Lehrer Hanspeter Amstutz sagt es auch im Beitrag: Gute Schule gelingt dann, wenn sie es schafft, die Kinder zu begeistern.



Und als Nachtrag: Selten sieht man so engagierte Lehrer; logisch, dass sich die Kinder da begeistern lassen. Auch ein Erfolgsfaktor.

Montag, 22. Februar 2016

Fehlende Gerechtigkeit führt zu Streit

Fehlende Gerechtigkeit führt oft zu Streit. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder in der Schule den Umgang mit Streit kennen. Natürlich gibt es dafür kein Patentrezept. Ein kleines Mini-Lük-Heft setzt genau dort an. Es ist zwar für Kinder der zweiten und dritten Klasse verfasst, aber auch meine Viertklässler haben gerne damit gearbeitet. Es war vielleicht etwas einfach, aber so konnten wir uns mehr auf den Inhalt, Lösungsstrategien und Gefühle konzentrieren.

Das Heft regt die Kinder auf spielerische Weise an herauszufinden, auf was es ankommt, einen Streit für beide Seiten zufriedenstellend und friedlich beizulegen. Die eigenen Gefühle spielen da eine große Rolle. Zuerst muss man sie wahrnehmen und dann auch noch benennen können. Erst dann kann man einfühlsam mit seinem Gegenüber umgehen. Die Bereitschaft über das Streithema zu sprechen und dabei seine Wünsche und Gefühle auszudrücken sind die nächsten Schritte. Gemeinsam kann dann nach einer Lösung gesucht werden.

All' dies können Kinder mit Hilfe des  Mini-Lük-Heftes üben. Obwohl die einzelnen Themen hervorragend gestaltet und für Kinder dieses Alters nachvollziehbar sind, lohnt es sich, wenn ein Erwachsener dabeisitzt und das Kind begleitet - nicht beim Lösen der Aufgabe, wohl aber beim vertiefen, wozu sich die kindgerechten Illustrationen gut eignen.

Das Heft Streit! Und dann? : Richtig streiten und versöhnen - Hilfe und Anleitungen  von Susanne Kopp kann in der lokalen Buchhandlung bestellt werden. ISBN 978-3-8377-4301-2.


Alle erschienenen Beiträge in dieser Serie:
  1. Was ist gerecht?
  2. Was ist gerecht? (Fabel)
  3. Der Lehrer ist nicht nett. 
  4. Individualisierung ist ein Menschenrecht
  5. Nochmals: Was ist gerecht?
  6. Fehlende Gerechtigkeit führt zu Streit